Durchaus ein sehr gelungener Beitrag. Ich muss allerdings bei einigen Punkten etwas anmerken.
Du sprichst viel von Dingos, diese haben allerdings rein gar nichts mit unseren Haushunden zutun. Es wurde mittlerweile belegt, dass der Wolf alleiniger Stammvater all unserer Haushunde ist.
Das natürliche Aussehen und die Körpersprache des Dingos ist dem des Wolfes sehr nahe bzw. sogar identisch. Dingos haben sich auch mitnichten im Laufe der Zeit "angepasst" und zufällig Ringelschwänze entwickelt. Es gibt heutzutage immer weniger "reine" Dingos, weil sie sich mit wildlebenden Hunden verpaaren.
Man kann also durchaus von naturnaher Kommunikation sprechen, wenn man den Wolf - und auch den natürlichen Dingo - als Vorbild nimmt!
Viele Hunde verstehen Wölfe nicht mehr und umgedreht. Das liegt allerdings ganz einfach daran, dass sie es nicht (mehr) kennen. Ich schrieb ja nun schon mehrfach, dass es bei unseren Hunden wichtig ist, dass sie möglichst früh die verschiedenen "Sprachen" lernen, die es heutzutage gibt. Ich schrieb auch, dass wir Menschen dahingehend ja ein gutes extremes Beispiel sind. Ein Hund kann sich mit einem Mops genauso schlecht verstehen wie mit einem Wolf, wenn er beides nicht kennengelernt hatte. Es kann natürlich auch sein, dass er auch ohne kennenlernen beide versteht.
Ich fasse es nochmal möglichst verständlich zusammen:
Was unsere Hunde von selbst können, sind die Signale die sie aussenden.
Was unsere Hunde lernen müssen, sind die Signale, die andere geben.
Das wäre allerdings nicht bzw. nur für das Sozialverhalten an sich nötig, wenn alle Hunde noch die selbe, möglichst naturnahe, Sprache sprechen würden.
Der Hund ist kein Wolf mehr. Das muss er auch nicht, gewisse Veränderungen gehen mit der Domestikation und der daraus erfolgten Anpassung an den Lebensraum beim Menschen einher. Das ist im Sinne der Hunde, denn das ist ihre Umwelt und damit müssen sie zurechtkommen.
Daher ist das wölfische Verhalten als Vorbild für eine möglichst naturnahe Kommunikation auch nicht geeignet. Der Hund ist keine in dieser Hinsicht "vereinfachte" Version des Wolfes. Ziel sollte es nicht sein aus dem Hund wieder einen Wolf zu machen sondern einen Hund zu haben, der optimal in unserer Gesellschaft (mit Mensch und Hund) zurechtkommt, sein (und nicht das des Wolfes!) natürliches Verhalten ausleben kann und bei bester Gesundheit ist.
Ich stimme dir zu, was das Ziel des Hundes angeht sich an unsere Umwelt anzupassen. Allerdings gibt es keinerlei Grund warum das nicht mit einem möglichst naturnahen und gesundem Körper, der auch gesunde, klare und naturnahe Kommunikation erlaubt einhergehen sollte.
Ich sehe durchaus einen großen Unterschied darin, ob ein Hund Merkmale aufweist die aufgrund Jahrhunderte langer Domestikation entstanden sind oder ob ein Hund Merkmale aufweißt die gezielt in Extreme gezüchtet werden bzw. gar durch operative Eingriffe entstehen. Wenn dadurch die hündische Kommunikation so eingeschränkt wird dass es zu Verständigungsschwierigkeiten kommt ist das nicht im Sinne der Tiere. Das so etwas passieren kann zeigen sowohl kupierte Hunde als auch Hunde mit züchterisch extrem bedingten Merkmalen.
Eine exakte Grenze ab wann es problematisch wird zu ziehen ist natürlich schwierig. Aber das Abschneiden der Rute aus optischen Gründen überschreitet diese Grenze zweifellos.
Die Merkmale, die durch Jahrhunderte langer Domestikation entstanden sind, sind aber oft genau die Merkmale die ins Extreme gehen.
Wo zieht man die Grenzen für das Extreme? Zu kurze Beine? Was ist "zu kurz"? "Zu groß oder zu klein? Wie definiert man das? An der Lebensdauer, der Gesundheit?
Viele Gebrauchshunderassen wurde absichtlich ins Extreme gezüchtet und damit einhergehend auch mit gesundheitlichen Problemen.
Was durch Jahrhunderte Domestikation entstanden ist, muss nicht gut sein!
Wann entscheidest du, dass es zu Verständigungsproblemen kommt?
Wenn ein Hund von klein auf Hunde ohne Rute kennenlernt, wird er auch mit kupierten Hunden später kein Problem haben. Das selbe gilt für jede Art der "Sprache", die unsere Hunde entwickelt haben.
Also entweder müssen wir davon sprechen, dass es keinerlei Verständigungsprobleme gibt und es einzig und alleine nur an den Haltern liegt, oder aber wir fangen an von Verständigungsproblemen zu reden. Dann ist es aber nur legitim diesen Gedanken wie von mir oben beschrieben auch weiter zu führen und wo man seine eigene Grenze setzt ist einem dann selber überlassen.
Meiner Meinung nach ist es ersteres, aber mit dem Problem, dass man es oft nicht schafft dem Hund jede "Sprache" beizubringen.
Dort haben dann die ein "Nachsehen", die "selten" sind.
Aber nochmals: Würden alle Hunde die selbe Sprache sprechen, gäbe es keine Verstädigungsprobleme mehr.
Es gibt da auch keine "Hundesprache" oder "Wolfsprache".
Es ist im Prinzip eine "Sprache" oder ein "Dialekt" für die verschiedenen Merkmale des Hundekörpers, die zur Kommunikation dienen.
EDIT (automatische Beitragszusammenführung)
Und auch wenn ich eigentlich nicht sonderlich auf den Ohren rumreiten möchte, da ich die Rute auch für wesentlich entscheidender halte, gibt es bei Schlappohren - zumindest die mir bekannten - doch eine Stellung, die völlig untergeht.
Kennt ihr die Situation, wenn euer Hund bedrängt wird, aber sich nicht unterwerfen/beschwichtigen möchte, sondern steif da steht und symbolisiert, dass es ihm unangenehm ist?
Bei Askan sieht man in so einer Situation sehr deutlich, dass die Ohren an den Muskeln zurückgezogen sind aber noch aufrecht. Sie sind dann sozusagen sehr spitz zusammen gedrückt und nah beieinander, aber noch immer aufrecht.
Bei Mylo (der leider wesentlich öfter in so eine Situation kommt, da er ein Hund ist der niemals selber jemanden angeht, dem es aber auch im Traum nicht einfällt zu beschwichtigen, wenn er angegangen wird) macht das selbe mit den Ohrmuskeln. Man sieht am Ohransatz wie er die Ohren "zusammenzieht". Allerdings sieht das Endergebnis genauso aus, als ob er die Ohren unterwürfig/beschwichtigend anlehnen würde.
Ich habe leider keine Bilder, da ich gelernt habe in so Situationen nun immer direkt einzugreifen. Vor allem bei Mylo kam es aus so einer Situation heraus schon zwei mal zu Angriffen ihm gegenüber! Ich möchte nicht mal sagen, dass es deswegen zu den Angriffen kam, denn Mylos restliche Körpersprache war an sich (meiner Meinung nach) noch deutlich genug, aber es zeigt doch, dass auch bei Schlappohren manche "Wörter" einfach untergehen.
Ich finde eine möglichst naturnahe Kommunikation lässt die meisten Möglichkeiten zu, weswegen es für mich auch das Ideal ist.
Fehlt eine Ohrstellung, eine Rutenstellung, das Fell für einen sichtbaren Buckel, die Möglichkeit die Lefzen einzusetzen etc. fehlt einfach ein "Wort" der Sprache.
Sicher, die Hunde lernen eine "Sprache" auch ohne diese Merkmale zu verstehen. Sie haben auch gelernt uns Menschen zu verstehen - zumindest soweit es ihnen möglich ist. Aber einfacher macht es das nicht und für mich auf jeden Fall nicht erstrebenswert.
Edit:
Das ist übrigens mal ein Bild vom Ansatz der beschriebenen Stellung. Das geht aber soweit, dass die Ohren fast beieinander sind. Bei Mylo hat das bei den Ohren wie gesagt genau den gleichen Effekt, als ob er sie beschwichtigend anlehnen möchte.
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