Es gibt einige Argumente die gegen Handaufzuchten sprechen. Genau genommen ist Handaufzucht eine absichtliche Fehlprägung des Vogels. Darum sind Handaufzuchten ja auch so "superzahm"; es gehört zb. absolut nicht zum normalen Verhaltensrepertoire eines Papageiens sich richtiggehend über den Rücken streicheln zu lassen, das machen die Vögel ja auch untereinander nicht. Das wäre jetzt nicht weiter schlimm, aber auch sonst ist das Verhalten von Handaufzuchten gegenüber Artgenossen oft gestört.
Handaufzucht ist nicht gleich Handaufzucht; es gibt auch verschiedene Formen. Manche Züchter nehmen die Küken gleich nach dem Schlupf aus dem Nest und ziehen sie ohne Kontakt zu Artgenossen auf, andere lassen die Geschwister zusammen aber nicht bei den Eltern, und manchmal werden die Küken später aus dem Nest genommen und verbringen wenigstens ihre ersten Lebenstage noch bei den Eltern. Die Entwicklung der Jungvögel verläuft umso normaler je mehr Zeit sie bei ihren Eltern verbracht haben, und wenn sie wenigstens noch die anderen Küken um sich haben. Aber letztendlich ziehlt jede Art von Handaufzucht darauf hin eine Fehlprägung bei den Jungvögeln zu erreichen: anstatt andere Papageien sehen sie den Menschen als ihre Art an. Dementsprechend schwieriger ist auch die Vergesellschftung von Handaufzuchten: viele scheinen gar nicht zu kapieren das sie Papageien sind und reagieren auf Artgenossen misstraurischer als Naturbruten, und haben auch sonst ein gestörtes Sozialverhalten. Die Tatsache das Verhaltensstörungen wie Federrupfen bei Handaufzuchten häufiger als bei Naturbruten sind zeigt das der Mensch als Sozialpartner trotzdem nicht genügt. Ausserdem kann kein Mensch 24 Stunden am Tag bei seinem Papagei sein...
Es gibt auch Untersuchungen die darauf hinweisen das die Entnahme der Jungvögel für die Eltern Stress bedeutet (es wurden vermehrt Stresshormone im Blut festgestellt), was die Sache auch nicht gerade ethisch unbedenklicher macht.
Auch die Gesundheit der Jungvögel leidet bei der Handaufzucht, wenn sie nicht 100% korrekt durchgeführt wird. Und das wird sie leider oft nicht... Da gibt es unter anderem:
- Schnabeldeformationen wenn der Züchter immer von der gleichen Seite füttert
- Candidiase, eine Pilzkrankheit die sehr oft bei Handaufzuchten vorkommt
- Kropfverbrühungen durch zu heisses Futter
- Kropferweiterung wenn zu viel auf einmal gefüttert wird (das machen leider manche Züchter um nicht so oft füttern zu müssen)
- Kropfperforation durch falsch geschobene oder zu spitze Kropfkanülen
Handaufzuchten sind "Mogelpackungen": solange sie noch nicht geschlechtsreif sind sind sie superzahm und freundlich. Aber sobald sie in die Geschlechtsreife kommen (so etwa mit 2 Jahren, je nach Art) werden die meisten agressiv, viel mehr als Naturbruten.
Ein Züchter der Handaufzuchten verkauft ohne auf die Schattenseiten hinzuweisen ist schlicht und einfach unseriös. Und für eine Vergesellschaftung ist eine Naturbrut bestimmt die bessere Wahl.
Hier noch ein guter Artikel dazu:
http://papageienfreunde-im-web.de/handaufz.htm