Klar wäre in diesem Falle die Kastration des Pferdes die einzig vernünftige und pferdefreundlichste Methode. Du als RB kannst da natürlich nichts machen, daher verzichte ich mal auf Schimpfkanonaden gegen unvernünftige Hengstbesitzer - bei uns wird jeder noch so gute Hengst, wenn er nicht deckt kastriert.
Das Pferde Herdentiere sind und auch Hengste gern Gesellschaft haben steht auch außer Frage. Bei älteren Hengsten ist die Einzelhaltung mit Sichtkontakt zu anderen Pferden jedoch nicht so schlimm, wie bei Stuten. Das muss man auch wissen.
In der Natur bekommt lange nicht jeder Hengst eine Stutenherde ab.
Freilebende Mustang- und Camargue Pferdegruppen beweisen das.
Bei absolut wild lebenden Pferden (Mustangs) haben Hengste eine eher niedrige Lebenserwartung. Decken, ewige Kämpfe etc. schwächen sie.
Junge Hengste leben erst in sog. Junggesellengruppen. Diese laufen einige Zeit hinter der Herde her und werden vom Althengst regelmäßig vertrieben. Die Hengste, die es schaffen ohne Stutenherde zu überleben schließen sich manchmal aus Sicherheitsgründen anderen Tiergruppen an. Oft dürfen sie auch am Rande einer Herde ihr Leben fristen und werden immer dann schwer traktiert, wenn die Stuten nicht alle tragend sind. Die Entscheidung ob ein Hengst jemals eine Herde ergattern kann, fällt meist bis zum ca. 7. Lebensjahr. Innerhalb dieses groben Zeitraums schlagen Hengste oft um. Ab ca. 10 Jahren werden sie gegenüber dem Menschen dann sehr anhänglich - Hengste, die decken (gerade wenn sie frei decken) akzeptieren dann oft plötzlich keine Wallache mehr.
Einen Hengst kann man daher sehr wohl in Sichtkontakt zu anderen Pferden allein halten, so er vertrauensvoll(!) wohlerzogen und nicht kreuzdominant ist und ewig kämpft.
Im Fall deines RB Hengstes ist daher natürlich noch nicht alles zu spät. Ob man dem Pferd nicht durch eine Kastration vieles ersparen könnte sei dahingestellt. Meine Meinung dazu ist klar - vor allen Dingen wenn man weiß, wie wir unsere Hengste halten. Beide werden von Anfängern geritten und betüddelt.
Ganz wichtig ist der Stressabbau für das Pferd. Ewiges Rumgegröhle und Hengstmanieren sind echter Stress fürs Pferd. Wird ihm das abgewöhnt, so wird der Besitzer auch nicht mehr den stolzen Hengst haben, den er ja augenscheinlich gern möcht. Bei unserem jüngeren Hengst brauchten einige Einstaller als ich neu in den Stall kam, bis zu 3 Monate bis sie merkten, dass er ein Hengst ist (klar sieht er aus wie ein Bulle aber die Einstaller dort hatten zuvor auch noch nie ein Quarterhorse gesehen und dachten, das ist normal).
Pauschal aus der Ferne kann man leider keinen Tipp geben. Es gibt keine Patentlösung, die immer hilft. Außer will das Pferd brechen, was leider oft z.B. mit vielen Andalusiern in Spanien oder Portugal gemacht wird.
Ein guter Trainer mit viel Hengsterfahrung wird das Problem gemeinsam mit euch lösen können ohne das Pferd zu brechen oder ihm permanenten Stress zuzumuten.
Allein ohne Erfahrung wirst du das leider vermutlich nicht in den Griff bekommen.
Wichtig ist nur, dass auch der Pferdebesitzer mit der Umerziehung seines Pferdes einverstanden ist und sich genauso an die Anweisungen des Trainers hält. Ein Hengst muss sehr straight behandelt werden, ansonsten kanalisiert er schnell seinen anfänglichen Frust und wird beim Besitzer unter Umständen unangenehme Eigenschaften entwickeln.