Kollege belastet mich

Diskutiere Kollege belastet mich im Schule & Beruf Forum im Bereich Smalltalk; Hi, hab leider ein Problem mit einem Arbeitskollegen. Komme damit nicht mehr zurecht. Ich arbeite im Zentralsteri. Wir bekommen das benutzte...
  • Kollege belastet mich Beitrag #1
Amber

Amber

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Hi,

hab leider ein Problem mit einem Arbeitskollegen. Komme damit nicht mehr zurecht.

Ich arbeite im Zentralsteri. Wir bekommen das benutzte Op-Besteck wie Scheren, Nadelhalter u.s.w. und machen die wieder sauber und steril für die nächste anstehende Operation.
Jedenfalls hab ich ein paar Kollegen die sich bei mir gerne mal ausreden, mal private sorgen, häufig wie mies unsere Arbeitsbedingungen sind...
Ein Arbeitskollege macht das leider immer, immer dann, wenn wir beide alleine sind.
In den letzten Wochen war ich öfter mit ihm auf der Unreinen Seite.
Also da, wo das Op-Besteck noch richtig blutig ist und wo wir das halt auf die Beladewagen geben und die Waschmaschinen starten (sieht etwas wie bei einer Spülmaschiene aus, wo man Gläser, Teller und sowas auch aufladet).
Ich finde es nicht schlimm, wenn andere sich bei mir mal ihren Kummer von der Seele quatschen und ich bin auch eigentlich sehr geduldig, nur wenn man nahezu die kompletten 5 Tage immer nur anhören muss wie mies das, wie mies jenes ist und das ständig... ich kann nicht mehr.
Gestern war ich alleine auf der besagten Unreinen Seite und es kamen viele Instrumente, die ich erstmal auseinander bauen muss und diejenigen mit Holräumen, auf spezielle Laden aufstecken musste. Sowas nimmt Zeit in Anspruch, wenn das dann auch noch Instrumenten-Sets von mehreren Ops sind, wo ein Set 20 Teile zum auseinander bauen und anschließen haben, ist man eigentlich froh, wenn noch jemand rüber kommt und mit hilft.

Gestern wollten mir die Kollegen von der Reinen Seite (da wo die Instrumente dann sauber aus der Waschmaschine kommen, kontroliert, gepflegt, verpackt und in den Sterilisator gegeben werden), dann den Kollegen, der oft so negativ ist, als Hilfe rüber schicken.
Hatte mehrmals nett abgelehnt, weil es einerseits für mich alleine noch machbar war und andererseits ich mich selbst schützen wollte, denn dass er sich beschweren wird, ist immer so und mich zieht es aber auch extremst runter, weil ich selbst auch eigentlich ständig ungute Gedanken habe (ist in Behandlung).
Dass ich keine Hilfe brauchte, glaubten sie mir nicht. Erst als ich aus Angst wütend wurde, hatte ich meine Ruhe.
Heute war er drüben und bat mich aber der Schichtleitung zu sagen, dass er gerne Unterstützung hätte und weil die Schichtleitung nicht auf die Unreine Seite geht und ich dann wieder hätte rüber zu ihm gehen müssen, weil nur ich in Frage käme, bin ich krank nach Hause gefahren, weil mich das Psychisch noch kaputter macht...

Ich hab schon paar mal versucht andere nett zu bitten, ihren ärger oder sorgen nicht andauernd bei mir zu lassen.
Kann mich nicht so richtig abgrenzen und so sehr ich auch jedes mal versuchte zu erklären, dass ich mich nicht gut abgrenzen kann, selber depri bin, dass ich es nicht böse meine oder böse deswegen auf sie bin (ist ehrlich nicht so, bin nicht sauer), reagieren die Leute leider jedes mal verletzt, viele sind dann auch noch richtig wütend auf mich... ☹

Der Kollege hat auch ein Handicap und ich glaube nicht, dass er das mit Absicht macht oder so.
Möchte ihn nicht verletzen, denn eigentlich vertraut er sich mir ja nur an, kann zwar selber an der Arbeitssituation nichts ändern, außer es in Teambesprechungungen anzusprechen, aber ich kann einfach nicht mehr.
Mein Hirn ist schon voll mit den depri-Gedanken und dem seine ladet er noch mit drauf...

Hab auch schon überlegt es einfach der Leitung zu sagen, allerdings weiß ich auch, dass die Leitung den Namen sagt, wenn man fragt, wer sich über einen beschwert hat und mich hat es jedes mal dann verletzt, wenn der jenige direkt zur Leitung gegangen ist, anstatt erstmal mit mir zu reden...

Irgendwie ist alles mies. Hattet ihr sowas schon mal und was hat euch geholfen?
Tut mir leid, dass das so lang geworden ist, es belastet mich nur leider sehr.


Liebe Grüße
Amber
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #2
Hallo Amber,

du schreibst, dass du selbst in Behandlung bist. Wird da auch auf das sich abgrenzen können eingegangen oder nur auf deine anderen Themen, die dich belasten. Ich möchte gar nicht wissen, was deine anderen Themen sind, nur, ob du das dort auch schon mal angesprochen hast. Denn ich weiß wie es dir geht und habe das über Jahre mitgemacht, war die Schulter zum Ausheulen, aber Freude hat niemand mit mir geteilt.

Frag sie doch einfach mal, was für sie der Mehrwert ist, welche Intention dahinter steckt, dass sie mit dir hier und jetzt darüber reden wollen. Erwarten sie Tipps? Wollen sie sich einfach mal auskotzen und sich das von der Seele reden oder ihre Probleme auf wen anderes abwälzen oder was auch immer? Frag sie danach und sprich mit ihnen darüber, wenn sie mal wieder anfangen. Haben sie da keine Antwort darauf, warum ausgerechnet du dir das jetzt anhören musst und nicht der Partner Zuhause mit dem man das Problem tatsächlich hat oder ein Therapeut, der noch mal von einem ganz anderen Standpunkt drauf schauen kann, bitte sie, darüber nachzudenken. Werden sie sauer, weil du gerade nicht ihr Abfalleimer sein willst, biete ihnen eine Schale zum auskotzen an ;) Und wenn sie damit fertig sind, bitte auf was positives zu sprechen kommen oder eben schweigen.
Ich beschäftige mich selbst gerade sehr intensiv damit, weil ich einiges aus der Vergangenheit gerne aufarbeiten und endlich loslassen möchte, was mir im Weg steht. Es gibt tolle Hörbücher/Ratgeber dazu, wenn man offen dafür ist. Es ist nicht leicht sich abzugrenzen, nein zu sagen und für sich selbst zu sorgen, aber das gibt anderen dennoch nicht das Recht, dass sie bei dir immer wieder abzuladen. Jeder hat mal das Bedürfnis etwas von der Seele zu reden, gerade in Akutsituationen ist es oft ratsam, aber wenn es immer wieder die selben Punkte sind, kannst du ihnen auch einfach mal eine Liste von Menschen mitbringen, die deinen Kollegen da besser helfen können (Paartherapie, Finanzberatung oder was auch immer deren Thema ist). Du bist dafür nicht ausgebildet ihnen zu helfen. Punkt. Das liegt nicht in deinem Aufgabenbereich und gehört auch nicht zu eurem Job.

Was du auch machen kannst, in dem Moment wo sie mal wieder ihre Probleme abladen wollen, einfach von irgendwelchen total irrelevanten und langweiligen Dingen anzufangen zu erzählen. Wie du das Fenster putzt, was du beim Kellerausmisten alles gefunden und was weggeworfen, wie lange du zum Unkraut jäten gebraucht und welche Krabbeltiere du dabei alles gesehen hast oder was auch immer. Das interessiert sie nicht? Na dich ihre Probleme ja auch nicht. Wenn mich was so gar nicht interessiert oder ich merke, dass es mich zusätzlich belasten könnte, fange ich im Kopf an zu singen, sage Texte aus dem Literaturkurs vor 12 Jahren auf oder überlege mir, was ich heute kochen werde, was ich noch an Zutaten Zuhause habe und was ich noch besorgen müsste. Du hältst ihnen nur den Spiegel vor: sie nehmen keine Rücksicht auf deine Entscheidung kein Mülleimer/Kummerkasten oder wie du es auch nennen magst, zu sein, also nimmst du auch keine Rücksicht auf ihr Bedürfnis etwas loszuwerden.

Aber noch was anderes: wie wäre es mal mit einer Supervision? Denn eure Leitung ist ja offenbar auch kein guter Ansprechpartner bei Problemen, wenn sie anderen sagt, wer sich geäußert hat. Ich denke, dass bei euch viele ungeklärte Dinge im Raum hängen und auch die Differenzierung zwischen Arbeit und Privat klarer gemacht werden muss.
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #3
Hallo Hexogen,

danke für deine Nachricht.

Ich habe das Thema so noch nicht richtig angesprochen. Ich hab bisher auch gar nicht gemerkt, dass es mich doch sehr belastet. Ich merke es momentan nun doch, weil ich in letzter Zeit vermehrt mit ihm den gleichen Schichtdienst habe und es mir generell immer mehr auffällt.
Das, wovon ich mal erzählt habe ist, dass die Leute eben mit ihren Probleme zu mir kommen und es anders herum, wenn ich mal was habe, diese sagen, dass sie jetzt kein Nerv für haben, weg gehen oder dann erst recht mit ihren Problemen heraus plaudern und auf mich gar nicht eingehen... manche reagieren auch noch wütend.
Ich zähle nicht, wie oft die zu mir kamen und wie oft ich zu ihnen gehen kann und ich erzähle generell nicht oft, wenn mich mal was belastet, nur es fällt da auch auf, dass ich nahezu immer ein Ohr hab und anders herum eigentlich gar nicht der Fall ist.
Irgendwie merkwürdig das Thema.

Das mit den Fragen, was das bringen soll, habe ich gestern tatsächlich auch gemacht, als er mir erklären wollte, warum Waschmaschine 13 abgebrochen war, wo ich gar nicht mitbekommen hatte, dass die Maschine abgebrochen war, weil ich mit was anderem beschäftigt war.
Da schloss er wortlos das Fenster und ging wieder der Arbeit nach.
In dem Augenblick war es mir gleichgültig, dass ihm das nicht passte, dass ich ihn das fragte, weil es einfach nichts bringt, aber ich finde es hart...
Einfach weil ich selbst weiß wie irretierend es ist und mit unter auch verletzt, wenn man gerade etwas demjenigen anvertrauen möchte und man dann so zu verstehen bekommt, dass der gegenüber sich einem nicht zuhören mag.

Du hast natürlich recht damit und ich sag mir auch öfters, dass es nicht sein kann, dass ich immer ein Ohr habe und es anders herum überhaupt nicht der Fall ist. Wiederum beschleichen mich dann aber auch ungute Gefühle, weil es doch nicht sein kann, dass dadurch Kontakte brechen, streit entsteht und es überhaupt drauf ankommt, was, wie oft wer für einen da ist und wann nicht.
Das mit dem abgrenzen ist leider nicht so einfach, für mich jedenfalls.
Mit der Supervision klingt nach einer guten Idee, die ich mal in der nächsten Teambesprechung ansprechen werde.

Danke dir sehr!


Liebe Grüße
Amber
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #4
Hallo Amber, ich nochmal ;)


Ich habe das Thema so noch nicht richtig angesprochen. Ich hab bisher auch gar nicht gemerkt, dass es mich doch sehr belastet. Ich merke es momentan nun doch, weil ich in letzter Zeit vermehrt mit ihm den gleichen Schichtdienst habe und es mir generell immer mehr auffällt.
Das, wovon ich mal erzählt habe ist, dass die Leute eben mit ihren Probleme zu mir kommen und es anders herum, wenn ich mal was habe, diese sagen, dass sie jetzt kein Nerv für haben, weg gehen oder dann erst recht mit ihren Problemen heraus plaudern und auf mich gar nicht eingehen... manche reagieren auch noch wütend.
Ich zähle nicht, wie oft die zu mir kamen und wie oft ich zu ihnen gehen kann und ich erzähle generell nicht oft, wenn mich mal was belastet, nur es fällt da auch auf, dass ich nahezu immer ein Ohr hab und anders herum eigentlich gar nicht der Fall ist.
Irgendwie merkwürdig das Thema.

Es geht ja gar nicht darum, dass ihr zu gleichen Anteilen von dem erzählt, was euch belastet, denn mal ist es zwar sehr viel, dafür aber nur ein sehr oberflächliches Thema (Beispiel: meine Schuhe sind kaputt, der Schnee hat meine Pflanzen zerdrückt und ich bin heute morgen pitschnass geworden, als ich zum Einkaufen bin - das sind zwar drei Probleme, aber eher nebensächlich) aber eben auch die Probleme, die sehr tiefgründig sind, aber nur einmalig angesprochen werden (Beispiel: ich habe entdeckt, dass man Mann mich mit meiner besten Freundin betrügt und habe ihn sofort raus geworfen - das ist ein Thema, welches schon tiefer an die Psyche geht, weil es viele Komponenten beinhaltet, aber wohl so nur ein Mal angesprochen wird, weil der Mann jetzt nicht mehr Teil des Lebens ist. Das, was damit zusammenhängt, wird aber wohl nochmals angesprochen). Von daher kann einen das schon mürbe machen, wenn Menschen mit so lapidaren Sachen ständig zu einem kommen und man nur denkt "Ja, kann ich jetzt auch nicht ändern, dass du heute morgen nass geworden bist" und wenn man dann genervt ist, wenn es mal um wirklich belastende Sachen geht oder einfach gerade nicht mehr in der Stimmung jemandem zuzuhören, passiert es. Das ist wie das sprichwörtliche Fass, das sich immer weiter füllt mit allem möglichen und dann kommt der Tropfen, der es zum Überlaufen bringt, wo man nicht mehr kann.

Das mit den Fragen, was das bringen soll, habe ich gestern tatsächlich auch gemacht, als er mir erklären wollte, warum Waschmaschine 13 abgebrochen war, wo ich gar nicht mitbekommen hatte, dass die Maschine abgebrochen war, weil ich mit was anderem beschäftigt war.
Da schloss er wortlos das Fenster und ging wieder der Arbeit nach.
In dem Augenblick war es mir gleichgültig, dass ihm das nicht passte, dass ich ihn das fragte, weil es einfach nichts bringt, aber ich finde es hart...
Einfach weil ich selbst weiß wie irretierend es ist und mit unter auch verletzt, wenn man gerade etwas demjenigen anvertrauen möchte und man dann so zu verstehen bekommt, dass der gegenüber sich einem nicht zuhören mag.

Das ist vollkommen normal und an sich zeigst du damit deinen Kollegen nur, dass sie sich auch mal selbst damit auseinander setzen sollen und nicht immer andere zusätzlich damit belasten. Du hast dir bereits Hilfe geholt und hast ja auch selbst gemerkt, dass du mit ihnen gar nicht so oft darüber reden möchtest. Es ist hart, wenn man beide Seiten kennt, aber offenbar ist deinen Kollegen gar nicht bewusst, dass es beide Seiten gibt, so dass sie sauer werden. Das ist aber nicht an dich, sondern wird tendenziell eher ein "ich bin sauer, weil ich mich jetzt selbst damit auseinander setzen muss, ich mir jetzt einen anderen Weg suchen muss und ich bin damit überfordert, weil ich bislang nichts anderes kennen gelernt habe als mich einfach demjenigen anzuvertrauen mit dem ich gerade zwangsläufig Zeit verbringe". Du glaubst gar nicht, was ich mir von den Angehörigen meiner Klienten anhören muss, welche Probleme die alles haben und ich bin sehr froh, dass ich sie derzeitig einfach zurück auf das Zimmer schicken muss, weil die Angehörigen sich nicht frei im Haus bewegen dürfen, sondern auf dem jeweiligen Zimmer verweilen sollen. Viele kommen zu uns, weil ihnen Zuhause die Decke auf den Kopf fällt und sie mit ihrem Partner nichts mehr zu reden haben. Sämtliche Kaffeekränzchen der Kirchen und anderen Trägern entfallen seit einem Jahr und da stauen sich sehr viele Themen an. Mich interessiert aber nicht, dass der Nachbar Franz Müller, der Mann von Hildegard Müller und Vater von Friedrich und Heinrich gestern einen Schlaganfall hatte, wie lange die Therapie dauern wird usw. weil ich die Menschen gar nicht kenne. Das verbalisiere ich dann auch "Ich kenne Familie Müller nicht und es ist schlimm, dass das passiert ist, doch mich selbst berührt es nun nicht, da ich keinen persönlichen Bezug zu der Familie oder dem Herrn habe." Manchmal gelingt einem das besser, mal schlechter. Das hängt auch davon ab wie voll ist das eigene Fass der Probleme gerade, wie stark wird man von bestimmten Faktoren der Umwelt getriggert und ob man das selbst auch mitbekommen hat. Wenn du sagst, dass dir das jetzt erst vermehrt aufgefallen ist, dass du damit nicht gut umgehen kannst, dass vor allem dieser eine Kollege dich als Problemabladestation sieht, ist jetzt der Punkt STOP zu sagen! Solange du noch kannst, mach eine Pause und bitte deine Kollegen darum dich für die nächsten x Tage (so viele Tage wie du es gerade benötigst) nicht mit Problemen an dich heran zu treten, da du gerade Problemfasten machst ;) So viele Probleme wie möglich los werden und so wenige wie möglich neu dazu bekommen. Auch wenn man nur nebenbei zuhört, geht es in den Kopf und kommt dann raus, wenn man es nicht braucht. Wenn du jetzt keine Pause machst, wird der Punkt kommen, wo du wirklich nicht mehr kannst und dich davon zu erholen dauert deutlich länger UND benötigt zusätzliche Energie.

Du hast natürlich recht damit und ich sag mir auch öfters, dass es nicht sein kann, dass ich immer ein Ohr habe und es anders herum überhaupt nicht der Fall ist. Wiederum beschleichen mich dann aber auch ungute Gefühle, weil es doch nicht sein kann, dass dadurch Kontakte brechen, streit entsteht und es überhaupt drauf ankommt, was, wie oft wer für einen da ist und wann nicht.
Das mit dem abgrenzen ist leider nicht so einfach, für mich jedenfalls.
Mit der Supervision klingt nach einer guten Idee, die ich mal in der nächsten Teambesprechung ansprechen werde.
/QUOTE]

Ein Boxsack gegen den man schlägt, schwingt auch stets zurück. Mal mehr, mal weniger. Wenn sie austeilen - also dir etwas erzählen - müssen sie auch das zurück abkönnen, ansonsten haut es sie um. Du kennst beide Seiten, sowohl, dass du jemandem etwas erzählst, aber eben auch das wieder etwas zurück kommt und man dir etwas erzählt. Nur wenn der eine fester drauf hat als der andere oder der eine den Boxsack auf halber Strecke abfängt, ist es unfair. Man kann sich für den Moment ärgern, aber letztlich hat jeder einen Grund (gekränkt, vor den Kopf gestoßen, wach gerüttelt oder was auch immer) wieso er wie reagiert. Wichtig ist nur, dass man das anspricht und die Beweggründe des anderen berücksichtigt.
Schreib doch nach jeder Schicht kurz auf, was los gewesen ist. Das hat was wie das Denkarium von Dumbledore. Einfach mal aus dem Kopf bekommen. Dinge, die man verschriftlicht, macht man sich noch mal kurz bewusst, aber man kann sie danach auch einfach verbrennen, wegwerfen oder zur Seite legen getreu dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn".
Im Studium musste ich Coaching geben und auch meine Methodik verfeinern. Unter anderem mussten wir alle Stränge, die am Ende zu einem Stau in unseren Klienten geführt haben, einzeln verschriftlichen. Manchmal ist ein Thema schon so breit, dass der Tunnel voll gestopft ist. Manchmal sind es aber auch zehn Autos, die alle die selbe Strecke fuhren und gleichzeitig durch den Tunnel wollen, der aber gar nicht für zehn Autos nebeneinander gemacht ist und so staut es sich jetzt alles vor dem Tunnel. Nach und nach werden die Autos abgefertigt und es baut sich alles wieder ab. Da du dir ja schon professionelle Hilfe geholt hast, frag doch da mal nach, ob ihr das gemeinsam aufschlüsseln könnt oder du bringst es mit, auch wenn es vielleicht nicht der Grund war, weshalb du dir Hilfe geholt hast. Aktuelle Sachen haben ja auch immer Gründe aus der Vergangenheit und können sehr aufschlussreich sein.

Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg, Kraft und Ruhe.

Viele Grüße,
Hexe
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #5
Hexogen, ich danke dir sehr von ganzem Herzen!😘
Du hilfst mir in dem Thema, mich selbst zu verstehen, denn zu beginn hab ich mich einfach nur irgendwie so gefühlt, dass wieder alles zu viel wird und man selbst kaum mehr weiß, wo oben und wo unten ist.
Das eigene Fass was überläuft, trifft es.
Und ja, man hört es und es bleibt dennoch im Kopf und alles gemischt mit dem anderen Themen, kommt das echt wieder mit hoch und dann ist eben alles zu viel.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Kollege belastet mich Beitrag #6
Ist natürlich eine sehr unschöne und belastende Situation in der du da steckst.

Aber ich sehe da nur einen Weg, du musst dir ein Herz fassen und mit ihm Klartext reden. Mach ihm klar, dass es nichts mit Desinteresse zu tun hat, aber es einfach nicht geht, dass er jedesmal ununterbrochen nur darüber redet wie mies alles ist, dass dich das total runterzieht. Natürlich tut es gut sich seinen Frust mal von der Seele zu reden, aber dann muss auch wieder gut sein. Es gibt so Leute die immer nur alles negativ sehen und sich ständig über ihr Leid beklagen, aber da muss man denen auch mal eine Ansage machen, dass man dass nicht permanent hören will. Schlag doch mal andere Themen vor über die man reden könnte oder erzähl ihm was über Tiere, mal sehen, ob er dir auch so geduldig zuhört wie du ihm.

Und wenn er es nicht einsieht, dann sag ihm, dass du dann so leid es dir tut, mit der Schichtleitung darüber sprechen wirst, damit ihr nicht mehr so oft zusammen eingeteilt werdet, weil es dich einfach zu sehr runterzieht.
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #7
Hi,

wir hatten die Woche zusammen Nachtdienst. Heute morgen fing er wieder damit an... hab ihn dann mal gefragt, was los mit ihm ist, dass er mir total unglücklich, unzufrieden, frustriert vor kommt und hab ihm auch mal gesagt, dass er immer nur negativ am reden ist und sich ständig am beschweren ist.
Er meinte, dass ihm das gar nicht aufgefallen sei.
Hab ihm dann gesagt, dass das einem selbst auf dauer total runter zieht und es einem nicht gut tun kann.
Musste dem Wochenenddienst dann einen Zettel schreiben, dass der Op die Instrumente nicht gut wieder in ihre jeweiligen Siebe zurück gelegt hat und es daher sein kann, dass sie viel suchen müssen, bis die Siebe wieder in Ordnung geordnet sind....
Hat er zum Schichtende natürlich auch gelesen und als ich ihn draußen nochmal traf fing er wieder an sich rein zu steigern, wie typisch das ist...😑 Ich fürchte, er merkt das wirklich nicht, er meinte zu mir auch, dass er mir das ja nur erzählen möchte und sich gar nicht beschwert, aber ich merke schon, dass es ihn frustriert und sich darüber aufregt, weil er oft auch anfängt wütend zu reden...
Macht er es nochmal, werde ich ihn raten, seinen Blutdruck beim Hausarzt durch checken zu lassen, denn so wie der drauf ist, hege ich ganz langsam so ein bisschen den verdacht, dass da die Ursache bei ihm sein könnte.
Ansonsten muss ich wohl echt wieder mal sagen, dass es so nicht mehr geht.
Ich hasse das, bisher reagierten die Leute ausnahmslos verletzt und wütend.☹
Drum bitten, nicht mehr so oft Dienst mit ihm zu haben, ist auch eine gute Idee. Danke dir, Simpat. 😘
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Kollege belastet mich Beitrag #8
Naja, vllt. will er von dir tatsächlich keine Reaktion, sondern quasi laut Selbstgespräche führen um Dampf abzulassen.

Du interpretierst scheinbar recht viel in seinen Frust hinein bis hin zu Bluthochdruck- selbst wenn:

Das ist sein (!) Thema.

Ich hab einer Kollegin damals schlicht angeboten anwesend zu sein, aber mit Ohropax.
Wenn sie was von mir tatsächlich konkret wollte musste sie das sagen in Form von "Ich möchte dazu deine Meinung, weil ich etwas daran tun will."


Hat funktioniert und ich hatte Ruhe.
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #9
Will er leider aber. Wenn man ausweicht oder nicht drauf eingehen möchte, holt er das Thema immer wieder hoch.
Die letzten male als ich ihm sagte, dass ich ihm da nicht helfen kann, weil es nicht in meiner Hand liegt, ist er einfach wortlos weg gegangen...
Dennoch fängt er immer und immer wieder mit so Themen an.

Als ich mal einen richtigen Stimmungstief über Wochen hatte, war ich unbemerkt richtig fies zu anderen (hab sie leider auch oft richtig angeschriehen, nur weil ich überfordert war, es mir nicht gut ging, ich das aber nicht sagen konnte) und da halfen mir eben diejenigen, die mir sagten, dass ich so merkwürdig geworden bin, mich keiner mehr versteht u.s.w
Hab halt im Kopf, dass man sich manchmal ganz unwohl und nicht wie sonst fühlt und es manchmal Hilfe von anderen braucht, um klar zu werden, dass man selbst gerade Hilfe braucht.
Hätten die anderen damals auch gesagt, ist nicht mein Problem was mit der ist... ich wäre völlig Baden gegangen, weil ich jeden brutal Weg gestoßen und niemanden mehr an mich ran gelassen habe. Nur, weil sie sich nicht Weg stoßen ließen, wurde es anders.

Ich scheu mich aber auch sehr davor, klare Grenzen zu ziehen. Eigentlich will ich mir um ihn keinen Kopf machen, nicht nach irgendwelchen Gründen suchen, weswegen er so ist und eigentlich interpretier ich in anderen Aussagen/Verhaltensweisen auch nicht permanent etwas hinhein.
Hab nur auch kein Interesse, ständig der Müllheimer für anderer Sorgen zu sein und ich jedesmal sagen muss, dass es zu viel wird und ich nicht ständig das haben kann, weil es dann zu viel für mich wird.
Voll nicht einfach. ☹
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #10
Mh.

Ich seh da ehrlich gesagt zwei Optionen:
Du nimmst dich seiner an und löst seine Themen für ihn oder du lernst dich entsprechend abzugrenzen.

Du wirst es nicht ihm und dir gleichzeitig Recht machen können und das musst du auch nicht.

Er scheint im Gegensatz zu dir keinen Leidensdruck zu haben, oder?
Wenn du den hast ist Selbstfürsorge völlig ok und das heißt auch durchaus mal nicht mehr die Lieblingskollegin zu sein.

Sonst strauchelst du in die gleiche Spirale, die dich bei ihm so irritiert:
Klagen ohne zu handeln.

Kein Ratschlag oder Tipp wird dir irgendetwas bringen, wenn du nicht ins Handeln kommst.
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #11
Danke dir. Hatte in letzter Zeit meine Ruhe vor ihm. Werde das dann wohl aber beim nächsten mal, sollte er wieder damit anfangen, ihm sagen, dass es mir selbst oft nicht gut geht und es gerade zu viel wird.
 
  • Kollege belastet mich Beitrag #12
Toxische Leute gibts anscheinend immer mehr....sich vom Hals halten!
 
Thema:

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