Der Mythos vom Trieb

Diskutiere Der Mythos vom Trieb im Hunde Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Hunde Forum; Ich habe ja einen Gordon Setter und fänd es ausgesprochen schade, wenn ich seinen Trieb umlenken würde. Ich meine, dieser Hund hört und riecht...
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #41
Ich habe ja einen Gordon Setter und fänd es ausgesprochen schade, wenn ich seinen Trieb umlenken würde.

Ich meine, dieser Hund hört und riecht die Flöhe im Gras husten, warum sollte ich diesen Trieb nicht ausnutzen, wenn er es doch eh schon kann. Die Einzige Herausforderung ist, dass man mit spielen darf.

Wir machen bevorzugt Fährten/Dummysuche, zum Auspowern auch schon mal die Reizangel. Aber wenn Collin mit seinem Zinken über die Wiese jagen darf, ist er einfach glücklich und danach auch erschöpft. Das schöne bei diesem Spiel ist, dass ich die Fährte vorgebe und somit dabei sein kann. Und wenn er diese Fährte sucht, sucht er keinen Hasen o.ä.

Bei Jagdhunden gilt generel das Motto: "Sei spannender wie die Außenwelt". Wenn man das beherzigt, hat man auch einen tollen Hund an seiner Seite.

Ich persönlich finde allerdings auch, dass man diesen Hunden mal ein bißchen Freiraum lassen muss, wenn der Gehorsam sitzt. Collin prescht gerne mal über eine Wiese und scheucht ein paar Vögel auf, er schnuppert gerne und lang in Löchern und buddelt auch gerne danach. Er glotzt auch gerne mal Vögeln in der Luft hinterher und läuft ein Stück bellend mit, als ob sie sich dann ergeben würden und ihm in den Mund fallen würden :D.

Das alles "gönne" ich meinem Hund, denn nur im 3 m Dunstkreis um mich herumtraben ist einfach nichts für ihn. Er kommt allerdings auch sofort auf Pfiff zurück, das alles sind keine ernsthaften Jagdansätze sondern reine Entspannung und körperliche Ertüchtigung.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #42
Hallo Engelchen,
ich glaube das mit dem "umlenken" kam nicht richtig rüber bei dir. Weil, du lenkst nämlich den Trieb deines Setters um - und so wie sich das an-liest - ganz genau richtig und perfekt.

Niemand soll/will aus einem Jagdhund einen Hüter machen und umgekehrt. es geht darum - genau wie du es beschrieben hast....mit diesem Trieb zu arbeiten, zu spielen und ihn so "um zu lenken" daß es in unsere jeweilige Situation passt.

LG Suno
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #43
Hehe, Jerry gibt auch immer Pfote, wenn er was will :D

Suno, wie hast du denn in der Übergangszeit reagiert? Also wenn du sie Pfote geben lässt und es unmittelbar danach klingelt, ist sie da anfangs nicht trotzdem hochgegangen? Und wie hast du das gehändelt?
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #44
Kann mir das jemand bitte etwas näher bringen:

Ein Trieb, der umgelenkt wird, wird ja immer noch nicht befriedigt - Hunde sind doch nicht dumm und wissen, dass das, was ihnen
im "Blut" liegt, nicht erfüllt wurde...:eusa_think:

Nicht umsonst, hauen Hunde, die z.B. sportlich gehalten werden, immer noch zum Jagen ab....

Das soll jetzt bitte nur eine Frage sein und kein Angriff.
Ich würde das gerne verstehen...
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #45
mh. Ich bin nicht so der Gute Erklärer.
Ich versuch es mal.

Also, wenn ich einen Jagdhund habe, und bin mir dessen Bewusst, biete ich ihm "Jagd mit mir" , also zusammen an.
Soll heissen, Ich gebe die Fährte vor, der er nachgehen kann.
ICH lasse ihn auf Kommando der Reizangel hinterher hetzten,
so lernt der Hund dass er NUR mit MIR zum Erfolg/ "Befriedigung des Triebes" kommt.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #46
Ein Trieb, der umgelenkt wird, wird ja immer noch nicht befriedigt - Hunde sind doch nicht dumm und wissen, dass das, was ihnen
im "Blut" liegt, nicht erfüllt wurde...:eusa_think:

Nicht umsonst, hauen Hunde, die z.B. sportlich gehalten werden, immer noch zum Jagen ab....

Ein Jagdhund, der sportlich gehalten wird, wird seinen Anlagen entsprechend auch in keinster Weise ausgelastet.
Wie Willy schon schrieb ist es die Nutzung der gegebenen Affinität für bestimmte Tätigkeiten, die genutzt und in gemeinsamen (!) Unternehmumgen auch durchaus geförderten werden sollen, die den Hund wirklich auslasten und zufrieden sein lassen.

Einem Jäger das Hüten antrainieren zu wollen kann mechanisch funktionieren, aber zufrieden wäre dieser Hund damit vermutlich nicht.
Gib diesem Hund allerdings eine Fährte und er wird dich lieben:)
(Ganz plakativ gedacht;))
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #47
Danke!
Aber ich dachte nun eigentlich nicht an einen Jagdhund.... auch andere Hunde haben den sog. Jagdtrieb...
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #48
Was ja auch normal ist:)

Im gewissen Rahmen kann man ja auch mit jedem Hund Anti-Jagd-Training bzw. "Jagdersatzspiele" machen.
Meinen Elo würde ich jetzt auch nicht als klassischen Jagdhund bezeichnen, aber auch den bekommt man über Schnüffelspiele und Reizangeltraining gut ausgelastet und sein "Jagdtrieb" kommt nicht an richtigen Tieren zum Tragen.

Davon abgesehen muss einem eben einfach klar sein, dass Hunde nach wie vor Jäger und Raubtiere sind.
Kein Hund ist völlig frei von Jagdambitionen, da sie das eben definiert.
Aber, das finde ich auch durchaus wichtig, unsere Hunde müssen nicht jagen.
Das Jagen unserer Haushunde dient nicht der Beschaffung von lebensnotwendigen Beutetieren, sondern dient in erster Linie der reinen "Lustjagd", wenn man es mal so will.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #49
Die Frage ist, ob der Hund weiß, was ihm da im Blut steckt. Ich stelle mir jetzt einen Golden Retriever vor. Seines Zeichens Apportierhund. Wenn ich den jetzt als Welpen zu mir hole und mit ihm professionell (aber eben ohne Lebendbeute) Apporttiertraining mache... sieht er den Unterschied? Ob er jetzt eine tote Ente im Maul hat und zu mir bringt oder beispielsweise die Wildattrappe. Ich weiß wirklich nicht, ob ein Hund da sinngemäß sagen würde "alles schön und gut Frauchen, aber du stillst meine Bedrüfnisse erst, wenn ich ein totes Tier im Maul haben darf" :eusa_think:

Im Prinzip würde ich die ganze Triebsache wohl nicht ernster nehmen als man es sollte. Wenn man es genau nimmt, haben Nutzhundhalter ihre Tiere auch nur so trainiert und den Trieb des Hundes zu Nutze gemacht, wie sie es für ihren Job (sei es Schäfer oder Jäger) brauchen. Ein Jäger übt ja auch nicht den ganzen Tag an echter Beute und macht recht viel Ersatztraining (es wird ja auch nicht das ganze Jahr gejagt) und trotzdem sind Hunde bei guten Jägern unter Kontrolle. In der Natur verhalten sich Wölfe und Hunde diesbezüglich auch ganz anders. Ich denke, Hunde sind sehr anpassungsfähig (zu unserem Glück) und dass es nicht nur eine Art gibt, sie auszulasten. Hunde sind vielfältig. Es gibt Bücher, die klar aufzeigen, dass Hunde/Wölfe sowohl einzeln, wie auch im Rudeln und sogar mit anderen Arten (z.B. Vögeln) zusammen jagen und das Land vor Feinden erkunden. Ich glaube daher nicht, dass man schwarz-weiß sagen kann "das ist richtige Auslastung des Triebes und das hier nicht". Zumal, wie gesagt, ein Jäger beispielsweise den Hund auch nicht täglich an echte Beute heranlässt.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #50
Hallo,

Ich glaube daher nicht, dass man schwarz-weiß sagen kann "das ist richtige Auslastung des Triebes und das hier nicht". Zumal, wie gesagt, ein Jäger beispielsweise den Hund auch nicht täglich an echte Beute heranlässt.

Ach Pewee, das hast du super auf den Punkt gebracht. Das "anzeigen" von Besuch und "aufhören" übertrieben bzw. unkontrolliert zu wachen - habe ich ohne clicker - aber durch freies Formen erreicht.
Rosi wäre mit Sicherheit nicht glücklicher wenn sie den Ankommenden Menschen in Stücke reißen dürtfe....:shock:

Zu deiner Frage. Wer mich kennt, weiß ja , daß ich "obwohl" Schäferhundführer (schlimm das man das sagen muss) - auf vollkommen gewaltfreie und eher leise Erziehung stehe.
Deshalb habe ich die besten Ergebnisse den Hunden etwas an - oder ab zu gewöhnen, ihnen etwas neues oder anderes bei zu bringen mit dem sogenannten "freien Formen".
Wer sich schon mal "clickern" beschäftigt hat weiß was das bedeutet. (ich clicker - sehe das aber nicht als Religion und setzte es nicht 24 stunden am tag ein - sondern als kleine Hilfe und eine von Rosis Lieblingsbeschäftigung).

Aber aus der Clicker Methode heraus gezogen:
Also einfach eine Situation abwarten und vorbereitet sein - daß es gleich losgeht. Dann in genau dem Moment indem Rosi los wollte - abrufen, sie kommt, Belohnung zeigen - sie hebt Pfötchen...und sofort und fett belohnen. Ohne viel Worte . denn sie soll ja "hören" daß da was ist und , daß dieses Geräusch bedeutet - ab zur Chefin - sagen was los ist..... und Belohnung abholen....

Und bei aller Liebe zu meinen Hunden - man sollte sich schon immer bewußt sein, es sind und bleiben Hunde, Tiere. Es sind keine Lassies und Rintintins - die ihre Taten / Verhalten "intellektuell" reflektieren und /oder aus Liebe und Verantwortungsgefühl das eine machen und das andere nicht. Im besten und gewünschten Fall reagieren sie genauso, wie man es ihnen antrainiert (oder dies eben leider versäumt)

LG Suno
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #51
Im Prinzip würde ich die ganze Triebsache wohl nicht ernster nehmen als man es sollte.

Wohl wahr:)
Mutmaßungen über Trieb etc. gehen ja sowieso immer etwas an der Realität vorbei, denn es wird immer die Ausnahmen geben, die die Regel bestätigen;)
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #52
Off-Topic
Es sind keine Lassies und Rintintins -
:shock: wie jetzt? ich hab keinen Lassie? das war doch der einzige Grund warum ich einen Collie wollte:lol:


Sorry das musste mal grade sein.


Die Frage ist, ob der Hund weiß, was ihm da im Blut steckt. Ich stelle mir jetzt einen Golden Retriever vor. Seines Zeichens Apportierhund. Wenn ich den jetzt als Welpen zu mir hole und mit ihm professionell (aber eben ohne Lebendbeute) Apporttiertraining mache... sieht er den Unterschied? Ob er jetzt eine tote Ente im Maul hat und zu mir bringt oder beispielsweise die Wildattrappe. Ich weiß wirklich nicht, ob ein Hund da sinngemäß sagen würde "alles schön und gut Frauchen, aber du stillst meine Bedrüfnisse erst, wenn ich ein totes Tier im Maul haben darf" :eusa_think:

:clap:
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #53
Off-Topic
Willi - das Problem habe ich doch auch.....hole mir extra Kommisar Rex ins Haus......:uups: und dann muss man denen alles beibringen :eusa_doh:LG Suno
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #54
Die Frage ist, ob der Hund weiß, was ihm da im Blut steckt. Ich stelle mir jetzt einen Golden Retriever vor. Seines Zeichens Apportierhund. Wenn ich den jetzt als Welpen zu mir hole und mit ihm professionell (aber eben ohne Lebendbeute) Apporttiertraining mache... sieht er den Unterschied? Ob er jetzt eine tote Ente im Maul hat und zu mir bringt oder beispielsweise die Wildattrappe. Ich weiß wirklich nicht, ob ein Hund da sinngemäß sagen würde "alles schön und gut Frauchen, aber du stillst meine Bedrüfnisse erst, wenn ich ein totes Tier im Maul haben darf" :eusa_think:

Im Prinzip würde ich die ganze Triebsache wohl nicht ernster nehmen als man es sollte. Wenn man es genau nimmt, haben Nutzhundhalter ihre Tiere auch nur so trainiert und den Trieb des Hundes zu Nutze gemacht, wie sie es für ihren Job (sei es Schäfer oder Jäger) brauchen. Ein Jäger übt ja auch nicht den ganzen Tag an echter Beute und macht recht viel Ersatztraining (es wird ja auch nicht das ganze Jahr gejagt) und trotzdem sind Hunde bei guten Jägern unter Kontrolle. In der Natur verhalten sich Wölfe und Hunde diesbezüglich auch ganz anders. Ich denke, Hunde sind sehr anpassungsfähig (zu unserem Glück) und dass es nicht nur eine Art gibt, sie auszulasten. Hunde sind vielfältig. Es gibt Bücher, die klar aufzeigen, dass Hunde/Wölfe sowohl einzeln, wie auch im Rudeln und sogar mit anderen Arten (z.B. Vögeln) zusammen jagen und das Land vor Feinden erkunden. Ich glaube daher nicht, dass man schwarz-weiß sagen kann "das ist richtige Auslastung des Triebes und das hier nicht". Zumal, wie gesagt, ein Jäger beispielsweise den Hund auch nicht täglich an echte Beute heranlässt.

Der Trieb ist ein "Drang" etwas bestimmtes auszuführen - egal welcher Trieb das nun ist!
Wenn es nun aber "nur" eine Ablenkung gibt, in dem Moment, wo der Hund den "Drang" verspürt, führt er nicht aus, was er tun wollte, aber der Drang danach bleibt weiter bestehen..... auch ein gut ausgelasteter Hund hat ja dennoch seinen Jagdtrieb....

Ich vergleiche das mal einfach mit Hunger beim Menschen.... eigentlich wollte er essen, wird aber z.B. von einem Telefonat abgelenkt.... aber Hunger hat er auch weiterhin....

Bei den jagdlich geführten Hunden muss ich dir widersprechen, ich habe bereits mehrmals 2 Hunde (einmal vom Jäger und dann den vom Förster) im Wald entdeckt und sie im TH abgegeben.... sie sind dort schon bekannt, das sie ab und an entweichen... bei der Jagd....
Diese Hunde sind mit Sicherheit ausgelastet, wie du ja selbst schreibst...

Auch dein Beispiel mit dem Golden Retriver hinkt da ein wenig....
Du schreibst "es liegt ihm im Blut". Ja er wurde wohl eher auf das Apportieren gezüchtet - aber auch er hat doch weiterhin einen "richtigen" Jagdtrieb.
Auch wenn dieser Trieb evtl. durch die Zucht weniger stark vorhanden ist.

Man kann auch das Beispiel des Sexual/Fortpflanzungstriebes nehmen... der Rüde wird bei der Hündin abgelenkt, frißt dann aber nicht mehr, solange dieser "Duft" in der Luft liegt....da hilft keine Auslastung oder Ablenkung, auch keine anderen Ersatzhandlungen

Finde es auch etwas seltsam das die Beispiele sich hier sehr auf die "Rasse" oder den Gebrauch der Hunde beziehen.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #55
Ich vergleiche das mal einfach mit Hunger beim Menschen.... eigentlich wollte er essen, wird aber z.B. von einem Telefonat abgelenkt.... aber Hunger hat er auch weiterhin....

Aber das ist ja nicht dasselbe wie Jagen und Anti-Jagdtraining. Der Hund will jagen, weil er das Bedürfnis zum Jagen hat. Der Mensch isst, weil er hunger hat. Antijagdtraining ist aber auch Jagen (nur eben kein lebendiges Tier) und es ist eben eine Bezeichnung, die ich nutze, um meine Art des Jagdtraining von der Jagd des Jägers zu unterscheiden. Telefonieren ist aber keine andere Form der Nahrungsaufnahme. Natürlich kann der Hunger entsprechend nichtmal annähernd gestillt werden. Ich würde eher den Vergleich nehmen: Ich habe Lust auf ein Würstchen, will mir aber Fleisch verkneifen, also esse ich ein Soja-Brühwürstchen. Das ist kein Fleisch, aber ein Ersatz. Die Jagd, die ein Jäger oder ich veranstaltet, ist keine urtümliche Jagd eines Hundes, aber ein Ersatz (nur, dass der Jäger sich den Trieb zu Nutze macht, während ich das nicht mache, sondern versuche mit den Folgen der Zuchten umzugehen).


Bei den jagdlich geführten Hunden muss ich dir widersprechen, ich habe bereits mehrmals 2 Hunde (einmal vom Jäger und dann den vom Förster) im Wald entdeckt und sie im TH abgegeben.... sie sind dort schon bekannt, das sie ab und an entweichen... bei der Jagd....
Diese Hunde sind mit Sicherheit ausgelastet, wie du ja selbst schreibst...

Nichts Anderes wollte ich damit sagen, was ich oben ausführte. Auch die professionelle Jagd lastet den Hund vielleicht nicht 100% mit dem aus, was er in seiner frühsten Urform des Jagens eigentlich tun würde. Wenn diese Urform denn noch besteht, es gibt ja genug Rassen, bei denen das nicht mehr der Fall ist, obwohl sie mal Jäger waren. Dass ich sage, dass Hunde bei guten Jägern unter Kontrolle sind, war vielleicht missverständlich blöd von mir ausgedrückt. Natürlich denke ich, dass es da auch Individuen geben kann, wo das nicht funktioniert. Wo der Trieb des Hundes einfach so übermäßig ist, dass es nicht funktioniert. Es gibt ja auch das andere Extrem - nämlich Jagdhunde, die absolut gar keinen Jagdtrieb haben. Ob die in der Natur gut überleben würden, wäre dann eine andere Frage. Ich würde aber schon sagen, dass die Mehrheit der jagdlich geführten Hunde gut abrufbar und unter Kontrolle sind - oder entsprechend nicht mehr lange Jagdhund sind, wenn der Jäger auf mehr Kontrolle Wert legt. Da kann es aber immer mal wieder Hunde geben, wo das eben nicht so gut klappt. Wobei man da auch immer die Umstände kennen muss. Ich kenne deinen angesprochenen Jäger nicht und kann daher nichts über seine Qualitäten sagen.

Du schreibst "es liegt ihm im Blut". Ja er wurde wohl eher auf das Apportieren gezüchtet - aber auch er hat doch weiterhin einen "richtigen" Jagdtrieb.

Ich glaube, dass es evolutionsbedingt (durch die Züchtung vielmehr) "sein" Jagdtrieb geworden ist. So wie das Hüten die Art des Jagens bei Hütehunden wurde. Ich denke, dass sich Triebe und artentypische Verhaltensweisen im Laufe der Zeit ändern. Entweder durch Anpassung oder gezielte Züchtung, wie es bei den meisten Hunden passierte. Dass der bei falscher Haltung oder besonderen Individuen "mutieren" kann und sich anders zeigt, impliziere ich dabei. Aber im Grunde denk ich, dass der Apportierdrang sein Jagdtrieb ist. Daher auch dieses häufige nach Mäusen buddeln solcher Rassen. Auch das ist mittlerweile durch die viele Apportierarbeit inhärent. Ist nur meine Theorie, kann natürlich auch ganz anders sein. Ich glaube auch, dass der urtümliche Jagdinstinkt zurückkommen würde, wenn man Hunde einfach mal in die freie Wildbahn setzt. Aber erst dann wird der urtümliche Jadtrieb wach. So wie auch wir vermutlich Instinkte vollends entwickeln würden, wenn man uns entsprechenden Situationen aussetzt.

Wie gesagt, denke ich nicht, dass man GANZ streng genommen bei Antijagdtraining von "Ersatztraining" sprechen kann. Das ist jetzt einfach so eine Wortklauberei, die man zum besseren Verständnis für Anfragen nimmt. Ich denke tatsächlich, dass es eine Art der Jagd ist, wenn ich meine Hunde nach einer Wildattrappe jagen lassen würde. Es ist nur keine professionell geführte Jagd. So gesehen, müsste man auch die professionelle Jagd als Ersatztraining bezeichnen, da sie mit der Jagd in der Urform eines Hundes (Jagd im Rudel, Jagd mit anderen Arten, Einzeljagd) ebenso nichts zu tun hat wie die "Jagd", die wir mit unseren Hunden veranstalten.

Man kann auch das Beispiel des Sexual/Fortpflanzungstriebes nehmen... der Rüde wird bei der Hündin abgelenkt, frißt dann aber nicht mehr, solange dieser "Duft" in der Luft liegt....da hilft keine Auslastung oder Ablenkung, auch keine anderen Ersatzhandlungen

Auch da sehe ich den entscheidenen Unterschied darin, dass es keinen adäquaten Ersatz gibt. Ich denke, es macht für den Hund wenig Unterschied, ob ich ihn nun einen Hasen jagen lasse oder die Wildattrappe an der Reizangel. Aber für den Sexualtrieb gibt es keinen ähnlichen Ersatz. Ich kann den Hund mit einem zappelnden Dummy m.E. ebenso gut zum Haschen animieren, wie ein echter Hase. Er wird angeheizt und hat auch einen gewissen Erfolg. Würde ihn die Attrappe nicht interessieren, würde er diese nicht jagen und auch nicht so schütteln, wie er das beispielsweise bei Beute macht. Beim Sexualtrieb kenne ich keine ähnliche Handlung. Ich müsste etwas haben, was zumindest annähernd diesen Akt nachahmt, den er hätte, wenn er eine heiße Hündin trifft. Im Prinzip eine Hundegummipuppe, die den Trieb ebenso animiert, wie der Dummy (oder die Fährte o.ä., will mich nicht nur auf Sichtjäger beschränken) den Jagdtrieb.

Finde es auch etwas seltsam das die Beispiele sich hier sehr auf die "Rasse" oder den Gebrauch der Hunde beziehen.

Wie meinst du das? :eusa_think: Meinst du, dass wir eher vom "angezüchteten" Jagdtrieb als vom Urjagdtrieb sprechen?

Trotz meinem Plädoyer pro Antijagdtraining: Ich glaube nicht, dass Antijagdtraining den Jagdtrieb eines Hundes vollends unter Kontrolle kriegt. Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit. Hunde sind keine Automaten, sondern Tiere, die ebenso Fehler machen und ihren Trieben unterlegen sind wie wir. Daher stimme ich dir zu und gehe davon aus, dass es Hunde geben kann, für die Antijagdtraining kein ausreichender Ersatz darstellt und die darin immer eine tickende Zeitbombe bleiben. Das ist für mich allerdings keine Entschuldigung, Antijagdtraining nicht zumindest zu versuchen und sich - wie in Sunos Eingangspost - auf die faule Haut zu legen.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #56
Auch die professionelle Jagd lastet den Hund vielleicht nicht 100% mit dem aus, was er in seiner frühsten Urform des Jagens eigentlich tun würde.

Insgesamt stimme ich Pewee zu, möchte hierzu nur kurz los werden, dass die professionelle Jagd mit Jäger und so im Endeffekt für den Hund viel weniger befriedigend ist als manche glauben.
Als Beispiel die Vorstehhunde: Sie suchen, zeigen an und stehen vor. Zur eigentlichen Jagdhandlung kommen sie überhaupt nicht - das Problem an der Sache.
Denn sie haben ja trotzdem diesen extrem angezüchteten Jagdtrieb, würden also eig. bis zur Endhandlung also der Tötung jagen, würde man sie lassen.

Hier liegt auch das Hauptproblem bei der Ausbildung zum Jagdhund. "Der Wille wird gebrochen" wie es so schön heißt, damit der Hund eben nicht das Wild selbst holt.
Da ich das zur Zeit durch einen Jagdhund in Ausbildung mitbekomme, kann ich daher sagen, dass von 10 Hunden nur einer ohne Teletaktgerät ausgebildet wird, weil es einfach enorm viel Arbeit und Können erfordert den Hund einsatzfähig zu bekommen, trotz flüchtendem Wild vor der Nase.
Soll heißen: Jagdhunde sind eine sehr zwiespältige Sache. Zum Teil dürfen und sollen sie, aber wehe sie machen einen Fehler und sind nicht unter Kontrolle.
Denn einen wildernden Jagdhund behält kein Jäger sehr lange.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #57
Ich habe manchmal auch arg den Eindruck - will aber nicht alle Jäger über einen Kamm scheren -, dass die professionelle Jagd recht stressig für Hunde ist. Ich hab das mal im Fernsehen gesehen. Zwei Jäger, ein Hund und alle auf einem Hochstuhl am Beobachten. Der Hund war am Zittern und am Fiepen, weil der schon voll im Geschehen war. Ob das jetzt positiver oder negativer Stress war, mag ich nicht beurteilen, weil ich da nicht so arg in der Materie drin bin. Aber ich könnte mir durchaus beides vorstellen. Zumindest bin ich froh, dass ich meine Hunde durch "Hobbyjagd" mit Dummies nicht so stresse und sie nicht unter derartigem Druck stehen, weil ich durch Dummies/Fährten natürlich alles in der Hand habe, wann, wo und wie meine Hunde jagen dürfen.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #58
Ich denke jedenfalls dass es den Hunden schon im Blut liegt - Malou hat schon mit 9 Wochen versucht mich einzukreisen.
Aber Ausnahmen gibt es ja immer.. Der Border meiner Freundin hat noch nie etwas vom Will to please und vom Hütetrieb gehört wie es scheint.
Mal eine Frage, weil ich mir jetzt frecherweise nicht alles durchgelesen habe; Wie soll ich Malous Hütetrieb umlenken? Also wie würdet/habt ihr das gemacht?

LG Dazzle
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #59
Ich wollte mich nochmal mit Erfahrungen einbringen auch wenn es nicht so 100prozentig das Thema ist. Mir ist aufgefallen, dass sehr viele Hütehund-Besitzer denken ihr Hund hat einen Hütetrieb dabei ist das totaler Blödsinn. (Ich rede jetzt nur von Leuten die ich persönlich kenne und ihre Hunde!) Der Collie-Sheltiemix von einer Bekannten jagt zum Beispiel, er nimmt richtig Fährte auf und ist dann verschwunden. Obwohl sie eine Erwachsene Frau ist, denkt sie allen erstes ihr Hund würde das Wild hüten wollen! Deshalb wäre Anti-Jagd-Training nicht angebracht. Oh man.. Oder ganz viele die ich kenne denken ihre Hunde hätten einen Hütetrieb weil sie wollen dass die Bezugspersonen beim Spaziergang zusammen bleiben aber das will jeder zweite Hund von allen Hunderassen! Ich denke man kann mit Hütehunden ruhig Treibball spielen oder versuchen aus Spaß echte Tiere zu hüten, das ist auch gut zur Steigerung des allgemeinen Gehorsams meiner Erfahrung nach. Mein Hundeverein ist da sehr vielseitig, wir machen nur 1-2x die Woche Training aber immer was anderes quer durch alle Sportarten. Denke das ist gut dass sich die Hunde nicht so auf eine Sache versteifen. Es gibt ja auch so total Ballfixierte Hunde, auch schlimm.
 
  • Der Mythos vom Trieb Beitrag #60
Neuerdings heißt es übrigens, "Trieb gibt es nicht" - nachzulesen in "Wer denken will, muss fühlen" von Elisabeth Beck.
Was man davon hält, bleibt ja jedem selbst überlassen ... ;)
 
Thema:

Der Mythos vom Trieb

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