Klar kann man Skepsis gegenüber Fremden beibringen. Aber ich halte es für ein sehr gefährliches, wenn nicht sogar total schwachsinniges Unterfangen. Die Gefahr, dass man von skeptisch ins aggressive übergeht, ist, meiner Meinung nach recht hoch, da wir als Menschen nur bedingt einschätzen können, wo für den Hund die Grenze ist, zwischen "ich finde einen Menschen unheimlich" und "ich finde einen Menschen gefährlich". Hinzu kommt natürlich noch der Unterschied zwischen den Individuen.
Für den Hund gibt es nur ein entweder oder. Entweder ich lasse jeden aufs Grundstück, oder niemanden. In dem Moment, in dem du dem Hund beibringst, einen Besucher nicht freundlich zu begrüßen und ihn GLEICHZEITIG aber auf sich alleine stellst, bringst du ein hohes Gefahrenpotential rein. So lang du dabei bist, hast du für den Hund die Kontrolle der Situation, gerade ein Goldimix wird sich zu dir rückorientieren, die Rasse ist nicht so selbstständig veranlagt. Ist der Hund allerdings alleine, was er ja bei dir wäre, kann es sein, dass ihn die Situation überfordert und er nicht mehr weiß, was er tun soll. Und dann kann alles passieren, von Unterwerfung vor dem Fremden, zu verkriechen im Garten bis hin zum Beißen des Fremden. Davon abgesehen, dass alles nicht so prickelnd wäre, bringst du dem Hund auch bei, dass es Situationen gibt, in denen du nicht für ihn da bist, und das kann sich auf ganz andere Lebenssituationen ausweiten.
Alles in allem: freu dich, dass du einen freundlichen Hund hast, der ohne Skepsis jedem Menschen begegnet. Und gib ihm immer wieder die Chance mit Fremden zu interagieren, aber kontrollier das. Und lass ihn in der sensiblen Teenagerphase nicht alleine raus. Du kannst dir noch so viele andere Probleme hinzuziehen. Was macht dein Hund so, wenn er alleine draußen ist? Jagt er vielleicht Vögel oder buddelt nach Mäusen oder jagt Katzen? Vielleicht kommen Kinder mal auf die Idee mit Stöcken/Steinen oder sonst irgendwas nach ihm zu werfen. Vielleicht sogar nur im Spiel. Es können sich viele Unarten oder Traumata entwickeln und du hast später nicht den Hauch einer Ahnung, woher das Problem kommt.
Und ich red nicht nur blöd daher, ich hatte ein ähnliches Problem mit meiner und hab da auch auf sehr hohem Niveau gejammert. Meine vergöttert Kinder. Als Welpe ist sie unkontrollierbar geworden, wenn sie Kinder gesehen hat. Sie ist immer auf der Lauer gelegen, wann die Tür aufgeht, um auszubrechen und rüber zum Spielplatz zu rennen.
Ich hab damals auch immer gejammert, dass es so schrecklich ist, dass mein Hund Kinder mag und ich hätte das am liebsten abgeschaltet. Alle haben immer gesagt: sei froh und änder da ja nichts dran!
Also hab ich den Kinderkontakt gehalten, aber kontrolliert. Noch heute ist extrem wichtig, dass sie ihren Kinderkontakt bekommt, deswegen nutz ich beim Gassigehen jedes interessiert drein blickende Kind zwischen 1 und 10 Jahren, und lass sie sie streicheln. Dadurch ist die Sache kontrollierbar geworden. Sie vergöttert Kinder noch immer und es wedelt noch immer der ganze Hund, wenn sie sie sieht oder hört, aber sie ist abrufbar, wenn sie zu ihnen rennen will.