Hallo Nono
Ich wollte vorhin schon was schreiben, aber ich war zu langsam, jetzt ist das meiste schon gesagt. Naja, manchmal sind Wiederholungen auch halb so wild
Ich denke auf jeden Fall, dass du dich "einmischen" solltest, evtl. sogar zusammen mit Oma und Opa. Denn es ist ja deutlich genug, dass die Eltern mit dem Problem alleine nicht fertig werden und zum Helfen ist die Familie schließlich da.
So würde ich auch versuchen, das mit ihnen zu besprechen. Ihnen sagen, dass ihr ihnen nicht die Erziehungskompetenz absprechen wollt oder die Kinder schlechtmachen oder so, sondern dass ihr gemerkt habt, dass da einiges schief läuft und ihr ihnen helfen wollt.
Dass deine Mutter, die ja immerhin auch mindestens zwei Kinder groß gezogen hat, Angst vor einer 7-jährigen hat, finde ich schon sehr krass. Das zeigt um so deutlicher, wie schlimm die Situation inzwischen ist.
Mit der Diagnose ADHS, die hier viele so in den Raum werfen, bin ich immer ganz, ganz vorsichtig. Wie seven (vermutlich aus leidvoller Schulalltagserfahrung

) schon sagte: ADHS ist inzwischen eine Modediagnose geworden und viele Ärzte oder sog. Spezialisten sind viel zu schnell mit dieser Erklärung und leider vor allem auch mit Medikamenten bei der Hand. Und ich finde derart starke Medikamente bei Kindern, die noch in der körperlichen Entwicklung sind, immer sehr bedenklich und ich finde, dass diese deswegen nur in absoluten Ausnahmefällen verschrieben werden sollten. Wenn sich ein Kind z.B. durch sein Verhalten permanent selbst gefährdet. Aber leider sehen das viele Ärzte anders.
Du schreibst ja, dass ADHS bei deiner Nichte schon ausgeschlossen wurde - schonmal sehr gut
Was mich aber wundert: Wenn der ältere Bruder des Mädchens wegen ADHS in Behandlung ist, dann sollten doch auch da die Eltern mit einbezogen sein.
Für gewöhnlich werden nämlich gerade bei dieser Diagnose Elterntrainings und Erziehungsberatungen durchgeführt, weil ADHS immer durch das Verhalten des Umfelds mitbeeinflusst wird.
Im übrigen finde ich die Frage "falsche Erziehung oder doch Psychisches Problem?" in diesem Falle sehr einfach zu beantworten:
Psychisches Problem durch falsche Erziehung.
Nach dem was du beschreibst, haben ihre Eltern tatsächlich so einiges falsch gemacht. Es ist für Kinder enorm wichtig, dass Eltern nicht nur liebevoll sind, sondern vor allem konsequent.
Kinder "bauen" sich ja gerade erst ihr Weltbild, das ist anfangs noch sehr simpel und wird erst im Laufe der Jahre komplexer. Und Eltern müssen dem Kind dabei helfen, indem sie eine komplexe Welt ein bißchen "simpler" gestalten. Und feste, gesetzte Grenzen machen es dem Kind leichter, diese Welt zu verstehen, im Sinne von: Wenn das - dann das..., das ist gut und erlaubt - das ist falsch - und als Folge: "Wenn ich mich falsch verhalte, passiert dasunddas..." Dadurch wird diese komplizierte Welt für Kinder leichter verstehbar. Aber wenn ein Kind dann eben diese Grenzen nicht kennt, ist es mit der Welt total überfordert.
Und das ist bei deiner Nichte der Fall. Sie weiß gar nicht so wirklich, was richtig und was falsch ist, weil sie das nie gelernt hat.
Und was das für ihr Leben weiterhin bedeutet, kann man sich ja leicht ausmalen. Wir müssen gerade in gesellschaftlichem Zusammenleben ja alle bestimmte Regeln lernen - und meistens halten wir uns ja auch daran. Und wenn nicht, wissen wir zumindest, dass wir das nicht tun und leben mit den Konsequenzen.
Ich zum Beispiel weiß, dass es falsch ist, jemanden zu hauen, weil ich was nicht kriege. Wenn ich das trotzdem tue, muss ich damit leben, dass ich evtl. zurückgehauen werde... auch ne Konsequenz
Von daher ist es für Kinder eben enorm wichtig, zu lernen, was Konsequenz bedeutet. Und das passiert ja im Fall deiner Nichte nicht. Das können ihr aber im Endeffekt nur ihre Eltern beibringen.
Und gerade am Anfang wird es für die beiden (und die ganze Familie) extrem hart werden - für das Kind übrigens auch, weil es vermutlich gar nicht verstehen wird, warum bisher funktionierendes Verhalten nun nicht mehr klappt.
Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es für kaum möglich halte, dass Eltern diese schwierige Situation alleine meistern.
Aber glücklicherweise sind sie damit nicht unbedingt alleine gelassen.
Denn Vorschlag mit dem Jugendamt halte ich für sehr, sehr gut. Auch wenn man es kaum weiß und hinter dem Begriff oft nur schlechtes vermutet, engagieren die sich in der Regel sehr, wenn es gilt, Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu unterstützen (weil sie nämlich voraussehen, dass sie das schwierige Kind später doch als "Fall" auf dem Tisch haben.)
Außerdem sind die Jugendämter nicht nur selbst oft Veranstalter von Elterntrainings sondern sind vor allem auch informiert, wo in eurer Stadt z.B. welche stattfinden, wie man sich anmeldet, wer bezahlt etc...
Ich würde dir jetzt ehrlich gesagt vorschlagen, die Sache ein wenig selbst in die Hand zu nehmen und einfach mal beim Jugendamt anzurufen und den Fall so ähnlich zu schildern, wie du es hier getan hast. Nach dem Motto "Mein Bruder und seine Frau sind mit der Erziehung ihrer Tochter überfordert, das Kind ist hochgradig aggressiv usw. und die brauchen dringend Hilfe." und dann eben nachzufragen, an wen die Eltern sich deswegen vielleicht wenden können. Ich denke das Jugendamt wird da schon eine Idee haben und dich beraten können - vielleicht gibt es ja bestimmte Elternhilfen etc. in eurer Stadt.
Also, (extrem) lange Rede, kurzer Sinn:
Ja, du solltest dich "einmischen" und einfach mal unverbindlich mit dem Jugendamt sprechen.
Und - wie immer: halte uns auf dem Laufenden

LG,
Suni
(und wenn ich jetzt auf "antworten" drücke, war ich wahrscheinlich wieder viel zu langsam :mrgreen
