- So werde ich Rudelchef… Beitrag #161
T
Tuuli
Guest
Ich finde diese Methoden auch ziemlich unlogisch.
Mal tue ich so, als sei ich ein Hund und behandle den Hund, wie ein Hund einen anderen behandeln würde - z.B. mit dem Schnauzengriff. Aber andererseits darf mein Hund mich nicht wie einen anderen Hund behandeln (z.B. Anspringen) und weiter noch, ich verlange total hundeuntypisches Verhalten. Welcher Hund befiehlt einem anderen Hund sich hinzusetzen oder durch einen Reifen zu hopsen?
Mein Hund ist nicht dumm. Der weiß, dass ich kein Hund bin.
Ja, diese Methoden funktionieren erstmal. Sonst würden sie sich ja nicht so halten. Aber oft ist das nicht von langer Dauer. Ich kenne ein paar solcher Hunde - die sind teils aggressiv zu ihren Besitzern geworden. Da versteht man plötzlich nicht, warum der Hund einen anknurrt :roll:
Teils war der Lerneffekt nicht von langer Dauer und die Hunde verfielen schnell wieder in alte Muster. Und dann wurde lauter gebrüllt, härter gestupst und fester zugepackt, weil man sich anders nicht zu helfen wusste.
Ich kenne wirklich keinen, der langandauernd mit den Methoden Erfolg hatte.
Man kann dich natürlich nicht zwingen, wie du mit deinem Hund umzugehen hast, aber ich möchte nur anmerken: Es geht auch anders.
Würde man seinen Hund nur mit Druck und Zwang erziehen können, ich hätte keinen. Das ist mir persönlich viel zu viel Stress. Immer dieser Gedanke "Der Hund gegen mich". Immer Brüllen, handgreiflich werden etc.... Ne, das ist mir zu stressig. :lol:
Dass dein junger Hund beim Spielen aufdreht, ist absolut normal. Vielleicht machst du auch einen typischen Anfängerfehler und mutest deinem Hund in seinem jungen Alter einfach schon zu viel zu - das kommt hier sehr, sehr oft vor.
Wenn du weißt, dass er nach 10 Minuten spielen voll aufdreht, geh nach 8 Minuten nach Hause. Das erspart dem Hund Stress und dir auch.
Und ja. Jeder Hund ist unterschiedlich, so wie jeder Mensch auch. Aber keiner - egal ob Tier oder Mensch - mag es, gegen seinen Willen angestupst, angefasst, angebrüllt und eingeengt zu werden.
LG
Liebe(r) Keisuke,
Hast du Kinder? Falls ja: Wie hältst du die um Disziplin an bzw. maßregelst sie, wenn sie Mist bauen oder sich nicht so verhalten, wie du es dir von ihnen wünschst? Kaufst du ihnen dann ein Eis (und tust damit etwas, was sie mögen) oder nimmst du sie bei der Hand und verlässt den Spielplatz (und tust damit etwas, das sie NICHT mögen)?
Wenn junge Lebewesen lernen sollen, etwas nicht zu tun, dann erreichst du das in aller Regel nicht, indem du dieses Verhalten noch belohnst, sondern indem du es negativ und ausschließlich richtiges Verhalten positiv sanktionierst.
Näher liegendes Beispiel: Wenn dein 15-jähriger Teenagersohn auf dich losgehen und dich schlagen würde, weil du ihm nach zu wilder Feierei den PC wegnimmst - würdest du vor ihm kuschen und ihm vielleicht noch eine Streicheleinheit verpassen oder würdest du entschieden durchgreifen (gegen seinen körperlichen Affront notfalls auch körperlich durch Gegenwehr?)
Hier geht es doch nicht um Fragen des alltäglichen Umgangs. Bei der Frage der Maßregelung geht es in aller Regel um Ausnahmesituationen, in denen es schlicht darum geht, die Kontrolle zurückzuerlangen gegen einen sich auflehnenden frühpubertierenden Hund. Wer das nicht tut, der geht aus Sicht des Hundes als klarer Verlierer aus dieser Auseinandersetzung hervor. Dadurch schwindet dein Ansehen bei ihm genauso rapide wie sein Respekt vor dir.
Wenn ich das hier so höre, habe ich den Eindruck, in eine Familie geraten zu sein, in der Kinder antiautoriär erzogen werden. Sie dürfen alles, werden nicht gestraft, wenn sie Mist bauen, weil es ja keinen "Mist" gibt, sondern nur völlig freie Individuen. Diese Kinder werden nie Regeln kennen und künftig überall anecken in einer Gesellschaft, die auf Regeln basiert. Ich halte davon gar nichts, denn am Ende machen die Kinder schmerzhafte Erfahrungen mit anderen. Irgendwann ist mein Hund ausgewachsen und wiegt 20 Kilo. Da wird es keiner mehr lustig finden, wenn er von ihr angsprungen oder bis nach Hause verfolgt wird, weil sie partout spielen will und ich sie halt machen lasse. Es muss möglich sein, den Hund aus dieser Situation abzurufen bzw. herauszunehmen, ohne dass sie die Dominante markiert (und sich z.B. nicht anleinen lassen will und nach meinen Händen schnappt). Bei meinem Hund war das ausschließlich durch rigoroses Durchgreifen möglich. Mit dem Resultat, dass es inzwischen viel viel besser klappt.