Liebe astrid,
mein Hund hat feste Spielgefährten, mit denen er sich jede Woche trifft und spielt, meistens sogar mehrmals die Woche. Er hat also ausreichend Hundekontakte und ist wunderbar sozialisiert - ich könnte ihn mit jedem Hund spielen lassen, selbst mit denen, die sonst eher als unterveträglich gelten (alles schon passiert), weil er super auf die Körpersprache anderer Hunde eingeht.
Ich möchte einfach nur keine Leinenkontakte, nur darum ging es doch. Und weil ich eben weiß, dass nicht jeder Hundehalter das respektiert (so wie du eben auch) gehe ich, wenn ich mit Takoda ALLEIN unterwegs bin, dort hin, wo nicht viel los ist. Wenn ich allerdings mit anderen Hunden spazieren gehe, dann ist Takoda NICHT angeleint, hat seine festen Kontakte und kann spielen, wie er es möchte.
Dann brauchst du 'ne Brille. Ich gehe gerne und lange mit meinem Hund spazieren und kann mich absolut auf ihn verlassen - auf andere Menschen und deren Hunde leider nicht.
Ich frage mich auch, wie du davon ausgehen kannst, dass mein Hund unglücklich und schlecht sozialisiert ist, nur weil ich keine Leinenkontakte möchte?
Dann freue ich mich sehr, dass ich Dich falsch verstanden habe, Lunai. Ich hatte bei dem was Du geschrieben hast eine Frau vor Augen, mit der ich hier zu tun habe. Wenn ihr ein Mensch mit Hund entgegenkam, blieb sie schon 200 Meter vor der Begegnung wie angewurzelt stehen, packte ihren Hund am Halsband und sagte "ruuuuhig-ruuhig, aaaalles gut, gaaaaanz ruhig", während der Hund sich windet, um ihren Griff zu lockern. Sie ging extra um 5 Uhr morgens Gassi um bloß niemandem zu begegnen; sie beklagte sich, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Hund GEGUCKT hat, während sie ihren Hund ins Auto gesetzt hat. Sie hielt ihren Hund von jedem anderen Hund fern, wenn der arme Kerl es nicht hin und wieder geschafft hatte, sich ihrem Griff zu entwinden. Für mich ist eine solche Isolierung tierschutzrelevant.
Grund für ihr Verhalten? SIE hat Angst vor Hunden. Sie versteht das Ausdrucksverhalten von Hunden, von ihrem Hund nicht. Sie versteht nicht was die unterschiedlichen Arten zu Bellen bedeuten, sie kann die Körpersprache eines, auch ihres Hundes nicht deuten. Ihr Hund ist ein lieber Kerl, war aber stark verunsichert durch die mehrdeutigen Signale, die sie ihm gab.
Ich kann die Frau nicht leiden, aber der Hund tut mir so leid, dass wir seit einiger Zeit 2x wöchentlich zusammen Gassi gehen und die Frau ist teilweise sprachlos und überwältigt vom Verhalten ihres Hundes, den sie noch nie so glücklich und wie sie sagt "friedlich" gesehen hat. Häufigster Satz: "Ich kann immer noch nicht glauben, dass das mein Max ist". Max hätte jedoch kein Problem mit Hunden, würde er nicht durch ihr Verhalten signalisiert bekommen: ACHTUNG HUND, VORSICHT!
Verhalten und Körpersprache entgegenkommender Hunde erkläre ich ihr sowie die Interaktion ihres mit anderen Hunden und zumindest wenn wir gemeinsam unterwegs sind, geht es ihr besser mit fremden Hunden. Sie schätzt manche Situation noch falsch ein, lernt aber, dem zu vertrauen, was ihr sehr sensibler Max ihr zeigt.
Ich bestimme übrigens auch, ob mein Hund Hundekontakt haben darf. Angenommen sie sieht auf der anderen Seite der Wiese einen Hund, zu dem sie gern will, mitten auf der Wiese ist aber gerade jemand am picknicken oder Kinder, die spielen, dann darf mein Hund da erstmal nicht hin. Jedenfalls nicht auf direktem Weg. Deswegen ist er aber noch lang kein unglücklicher Hund...
Das handhabe ich genauso wie Du. Scheinbar besteht der Eindruck, mein Hund läuft unkontrolliert wohin sie will. Sie ist überwiegend frei, aber sie ist kontrollierbar, nur deshalb geht das mit der großen Freiheit überhaupt. Mir geht es um diese Leute, die aus 20 Meter Entfernung brüllen, ich solle gefälligst meinen Hund anleinen, schließlich sei ihrer an der Leine. Vielleicht mache ich es demnächst mal umgekehrt und antworte: Sie sehen doch, dass mein Hund unangeleint ist, also leinen Sie gefälligst Ihren Hund ab. Naja, eher nicht, auf dieses Pöbelniveau will ich mich nicht begeben.