Ich vergleiche das mal einfach mit Hunger beim Menschen.... eigentlich wollte er essen, wird aber z.B. von einem Telefonat abgelenkt.... aber Hunger hat er auch weiterhin....
Aber das ist ja nicht dasselbe wie Jagen und Anti-Jagdtraining. Der Hund will jagen, weil er das Bedürfnis zum Jagen hat. Der Mensch isst, weil er hunger hat. Antijagdtraining ist aber auch Jagen (nur eben kein lebendiges Tier) und es ist eben eine Bezeichnung, die ich nutze, um meine Art des Jagdtraining von der Jagd des Jägers zu unterscheiden. Telefonieren ist aber keine andere Form der Nahrungsaufnahme. Natürlich kann der Hunger entsprechend nichtmal annähernd gestillt werden. Ich würde eher den Vergleich nehmen: Ich habe Lust auf ein Würstchen, will mir aber Fleisch verkneifen, also esse ich ein Soja-Brühwürstchen. Das ist kein Fleisch, aber ein Ersatz. Die Jagd, die ein Jäger oder ich veranstaltet, ist keine urtümliche Jagd eines Hundes, aber ein Ersatz (nur, dass der Jäger sich den Trieb zu Nutze macht, während ich das nicht mache, sondern versuche mit den Folgen der Zuchten umzugehen).
Bei den jagdlich geführten Hunden muss ich dir widersprechen, ich habe bereits mehrmals 2 Hunde (einmal vom Jäger und dann den vom Förster) im Wald entdeckt und sie im TH abgegeben.... sie sind dort schon bekannt, das sie ab und an entweichen... bei der Jagd....
Diese Hunde sind mit Sicherheit ausgelastet, wie du ja selbst schreibst...
Nichts Anderes wollte ich damit sagen, was ich oben ausführte. Auch die professionelle Jagd lastet den Hund vielleicht nicht 100% mit dem aus, was er in seiner frühsten Urform des Jagens eigentlich tun würde. Wenn diese Urform denn noch besteht, es gibt ja genug Rassen, bei denen das nicht mehr der Fall ist, obwohl sie mal Jäger waren. Dass ich sage, dass Hunde bei guten Jägern unter Kontrolle sind, war vielleicht missverständlich blöd von mir ausgedrückt. Natürlich denke ich, dass es da auch Individuen geben kann, wo das nicht funktioniert. Wo der Trieb des Hundes einfach so übermäßig ist, dass es nicht funktioniert. Es gibt ja auch das andere Extrem - nämlich Jagdhunde, die absolut gar keinen Jagdtrieb haben. Ob die in der Natur gut überleben würden, wäre dann eine andere Frage. Ich würde aber schon sagen, dass die Mehrheit der jagdlich geführten Hunde gut abrufbar und unter Kontrolle sind - oder entsprechend nicht mehr lange Jagdhund sind, wenn der Jäger auf mehr Kontrolle Wert legt. Da kann es aber immer mal wieder Hunde geben, wo das eben nicht so gut klappt. Wobei man da auch immer die Umstände kennen muss. Ich kenne deinen angesprochenen Jäger nicht und kann daher nichts über seine Qualitäten sagen.
Du schreibst "es liegt ihm im Blut". Ja er wurde wohl eher auf das Apportieren gezüchtet - aber auch er hat doch weiterhin einen "richtigen" Jagdtrieb.
Ich glaube, dass es evolutionsbedingt (durch die Züchtung vielmehr) "sein" Jagdtrieb geworden ist. So wie das Hüten die Art des Jagens bei Hütehunden wurde. Ich denke, dass sich Triebe und artentypische Verhaltensweisen im Laufe der Zeit ändern. Entweder durch Anpassung oder gezielte Züchtung, wie es bei den meisten Hunden passierte. Dass der bei falscher Haltung oder besonderen Individuen "mutieren" kann und sich anders zeigt, impliziere ich dabei. Aber im Grunde denk ich, dass der Apportierdrang sein Jagdtrieb ist. Daher auch dieses häufige nach Mäusen buddeln solcher Rassen. Auch das ist mittlerweile durch die viele Apportierarbeit inhärent. Ist nur meine Theorie, kann natürlich auch ganz anders sein. Ich glaube auch, dass der urtümliche Jagdinstinkt zurückkommen würde, wenn man Hunde einfach mal in die freie Wildbahn setzt. Aber erst dann wird der urtümliche Jadtrieb wach. So wie auch wir vermutlich Instinkte vollends entwickeln würden, wenn man uns entsprechenden Situationen aussetzt.
Wie gesagt, denke ich nicht, dass man GANZ streng genommen bei Antijagdtraining von "Ersatztraining" sprechen kann. Das ist jetzt einfach so eine Wortklauberei, die man zum besseren Verständnis für Anfragen nimmt. Ich denke tatsächlich, dass es eine Art der Jagd ist, wenn ich meine Hunde nach einer Wildattrappe jagen lassen würde. Es ist nur keine professionell geführte Jagd. So gesehen, müsste man auch die professionelle Jagd als Ersatztraining bezeichnen, da sie mit der Jagd in der Urform eines Hundes (Jagd im Rudel, Jagd mit anderen Arten, Einzeljagd) ebenso nichts zu tun hat wie die "Jagd", die wir mit unseren Hunden veranstalten.
Man kann auch das Beispiel des Sexual/Fortpflanzungstriebes nehmen... der Rüde wird bei der Hündin abgelenkt, frißt dann aber nicht mehr, solange dieser "Duft" in der Luft liegt....da hilft keine Auslastung oder Ablenkung, auch keine anderen Ersatzhandlungen
Auch da sehe ich den entscheidenen Unterschied darin, dass es keinen adäquaten Ersatz gibt. Ich denke, es macht für den Hund wenig Unterschied, ob ich ihn nun einen Hasen jagen lasse oder die Wildattrappe an der Reizangel. Aber für den Sexualtrieb gibt es keinen ähnlichen Ersatz. Ich kann den Hund mit einem zappelnden Dummy m.E. ebenso gut zum Haschen animieren, wie ein echter Hase. Er wird angeheizt und hat auch einen gewissen Erfolg. Würde ihn die Attrappe nicht interessieren, würde er diese nicht jagen und auch nicht so schütteln, wie er das beispielsweise bei Beute macht. Beim Sexualtrieb kenne ich keine ähnliche Handlung. Ich müsste etwas haben, was zumindest annähernd diesen Akt nachahmt, den er hätte, wenn er eine heiße Hündin trifft. Im Prinzip eine Hundegummipuppe, die den Trieb ebenso animiert, wie der Dummy (oder die Fährte o.ä., will mich nicht nur auf Sichtjäger beschränken) den Jagdtrieb.
Finde es auch etwas seltsam das die Beispiele sich hier sehr auf die "Rasse" oder den Gebrauch der Hunde beziehen.
Wie meinst du das? :eusa_think: Meinst du, dass wir eher vom "angezüchteten" Jagdtrieb als vom Urjagdtrieb sprechen?
Trotz meinem Plädoyer pro Antijagdtraining: Ich glaube nicht, dass Antijagdtraining den Jagdtrieb eines Hundes vollends unter Kontrolle kriegt. Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit. Hunde sind keine Automaten, sondern Tiere, die ebenso Fehler machen und ihren Trieben unterlegen sind wie wir. Daher stimme ich dir zu und gehe davon aus, dass es Hunde geben kann, für die Antijagdtraining kein ausreichender Ersatz darstellt und die darin immer eine tickende Zeitbombe bleiben. Das ist für mich allerdings keine Entschuldigung, Antijagdtraining nicht zumindest zu versuchen und sich - wie in Sunos Eingangspost - auf die faule Haut zu legen.