Durch das Gesicht lecken
Unter hygienischen Gesichtspunkten ist es abzulehnen, dass der Hund einem mit der Zunge durch das Gesicht fährt. Das wird schnell klar, wenn man sich überlegt, wo der Hund sonst noch mit seiner Zunge entlang schleckt. Er reinigt sich selbst gründlich mit der Zunge. Er leckt auch am Körper eines anderen Hundes. Er ist zudem nicht zimperlich, wenn es darum geht, etwas interessant Riechendes von der Strasse aufzulecken. Dennoch meint der Hund es sehr gut, wenn er einem Menschen durch das Gesicht zu lecken versucht. Er will dem Menschen seine Zuneigung und seine Unterwerfung demonstrieren. Es zeugt also nicht gerade von Feinfühligkeit, den Hund für einen solchen Liebesbeweis strafen zu wollen. Der vernünftige Hundehalter hält seinen allzu liebevollen Hund durch mildes, aber entschlossenes Vorgehen davon ab, seine Zuneigung so zu äussern. Dass der Hund gerade das Gesicht und nicht eine andere Stelle am Körper leckt, lässt sich aus seiner frühen Entwicklung erklären. Ganz banal gesprochen: Liebe geht durch den Magen. Hundemütter erbrechen gelegentlich Nahrung, um sie so - in vorverdautem und deshalb für die Welpen ungefährlicherem Zustand - dem Nachwuchs anzubieten. Die Kleinen können dieses Verhalten fördern, indem sie sich dem Maul der Hundemutter nähern, es stupsen oder lecken. Betteln um Nahrung und Zuneigungsbekundung finden sich in einer Geste vereint.