Um nochmal auf das "über den im Weg liegenden Hund hinwegsteigen" zu sprechen zu kommen: ist es nicht auch eine Dominanzgeste, wenn ein Hund sich über den anderen drüber stellt? Insofern müsste es doch was die rolle als "Alphatier" angeht total egal sein, ob ich mich "über den Hund stelle" indem ich drüber weg steige oder meinen Platz beanspruche, indem ich darauf bestehe, dass er aufsteht, oder?
Ja und Nein. Das Auflegen der Pfote auf den Nacken geht zum Beispiel in eine ähnliche Richtung. Das wirkliche darüber stellen kenne ich aus der Praxis nur als Abschluss oder während eines Kommentkampfes oder einer kleineren Auseinandersetzung, bei der einer sich freiwillig hinwirft und der andere noch einmal deutlich den größeren markieren will. Ich halte das für eine der Gesten, die ich als nicht mehr filigran, sondern eher im Kampf einordnen würde. Während ein Blick oder eine bestimmte Körperhaltung noch vor einem Kampf erfolgen und diesen sogar bei richtigem Verhalten meist unnötig machen, sind das für mich eher Gesten, die bei Auseinandersetzungen zum Einsatz kommen und eher einer Art gewaltsamem Überordnen folgen. Hier wird sozusagen ausdiskutiert, wer der stärkere ist, was für mich nie dieselbe Stabilität hat wie eine Rangfolge, in die sich beide Hunde von Anfang an freiwillig fügen, weil sie den anderen nur abschätzen und sofort anerkennen. Es fällt für mich aufgrund meiner Erfahrung unter erzwungene Unterwerfung, nicht freiwillige (also passiv durch einen anderen und nicht aktiv von sich aus).
Außerdem kommt beim drüber stellen noch viel mehr Körpersprache dazu, meist ein nach unten gesenkter Kopf, ab und an gestellte Haare und gebleckte Zähne, allgemeine Anspannung. Das alles hast du ja nicht, wenn du über deinen Hund steigst. Und ihr habt zuvor auch nicht um die Position gerungen.^^ Von daher würde ich behaupten, dass der Hund beides vollkommen unterschiedlich wahr nimmt. Dasselbe gilt m.E. aber für das Wegschicken. Mein Hund denkt sich sicher nicht »wuhuuuuuuuuuuu, die dumme Nuss hat mich nicht zum Ausweichen gezwungen, ich bin jetzt der Gott – kniet alle nieder und erzittert vor meiner Maaaaaaaaaacht!!!!!«. Dem Gesichtsausdruck von Leo nach zu urteilen tippe ich eher auf »boah, hock dich endlich mal hin, ich will schlafen und du neeeervst!«.
Ich hab meinen Hund auch lieber vor mir und solange er darauf achtet, ob ich noch da bin, ist für mich alles ok.^^ Nach dem, was Bloch sagt, hätten mein Hund und ich dann sogar ein optimales Verhältnis, weil er an jeder Abzweigung stehen bleibt und auf ein Signal wartet. Dann darf ich ja auch mal stolz auf mein Monster sein :mrgreen:.