@Machtnix
Ich glaube, das Kitty sich etwas ganz anderes unter Westernreiten vorstellt als du.

Für mich klingt das so, als ob sie sich mit dem Pferd freizeitmäßig (im Westernsattel und mit Western-Kopfstück) bewegen möchte.
Nun macht aber ein Outfit noch lange keine Reitweise!
Welcher Sattel auch immer auf dem Pferd liegt und wie auch immer das Kopfstück geartet ist, die Reitweise ändert sich dadurch nicht. Man kann jedem Pferd einen Westernsattel drauflegen, ein Westernkopfstück nehmen, sich einen Hut und lange Sporen mit dicken Sporenriememen anziehen. Das macht noch keine Umstellung auf Westernreiten aus.
In meinem ersten Post habe ich ja geschrieben, dass ich ein solchen Pferd nicht unbedingt umstellen würde, sondern genau das oben beschriebene tun würde. Wenn man das Westernoutfit toll findet, kann man das ja machen, aber Umstellung auf Westernreiten ist mehr.
Es klingt für mich nicht danach, als ob sie mit dem Pferd noch auf Turnieren auftreten will.
Warum sollte sie auch. Man kann auch daheim gut reiten, ohne sich je auf einem Turnier mit anderen Reitern zu messen.
Es ist aber nunmal so, dass -gerade bei der EWU, die ja eng an der FN angelehnt ist und nicht dem Amerikanischen Stil folgt- ein Turnier eigentlich nur dazu da ist, den Ausbildungsstand des Reiters und des Pferdes entsprechend zu reiten. Es soll eine Linie der gesunden und vernünftigen Ausbildung entstehen. Allein daher hat die EWU den Start von 3-jährigen Pferden verboten, genau deshalb wurden das Regelwerk jetzt neu für diese Saison für die Pleasuredisziplin geändert, so dass jetzt auch extended Lope (schneller Galopp) gezeigt werden muss und das im Jog das Trippeln der HH nicht mehr erwünscht ist, sondern das Pferd möglichst große Tritte machen soll.
Die EWU hat die FN Ausbildungsskala fast 1:1 übernommen, da sich diese bewährt hat.
FN: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung, Versammlung alles zusammen ergibt die Losgelassenheit.
EWU: Takt, Losgelassenheit, Dehnungsbereitschaft an die Hand (nicht Anlehnung, da Anlehnung ans Gebiss nicht permanent gewünscht ist), Engagement der Hinterhand (ein Zoll an die Pleasure und HMS, da Schwung hier unerwünscht ist, hier nahm man einfach die Definition, da ansonsten allein aus der Wortwahl Missverständnisse entstehen), Geraderichtung, Durchlässigkeit. Der Punkt Versammlung wurde gestrichen, da Versammlung in der korrekten Definition mit relativer Aufrichtung einher geht.
Warum soll dann ein reines Freizeitpferd, das nie ein Turnier sehen wird, nicht korrekt geritten werden. Wenn es geeignet ist auch auf hohem Niveau?
Warum soll ein Reiter mit seinem nicht so talentierten Pferd, wenn er Spaß daran hat, nicht auf LK4 Turnieren starten - da werden nur die ersten 3 Punkte der Ausbildungsskala gefordert. Es gibt sogar Prüfungen in denen nichtmal galoppiert wird.
Man sollte gutes Reiten nicht immer an Turnieren festmachen. Gutes Reiten ist gutes Reiten und gesund für das Pferd. Schlechtes Reiten bleibt schlechtes Reiten, auch wenn der Reiter damit Erfolge einheimst.
Sicherlich ist das, was du beschreibst das was Westernreiten auszeichnet. Das wird man aber mit einem alten Pferd aus schlechter Haltung nicht erreichen.
Du erklärst die Hilfen und Voraussetzungen so, wie ein Dressurreiter auf Grand Prix Niveau einem Reiter der max. an einem Reiterwettbewerb teilnehmen kann die Dressur erklären würde.

Ich denke, du verstehst was ich meine.
Ich habe einige Dinge extra so beschrieben, da die Treaderstellerin bereichtete, dass eine Westernreiterin das Pferd einhändig geritten ist und das Pferd viel besser lief.
Wie ich beschrieben habe, ist einhändiges Reiten sehr viel mehr. Wenn ein nicht auf einhändiges Reiten eingestelltes Pferd einhändig besser läuft, ist das -wie ich geschrieben habe- ein Zeichen dafür, dass der Reiter mit dem Pferd unangenehm störenden Handhilfen reitet.
Ich habe damit keine Anleitung geschrieben wie ein Pferd zu reiten ist - das ist viel komplizierter. Es war nur geschrieben um der Reiterin klar zu machen, was Umstellung auf Westernreiten wirklich bedeutet und ihr eine Entscheidungshilfe zu geben, ob sie das will.
Wie schon gesagt, es wäre vielleicht besser das Pferd Trail und HMS zu reiten.
Leider sehe ich während meiner Arbeit immer wieder Pferde, die versucht wurden umzustellen. Die Pferde können nichtmal die Basics, aber stoppen können die schon (klar ohne Slidingeisen und mit weggedrücktem Rücken weichen die Pferde dem viel zu scharfen Bit im Maul).
Arme Pferde!
Ausbildung sollte immer klar sein, man sollte feste und realistische Ziele haben. Dann hat man viel Spaß und das Pferd auch. Ein Trailpferd oder ein HMS Pferd muss nicht stoppen, es reicht wenn es vernünftig anhält (eben wie ein englisch gerittenes Pferd), das wäre viel realistischer. Warum also gerade das versuchen, was so toll spektakulär aussieht (und so gern gezeigt wird). Westernreiten ist mehr als Stoppen und Drehen (meine Lieblingsdisziplin ist zwar auch Reining aber ich habe auch das richtige Pferd dafür, allerdings bin ich auch immer Allroundreiterin und selbst meine Reiner laufen in allen Disziplinen mehr oder weniger gut - aber immer mit Spaß).
Beim Westernreiten gibt es sehr viele Disziplinen. Diese haben alle den Sinn das Gleichgewicht, die Kraft und die Beweglichkeit des Pferdes zu fördern. Wenn man mischt, dann bitte mit Hirn, d.h. die Hauptdisziplin richtet sich nach dem Talent und der Psyche des Pferdes (das talentierteste Pferd taugt nichts, wenn es keine Freude an der Arbeit hat). Alle weiteren Disziplinen richten sich hinfenmäßig danach aus und werden als Abwechslung und Schulung geritten. Ausritte, wer einen Hund hat mal Horse an Dog Trail oder alles was Spaß macht etc. gehören dazu.
Die Reiterin wäre sicher glücklicher wenn sie bei ihren englischen Hilfen bleibt und sich die Disziplinen Trail und HMS vornimmt. Da kann sie auf nettem Neveau gut reiten und ihr Pferd gymnastizieren.
So hier mal eine kleine Geschichte -muss man nicht unbedingt lesen :
Mein bisher schwierigster Umstellungsfall war folgendes Pferd:
Ich hatte das Pferd nicht in Beritt, habe nur anfangs 2x wöchentlich draufgesessen bzw. unterrichtet oder wir haben uns die Stunde geteilt. Die Reiterin hat mich machen lassen, trotz aller Unkenrufe, ich würde das Pferd ja nicht fordern und im Beritt nur rumstehen (die sahen nicht, dass Konzentrations- oder Dehnungsübungen nicht immer etwas mit Laufen zu tun haben)
- 14J. Wallach,
- Mondblindheit, daher extrem schreckhaft und sehr eingeschränktes Sehen. Reiten nur mit Augenschutz, da das Pferd von jedwedem Licht geblendet wird.
- ängstliche Reiterin (da immer wieder runtergefallen und nicht nur sie) die schon älter ist,
- sollte Therapiepferd werden und war am Boden total durch den Wind und übertrainiert,
- danach Versuch von Springreiten und Dressur, angeblich Springtalentiert (da Angst vor der Stange und extreme Hektik, das führte zur Vorsicht am Sprung. Anschließend wurde der Reiter jedoch häufig im Rodeo abgebuckelt)
- ließ beim Reiten absolut nicht an seinem Körper arbeiten, der geringste Versuch am Körper zu arbeiten wurde mit heftigstem Bocken quittiert, bösartiger Abwerfer aller Reiter,
- wurde lange mit unpassendem Sattel geritten,
- extreme Hektik sobald Jemand in den Sattel steigt, und an der Longe, daher Rückenschmerzen ohne Ende,
- Pferd fest und total unflexibel überall, nichtmal am Bauch kratzen konnte sich das arme Tier, unendliche Verspannungen.
Ergebnis nach 8 Monaten:
- 2x Ostheopath, 1x Akkupunkteur
- die Reiterin kauft den 2. Sattel, da das Pferd muskelmäßig total umgebaut werden musste. (Eigentlich ist das der 3. Sattel aber einen Sattel konnte ich ihr leihweise für einige Monate überlassen)
- Bodenarbeit locker, entspannt, vollkommen angstfrei (kein Treten oder Beißen mehr) und gut
- Longe noch Hektik im Galopp, ansonsten entspannt und gut in mehreren Tempi innerhalb einer Gangart, kein Treten mehr
- Reiten allgemein: Wird beidhändig auf Snaffle (Wassertrense mit Kopferrolle in der Mitte 'Reinsman Heavy Rings Bit with Three Piece Copper Roller') geritten. Die Suche nach dem für das Pferd angenehmsten Gebiss dauerte etwas. Kaum noch schreckhaft, Außenstehende merken die 'Behinderung' nicht
- Reiten im Schritt und Trab sehr locker und nachgiebig, braucht nur noch sehr wenig Zügelhilfen, steht ohne Hektik sehr gut am Schenkel und Gewicht, lässt gern ohne die geringste Widersetzlichkeit an seinem Körper arbeiten und arbeitet eher motiviert. Findet für Probleme eigene Lösungen (z.B. das Drehen in der Box beim Trail). Arbeitet und denkt sehr gut mit.
- Reiten im Galopp noch etwas spannig, die Reiterin hat große Probleme mit dem Galoppieren, einmal aus Angst, andererseits weil sie es nicht gewohnt ist
- Im Schritt und Trab wird das Pferd auf gutem LK 2 Neveau geritten, im Galopp wäre das wohl LK 4.
- Ausreiten: In allen 3 GGA problemlos. Sicher im Gelände, Pferd wird auch dort mit Augenschutz geritten , hält den Hals aber entspannt, da es vertraut. Das Pferd hat vor
Dieses Pferd wird nie auf einem Turnier starten. Das Ziel ist ein glückliches, lockeres und langlebiges Pferd. Der Galopp kommt auch noch.