Danke für eure Meinung.
Wenn du wirklich so arbeiten möchtest, kann ich gern die Übungen und den Weg dahin nach und nach (so wie ich Zeit finde) beschreiben. Ich beschreibe die Übungen so, wie ich mit Jungpferden und Korrekturpferden, die ungern an ihrem Körper arbeiten lassen, arbeite. Daher kannst du evtl. einige Stationen schneller erledigen. Das grundsätzlich Handschuhe getragen werden sollten, Festes Schuhwerk (keine Sporen am Stiefel) und bequeme aber nicht flatternde Kleidung (kann sich was drin verfangen), die die eigene Bewegungsfreiheit nicht einschränkt, lasse ich in den Beschreibungen mal weg.
Longieren mit Körperband = Rückentraining, HH Training ohne störendes Reitergewicht.
Voraussetzungen: Das Pferd kennt Longieren und Ausbinden.
Material: Longe, Trense, Ausbinder (ideal Dreieckszügel in Wienerzügelverschnallung), 2 elastische Bandagen (Ideal Stretchbandagen) oder Theraband, Longierpeitsche, Sattel oder Sattel mit Longiergurt darüber.
Der Sattel ist recht wichtig und sollte nur weggelassen werden, wenn kein gut passender Sattel zur Verfügung steht. Es ist wichtig, dass das Pferd etwas Belastung im Rücken hat, daher kann idealerweise der Gurt über dem Sattel verschnallt werden (Steigbügel ab machen, bei Westernsätteln kann der Gurt auch weggelassen werden oder unterhalb der Fänder verschnallen, so dass diese frei schwingen)
Vorarbeit:
Pferd im Schritt aufwärmen (mind. 10 Min.), danach auf jeder Hand kurz traben lassen um evtl. Stalldrang, Aufregung, inneren Druck etc. abzubauen.
Das Pferd wird dann mit dem Dreieckszügel so ausgebunden, dass es den Kopf weit vor die Senkrechte nehmen kann und den Hals stark heben kann. Der Hilfszügel sollte jedoch so eng sein, dass er eine Begrenzung darstellt und das Pferd selbst bei sehr hoher Halshaltung (Aufregung) den Unterhals nicht rausdrücken kann. Man muss immer sehen, dass der Oberhalsmuskel mehr trägt als der Unterhals drückt. So wird selbst bei sehr hoher Halshaltung mit festgehaltenem Rücken zu Mindest an Hals und Schulter die richtige Muskulatur länger trainiert als die falsche.
Das Pferd wird so wieder auf beiden Händen einige Runden im Trab longiert (nicht zu lange, damit das Pferd nicht ermüdet, denn Widersetzlichkeit ermüdet mehr als lockeres Laufen).
Durchführung:
Dann wird das Körperband verschnallt. Dazu knotet man beide Bandagen zusammen, so dass ein langes Band entsteht. Das eine Ende knotet man nun tief am Gurt fest. Die Stelle ist ungefähr in Höhe des Ellenbogens des Pferdes. Das Körperband wird nun hinter dem Sattel über das Pferd gelegt und man tritt um das Pferd herum. Das Pferd wird an der Kruppe abwärtsstreichend mit etwas Druck berührt, dabei hat man schon das Körperband in der streichelnden Hand. Das Band wird um die HH gelegt, etwas unterhalb der Kniehöhe. Man übt etwas Druck aus und lässt dann wieder nach. Dieser Vorgang wird einige Male wiederholt, bis das Pferd ruhig und locker steht. Auch bei Pferden, die verwundert stehenbleiben erstmal ein paar Mal abstreichen.
Danach wird das Band auch auf dieser Seite am Gurt befestigt. Das Band sollte so liegen, dass es leichten Druck ausübt (keinen starken Zug aber auch nicht schlabbert). Bei Pferden mit sehr dickem Schweif sollte dieser über das Körperband gelegt oder eingeflochten werden. Im Endprodukt sollte der Schweif immer über dem Körperband liegen. Das Pferd soll ja nicht zum Schweifschlagen erzogen werden, da es den Schweif frei tragen soll und dieser nicht an den Po gedrückt werden soll.
Der Longenführer tritt dann zurück und treibt das Pferd vorwärts. Dieser Augenblick kann etwas kritisch werden. Der Longenführer darf das Pferd nicht aus den Augen lassen, muss unbedingt darauf achten, dass das Pferd sich vorwärtsbewegt und sollte gleichzeitig aus der Gefahrenzone sein, wenn das Pferd doch auskeilen oder Bocken sollte.
Am Besten hat man die Peitsche schon in Griffweite, diese wird jedoch nur angehoben, dabei greift der Longenführer sowohl die Peitsche als auch den Schlag. Das Pferd soll getrieben werden, es darf sich jedoch auf keinen Fall gejagt vorkommen und ängstlich werden.
Das Pferd wird für die Bewegung mit der Stimme gelobt.
Das Pferd wird sich per Sofort mehr schließen, so dass das Körperband evtl. sogar etwas schlabbert. Nach einigen Runden kann die Länge korrigiert werden.
Beim Longieren auf Ruhe achten und darauf, dass das Pferd sich nicht nach außen stellt. Dieses vermeidet man durch sanfte Paraden.
Die Peitsche wird immer und ausschließlich von hinten nach vorn in einem Halbkreis (wie ein U) geworfen. So sind Treffer gewollt und nicht schmerzhaft oder erschreckend für das Pferd und es wird die Peitsche als Hilfe akzeptieren.
Folgende Treffer sind zu verwenden:
Zwischen Sitzbeinhöcker und Sprunggelenk - schneller
Am Röhrbein - Schritt/Tritt/Sprungvergrößerung ohne großartige Taktverschnellerung (daher gleichzeitig mit Stimmhilfe und sanfter Parade)
Am Bauch - Biegung, Rippenkasten raustreiben
An der Schulter (nicht zu hoch), Pferd raustreiben
Das Pferd sollte möglichst schnell (nach ca. 1/4 - 1/2 Runde) angetrabt werden und dann längere Zeit auf jeder Hand traben um sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen.
Durch das Aufwölben des Rückens wird das Pferd den Hals schneller fallen lassen und von selber zur Dehnungshaltung finden. Der Hals wird weiter und länger und in einem schöneren Bogen nach vorn gestreckt als beim normalen Ausbinden. Die HH wird aktiver, die Lende arbeitet mehr, rechter und linker Rückenmuskel werden aktiviert (sieht man am Schönen hin und her schwingen des Sattels).
Bodenarbeit mit Übungen, die das Körpergefühl und Dehnung des Pferdes stärken.
Voraussetzungen: Halfterführigkeit
Material: Halfter (ideal Knotenhalfter) oder Sidepull, langes Bodenarbeitsseil oder Longe
Übung 1:
Vorarbeit: Im Idealfall kennt das Pferd das Longieren mit Körperband. Ein lockeres Seil mit viel Zug ist jedoch auch hier noch etwas Anderes.
Das Pferd wird auf beiden Händen warm longiert um evtl. Druck abzubauen. Hierbei werden schon Konzentrationsübungen eingebaut (das Pferd mit Körpersprache und evtl. einem Ruck am Halfter zu sich holen und wegschicken, vom Pferd eigenständige Handwechsel auf Körpersprache und Schwingen mit dem Seil, Pferd flott zu sich holen und wegschicken). Da diese Übungen eine gewisse Energetik haben, darf mit Lob und kleinen Kuschelpausen nicht gesprat werden.
Dann legt man eine Schlaufe des Seil um ein Vorderbein und zieht es mal vor, mal zurück. Das macht man mit allen 4 Beinen, wobei man immer vorn geginnt. Das Pferd jedesmal loben. Das Pferd soll die Angst verlieren, dass sich etwas um seine Gliedmaßen schlingt, was es nicht sieht. Das Pferd sollte so lange gearbeitet werden, bis es völlig relaxt ist. Evtl. zwischendurch wieder wegschicken und kurz einige Runden traben lassen falls sich Druck aufgebaut hat (sehr selten notwendig).
Durchführung:
Dann stellt man sich an die Seite des Pferdes (dicht dran), kurz hinter die Schulter. Das Seil wird nun über den Rücken des Pferdes gelegt und um die HH geschlungen. Dabei nimmt man den Kopf schon etwas zu sich.
Das Gebilde sieht dann so aus: Man steht beispielsweise an der linken Seite des Pferdes. Der Kopf des Pferdes schaut nach links auf den Menschen. Der Mensch hält das Seil mit der Linken hand und hält so den Kopf des Pferdes. Der Rest des Seils geht über den Rücken des Pferdes auf seine rechte Seite, dann um die HH in die rechte Hand des Menschen. Sehr langsam baut man nun Zug auf beiden Enden auf und beginnt mit Zug am Kopf. Das Pferd schaut nun auf seine HH. Das Pferd darf dabei laufen oder stehen bleiben. Im Idealfall läuft es sehr langsam im Kreis. Das Pferd lernt seine Ausmaße kennen und drückt den Rippenkasten nach außen, so dass es in Biegung steht bzw. läuft. Der Druck darf keinesfalls so stark sein, dass das Pferd auskeilt, panisch (sehr vorsichtig bei Vollblütern, bei diesen etwas länger die Vorarbeit an den Beinen um die Angst vorm Fesselzwang und Fixierung zu nehmen) wird oder sich hinsetzt. Den Druck hinten daher sehr langsam erhöhen.
Bei Pferden, die die Übung kennen, kann der Druck hinten sogar recht stark und Impulshaft sein, die schwingen dann richtig mit der Kruppe rum und entspannen sich sichtlich. Eine schöne Vorübung zum späteren travers und Renvers reiten, da das Pferd durch diese Übung eine höhere Beweglichkeit und eine Idee für seine Ausmaße bekommt.
Übung 2:
Voraussetzungen: Halfterführigkeit
Material: wie Übung 1
Vorarbeit: wie Übung 1
Durchführung:
Der Mensch steht nun wieder an der Seite des Pferdes, hinter der Schulter. Das Seil wird unter dem Pferdehals auf die gegenüberliegende Seite geführt. Nun wird das Seil um das komplette Pferd herumgeführt, dabei läuft der Mensch natürlich, das Pferd jedoch soll stehen. Das Seil ist ganz locker. Der Mensch stellt sich nun schräg vor das Pferd in ca. 1,5-2m Entfernung. Der Mensch steht auf der gegenüberliegenden Seite wie das Seil um das Pferd ist und hält das Ende.
Der Mensch ruft nun das Pferd zu sich (Name), und zieht gleichzeitig am Seil. Der Zug soll ansteigend schwungvoll sein. Das Pferd muss sich vom Menschen weg drehen um zu ihm zu kommen (Lob oder Leckerchen). Das Pferd muss durch den ansteigenden energiereichen Zug eine sehr enge Wengung machen. Es lernt dem seitlichen Zug des Zügels zu folgen, es lernt seine HH einzusetzen um sein Gleichgewicht in der engen Wendung zu halten (nach und nach, wenn die Pferde diese Übung kennen, kann das ganz schön flott werden). Es wird nach einiger Zeit mit der Routine im Idealfall gebogen sein und trotzdem mit untergeschobener HH mit der VH kreuzen, was enorm löst. Es schult Gehorsam, Gleichgewicht, Kraft (HH) und Arbeitsfreude (Lob einheimsen). Ein so gründlich gearbeitetes Pferd wird auch beim Reiten bei engeren Wendungen (Volte, Ecke, Abwenden...) seine HH einfach untersetzen und gebogen laufen, da es weiß, wo sein Rippenkasten hingehört und es einfach nur das innere Hinterbein unterschieben muss.
So das wars für heute, ich geh schlafen. Gute Nacht und viel Spaß.