Hallo Nono,
meine Nichte ist genauso, jetzt 9 Jahre alt. Wenn sie nicht ihren Willen bekommt oder nicht im Mittelpunkt steht flippt sie total aus. Einige ihrer Mittel sind Schreiben, Porzelan zerdeppern, gegen Türen treten usw. Einmal war sie kurz davor meiner Schwester in einem Restaurant einen vollen Teller Nudeln an den Kopf zu schmeissen.
Wenn sie nicht diese Anfälle hat ist sie ein ganz liebes Mädchen, spielt schön und hilft auch viel.
Eine Sache die wir entdeckt haben ist der Zusammenhang mit der Aufnahme von Zucker. Nach Genuß von hohen Mengen Zucker dauert es genau 10 min. bis ein Anfall losgeht, kann man die Uhr nach stellen.
In ihrer Erziehung wurde viel vernachlässigt, Konsequenz und Grenzen kennt sie nicht. Strafen werden nur angedroht, nie ausgeführt.
eine Möglichkeit wäre auch, so schwer es fällt, sie in den Momenten einfach zu ignorieren.
einfacher gesagt als getan Die kleine wird dann richtig laut, sie kreischt förmlich und wenn man dann noch keine Aufmerksamkeit gibt wird Sie handgreiflich.
Ja, klar. Ignorieren ist eine sehr effektive Bestrafung. Man braucht aber gute Nerven, denn das Kind hat ja 7 Jahre lang gelernt dass es hilft richtig laut zu schreien.
Ein Kind muss sich frei innerhalb gesteckter und konsequent eingehaltener Grenzen entfalten können.
Inzwischen habe ich einen Hund und beschäftige mich mit der Hunde-Erziehung. Die hat, wie ich festgestellt habe, viele Parallelen zur Kinder-Erziehung.
Vor kurzem hatte ich einen Pflegehund, der war genau wie meine Nichte. Bei Hunden nennt man das Kontroll-Freak. Will alles bestimmen, muss immer im Mittelpunkt stehen, flippt aus wenn das nicht klappt.
Ein guter Artikel war in der Zeitschrift "dogs" vom Januar 2010 :
"In Deutschland leben 5,5 Millionen Hunde,
mehr als drei Viertel davon in Familien mit Kindern.
Die Eltern haben also nicht selten die Aufgabe,
zur gleichen Zeit zwei verschiedene Wesen zu erziehen,
ihre Kinder und ihren Hund.
Gibt es Parallelen?"
Hier als PDF :
http://www.hundsmaessig.de/veroeffentl.htm
Gewalt nützt in solchen Fällen überhaupt nichts, und auch ein "Klaps" ist Gewalt. Schön dass Du das auch so siehst Nono.
Die Beratung und Betreuung durch einen Spezialisten halte ich für unbedingt nötig, die Eltern kriegen das ja alleine nicht auf die Reihe. Es muss aber die ganze Familie therapiert werden, nicht nur das Kind.
Allerdings war meine Schwester schon bei vielen Therapeuten und Psychologen, hat bisher nichts geholfen. Das liegt aber wohl eher daran dass meine Schwester die Ratschläge der Experten nicht umsetzt. Sie hofft bis heute auf eine Medizin oder auf einen Knopf den man am Kind drücken muss und dann funktioniert es.
Berichte auf jeden Fall wie es weitergegangen ist.
Grüße Siva und Bernd