Hallo Nata,
europäische landschildkröten halten eine Winterruhe, um die kalte Jahreszeit ohne Mangelerscheinungen überdauern zu können. Dafür hat diese Schildkrötenart über Millionen von Jahren ein System entwickelt, dass es ihr ermöglicht, ihren Stoffwechsel runter zu fahren und in Ruhe abzuwarten, bis der Winter wieder vorbei ist. Dieser Rhytmus hat sich so bewährt, dass es doch sehr anmaßend ist, von einer Unnötigkeit der Winterruhe zu reden.
Die Vorteile einer Winterruhe für europäische Landschildkröten die in Gefangenschaft gehalten werden liegen doch auf der Hand. Eine Landschildkröte die hier in Deutschland gehalten wird, erhält Nahrung die wesentlich kalorienhaltiger ist, als in den Ursprungsländern. Das Tier hat nicht so viel Bewegungsraum und ist deshalb nicht so viel gefordert wie im natürlichen Habiat. Sprich ihre ganze Energie, die sie aus der Nahrung holt verwendet sie für den Wachstum. Junge Schildkröten wachsen in Gefangenschaft sowieso schon schneller, als sie es in der Natur tun würden. Der Knochen und Panzerbau ist jedoch auf langsames Wachstum ausgelegt. Sprich in der Winterruhe bekommt der Körper eine Ruhe die er braucht. Die Schildkröte wächst während einer Winterruhe nicht.
Es wurde bereits davon berichtet, dass Tiere die keine Winterruhe halten anfälliger für Krankheiten sind und ihre Fortpflanzungsfähigkeit verlieren.
Die Haltung eines Wildtieres, wie die griechische Landschildkröte, die auch noch zu den besonders geschützten Tiere zählt, muss so naturnah wie nur eben möglich durchgeführt werden. Da gehört auch eine Winterruhe dazu. Jeder Terrariumaufenthalt ist eine Belastung für das Tier. Weil es fast immer auf vollen Touren läuft. Sprich es hat immer konstant, warme Temperaturen, die es wachsen lassen. Sie ist immer aktiv und haben nur einen sehr beschränkten Lebensraum zur Verfügung. In einer Überwinterungskiste (z.B. in einem Kühlschrank) vermisst sie nichts, weil sie in Ruhe die kalte Jahreszeit überdauert. Weibchen brauchen die Winterruhe für die bevor stehende Eiablage. Je länger das Tier ruht, um dann wieder direkt in eine Freigehege mit beheiztem Frühbeet umgebettet zu werden, umso besser für das Tier. Natürlich ist das in manchen Gegenden nicht umsetzbar und ein Übergangsterrarium ist Pflicht. Aber auch die Winterruhe gehört zur artgerechten Haltung einer grischischen Landschildkröte wie der Aufenthalt in einer Freilandanlage vom Frühjahr bis zum Herbst.
Ich frage jetzt mal anders herum, was spricht gegen eine Winterruhe ??? Welche Nachteile hat sie ? Und wer hat dir empfohlen keine Winterruhe durchzuführen ?
Wie lange die Winteruhe dauert, bestimmt meistens letztendlich der Halter. Ich für meinen Teil gehe Anfang März hin und nehme meine Griechen aus den Überwinterungsboxen aus dem Kühlschrank und lege sie in die Verstecke im Gewächshaus bzw. dem Frühbeet, wo sie Ende November sich selbst vergraben haben. Gewächshaus und Frühbeet sind so beheizt, dass es keine Minustemperaturen mehr gibt. Die Wärmestrahler der Sonnenplätze brennen zwar schon acht Stunden, aber die meisten Tiere brauchen fast noch drei bis vier Wochen bis sie wieder richtig aktiv sind. Viele Halter machen meiner Meinung nach den Fehler ihre Tiere zu schnell wieder an gleichmäßig warme Tage zu gewöhnen. In Griechenland ist auch nicht von heute auf morgen wieder täglich 25 Grad und es scheint die Sonne. Längere Schlechtwetterphasen gibt es dort auch. Meine Männchen sind sehr frühzeitig nach der Winterruhe wieder aktiv. Die Weibchen brauchen da schon etwas länger. Ist es hier im März schon schön warm, wie im letzten Jahr z.B. , sind auch die Schildkröten eher aktiv. Vor zwei Jahren hingegen brauchten sie noch fast sechs Wochen im Gewächshaus, bis wieder ganz aktiv waren...
Du siehst, so pauschal kann man nicht sagen, wann du deine Schildkröten aufwecken sollst. Ich denke nur, du solltest es bedacht angehen, vor allen, wenn sie jetzt noch eine Zeit in ein Übergangsterrarium kommen. Den Aufenthalt würde ich versuchen so kurz wie möglich zu gestalten...
Viel Erfolg und freundliche Grüße, Ralf (Melkor)