- Unsicherheit? Beitrag #1
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Cave Canem
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Hallo zusammen,
ich sag's gleich 'mal vorweg: das hier wird länger dauern. Ich hoffe also, Ihr habt etwas Zeit mitgebracht.
Worum geht es?
Schon vor knapp einem Jahr habe ich mich in meinem Hund verliebt. Damals wartete die hübsche Dame, Tessa genannt, noch in einem Tierheim auf ihr neues Zuhause. Ich habe sie dort rund 8 Monate lang intensiv (drei Mal die Woche Gassi, jeden Samstag Hundeschule) betreut, weil ich zunächst keine Möglichkeit sah, sie bei mir aufzunehmen (wohnte noch zuhause, Mutter allergisch). Es stellte sich damals schon heraus, dass der Hund es dem Halter alles andere als leicht machen würde. Tessa hatte nämlich damals schon allerlei schlechte Angewohnheiten. Dazu zählte unter anderem ihre leichte Reizbarkeit und ihre Aggressivität gegenüber anderen Hunden. Sie mobbte ihren Mitbewohner in meiner Anwesenheit (verbellte und attackierte ihn immer wieder ohne sichtbaren Grund), fixierte draußen alles und jeden und legte sich in die Leine, was das Zeug hielt, sobald einer ihrer Artgenossen auch nur annähernd in Reichweite war. Nun gut... das alles kam scheinbar nicht von ungefähr. Laut Tierheimleiterin war der Hund bei 'nem schlechten "Züchter" ("Verpaarer" trifft's eher) zur Welt gekommen und war danach als Hofhund ohne Familienanschluss verkauft worden. Dort riss sie dann angeblich einen Esel, wonach sie schließlich ein Jahr im Tierheim verbrachte. Und dann übernahm ich sie...
Dort gingen die Auffälligkeiten weiter... nach zwei Wochen war sie immer noch nicht stubenrein, konnte keine Stunde alleine bleiben, zog permanent an der Leine, fixierte erneut alles und jeden (wobei sie das in der Stadt oft zu überfordern schien) und verbellte jeden Hund schon von Weitem. Als ich es schließlich nicht mehr aushielt, klaubte ich mein letztes Geld zusammen (ich muss dazu sagen: ich bin nur, um den Hund aufzunehmen, ausgezogen) und kontaktierte eine Verhaltenstherapeutin, die mir von einer örtlichen Hundeschule empfohlen wurde. Die Dame schien auch zunächst recht kompetent, allerdings waren mir ihre Erziehungsmethoden mehr als einmal suspekt (Würgehalsband empfohlen, ständiger Leinenruck), so dass ich schnell eigene Varianten entwickelte und sah, was sich ergab. Nach nun knapp zwei Monaten hat sich so manches verbessert: etwa die Stubenreinheit oder das Allein bleiben. Allerdings muss ich auch hier Abstriche machen... damit das Ganze nicht allzu unübersichtlich wird, werd' ich meine Probleme nun im Einzelnen auflisten und näher erläutern. Vielleicht fallen ja Gemeinsamkeiten...
Stichwort: Leinenaggression
Vor knapp drei Wochen noch, dachte ich, Tessa hätte irgendwann in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit Artgenossen gemacht und sei deshalb so aggressiv. Fehlanzeige. Nachdem sie mir mehr als einmal in Anwesenheit anderer Hunde durchging, stellte sich bald heraus, dass ihre Aggressionen nur dann auftreten, wenn einer von beiden (es kann erstaunlicherweise auch der andere Hund sein) angeleint ist. Ist das nicht der Fall wird spielerisch gerauft, wobei sie auch hier stets den dominanten Part übernehmen will und ihre Spielaufforderungen doch bisweilen etwas plumb ausfallen. Seitdem werte ich ihre Leinenaggression ausschließlich als Zweifel an mir und meiner Rolle als Rudelführer. Das Problem dabei: ich habe absolut keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll, denn anderen Hunden ausweichen ist oft nicht möglich (Nachbarn haben auch Hunde), der klassische Leinenruck scheint sie indess nicht wirklich zu beeindrucken. Nach einer Weile fängt sie - unabhängig meiner Reaktion - an zu winseln, so nach dem Motto: aber ich wollte doch eigentlich nur 'mal beschnüffeln.
Nächstes Problem: ihre permanente Unsicherheit draußen.
Sie fixiert wirklich alles und jeden. Egal ob Mutter mit Kinderwagen oder Auto. Alles wird angestarrt, ohne Rücksicht auf das Herrchen. Bisweilen werden sogar Menschen angebellt (nicht nur nachts!). Das Ganze geht soweit, dass sie Kommandos, die sie unweigerlich befolgen muss (beim Sitz z.B. drücke ich sie sanft aber bestimmt in ihre Position, wenn sie wieder 'mal zu abgelenkt ist), gerade so ausführt, dass sie die entsprechende Person noch sehen kann.
Weiter geht's draußen: vor Bussen oder LKWs hat sie Angst. Hier sind wir zwar schon soweit gekommen, dass sie an (fast) lockerer Leine daran vorbeiläuft, aber sobald wir in der Nähe stehen bleiben, fängt sie an, am ganzen Körper zu zittern, springt in die Leine und wimmert lautstark vor sich hin. Da ich in der Situation ungern gehen möchte, weil sie sonst ja die Erfahrung macht - mach' ich Gezetter, komm ich auch irgendwann weg - dauern solche Begegnungen natürlich. Sie hat's dabei auch schon geschafft, 'ne ganze Stunde solche Panik zu schieben.
Nächstes Thema: ihr Verhalten mir gegenüber.
Sie kennt zwar die Grundkommandos und lernt, wenn sie es verstanden hat, auch verdammt schnell ("Pfote" hatten wir innerhalb 24 Stunde, obwohl der Hund vorher absolut keine Ahnung hat, was er denn mit seiner Pfote alles anstellen kann), sie befolgt sie aber meist nur zögerlich... ganz gemächlich. Schaut mich draußen dabei auch grundsätzlich nie an und gibt auch recht schnell auf... d.h., während andere Hunde sich in Gegenwart von Clicker und Co. alles Mögliche einfallen lassen, um ihr Herrchen zu beeindrucken, legt oder setzt sie sich einfach hin, wenn nichts von mir kommt. Das Apportieren ist darüber hinaus jedes Mal eine Qual, weil sie prinzipiell mit Ball und Co. erst einmal eine Siegerrunde drehen muss, bevor sie ihn hergibt. Mittlerweile habe ich aus dem Grund auch eine Leine an meinen Dummy gebunden, damit ich solche Albernheiten zumindest annähernd unterbinden kann.
Dann wäre da noch der Umgang mit Streicheleinheiten... sie juckt's einfach nicht, wenn ich sie streichel'... wo andere Hunde sich 'nen Ast abfreuen, dass sie gestreichelt werden, bleibt sie vollkommen teilnahmslos. Wenn ich sie nur zum Streicheln heranrufe, ist sie innerhalb von Sekunden wieder weg. Anders ist's bei Kollegen (sie darf mit ins Büro)... sobald da einer das Büro betritt ist Highlife angesagt... da wird gewedelt was das Zeug hält und drei Mal um ihn herumgelaufen, bis er wieder draußen ist. Das ist für mich als Herrchen oft peinlich, weil ich dann den Bumann spielen muss, und sie wieder - mit Nachdruck - ins Körbchen schicken muss, weil sie die Leute sonst noch angeht oder ins nächste Büro rennt.
Im krassen Gegensatz dazu steht ihre Trennungsangst, respektive ihr Kontrollwahn. Sobald ich - das böse Herrchen, das ja so uninteressant ist - das Büro verlasse, wird sich prinzipiell hinter die Türe gelegt und dort so lange gewartet, bis ich wiederkomme, so dass das erste, was man hört, wenn man reinkommt, garantiert 'ne Türe ist, die gegen 'nen Hund knallt, der 'mal wieder nicht in seinem Körbchen warten konnte. Früher ist sie mir auch noch bis ins Bad hinterhergelaufen, dann hab ich angefangen, sie an ihrem Platz anzuleinen, womit sie's zumindest zuhause sein lässt (wenn ich nicht gerade die Wohnung verlasse, dann ist sie aber auch nicht angeleint).
Das war's von mir... ich weiß, war 'ne lange Geschichte. Wenn mir jetzt noch jemand 'ne fundierte Antwort (akzeptiert werden auch eigene Erfahrungen
) auf meine Probleme geben kann, oder mir generell Tipps in dem Zusammenhang nahe legen kann, wäre ich bestimmt der glücklichste Hundehalter in ganz Hessen. Danke für's Lesen!
ich sag's gleich 'mal vorweg: das hier wird länger dauern. Ich hoffe also, Ihr habt etwas Zeit mitgebracht.
Worum geht es?
Schon vor knapp einem Jahr habe ich mich in meinem Hund verliebt. Damals wartete die hübsche Dame, Tessa genannt, noch in einem Tierheim auf ihr neues Zuhause. Ich habe sie dort rund 8 Monate lang intensiv (drei Mal die Woche Gassi, jeden Samstag Hundeschule) betreut, weil ich zunächst keine Möglichkeit sah, sie bei mir aufzunehmen (wohnte noch zuhause, Mutter allergisch). Es stellte sich damals schon heraus, dass der Hund es dem Halter alles andere als leicht machen würde. Tessa hatte nämlich damals schon allerlei schlechte Angewohnheiten. Dazu zählte unter anderem ihre leichte Reizbarkeit und ihre Aggressivität gegenüber anderen Hunden. Sie mobbte ihren Mitbewohner in meiner Anwesenheit (verbellte und attackierte ihn immer wieder ohne sichtbaren Grund), fixierte draußen alles und jeden und legte sich in die Leine, was das Zeug hielt, sobald einer ihrer Artgenossen auch nur annähernd in Reichweite war. Nun gut... das alles kam scheinbar nicht von ungefähr. Laut Tierheimleiterin war der Hund bei 'nem schlechten "Züchter" ("Verpaarer" trifft's eher) zur Welt gekommen und war danach als Hofhund ohne Familienanschluss verkauft worden. Dort riss sie dann angeblich einen Esel, wonach sie schließlich ein Jahr im Tierheim verbrachte. Und dann übernahm ich sie...
Dort gingen die Auffälligkeiten weiter... nach zwei Wochen war sie immer noch nicht stubenrein, konnte keine Stunde alleine bleiben, zog permanent an der Leine, fixierte erneut alles und jeden (wobei sie das in der Stadt oft zu überfordern schien) und verbellte jeden Hund schon von Weitem. Als ich es schließlich nicht mehr aushielt, klaubte ich mein letztes Geld zusammen (ich muss dazu sagen: ich bin nur, um den Hund aufzunehmen, ausgezogen) und kontaktierte eine Verhaltenstherapeutin, die mir von einer örtlichen Hundeschule empfohlen wurde. Die Dame schien auch zunächst recht kompetent, allerdings waren mir ihre Erziehungsmethoden mehr als einmal suspekt (Würgehalsband empfohlen, ständiger Leinenruck), so dass ich schnell eigene Varianten entwickelte und sah, was sich ergab. Nach nun knapp zwei Monaten hat sich so manches verbessert: etwa die Stubenreinheit oder das Allein bleiben. Allerdings muss ich auch hier Abstriche machen... damit das Ganze nicht allzu unübersichtlich wird, werd' ich meine Probleme nun im Einzelnen auflisten und näher erläutern. Vielleicht fallen ja Gemeinsamkeiten...
Stichwort: Leinenaggression
Vor knapp drei Wochen noch, dachte ich, Tessa hätte irgendwann in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit Artgenossen gemacht und sei deshalb so aggressiv. Fehlanzeige. Nachdem sie mir mehr als einmal in Anwesenheit anderer Hunde durchging, stellte sich bald heraus, dass ihre Aggressionen nur dann auftreten, wenn einer von beiden (es kann erstaunlicherweise auch der andere Hund sein) angeleint ist. Ist das nicht der Fall wird spielerisch gerauft, wobei sie auch hier stets den dominanten Part übernehmen will und ihre Spielaufforderungen doch bisweilen etwas plumb ausfallen. Seitdem werte ich ihre Leinenaggression ausschließlich als Zweifel an mir und meiner Rolle als Rudelführer. Das Problem dabei: ich habe absolut keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll, denn anderen Hunden ausweichen ist oft nicht möglich (Nachbarn haben auch Hunde), der klassische Leinenruck scheint sie indess nicht wirklich zu beeindrucken. Nach einer Weile fängt sie - unabhängig meiner Reaktion - an zu winseln, so nach dem Motto: aber ich wollte doch eigentlich nur 'mal beschnüffeln.
Nächstes Problem: ihre permanente Unsicherheit draußen.
Sie fixiert wirklich alles und jeden. Egal ob Mutter mit Kinderwagen oder Auto. Alles wird angestarrt, ohne Rücksicht auf das Herrchen. Bisweilen werden sogar Menschen angebellt (nicht nur nachts!). Das Ganze geht soweit, dass sie Kommandos, die sie unweigerlich befolgen muss (beim Sitz z.B. drücke ich sie sanft aber bestimmt in ihre Position, wenn sie wieder 'mal zu abgelenkt ist), gerade so ausführt, dass sie die entsprechende Person noch sehen kann.
Weiter geht's draußen: vor Bussen oder LKWs hat sie Angst. Hier sind wir zwar schon soweit gekommen, dass sie an (fast) lockerer Leine daran vorbeiläuft, aber sobald wir in der Nähe stehen bleiben, fängt sie an, am ganzen Körper zu zittern, springt in die Leine und wimmert lautstark vor sich hin. Da ich in der Situation ungern gehen möchte, weil sie sonst ja die Erfahrung macht - mach' ich Gezetter, komm ich auch irgendwann weg - dauern solche Begegnungen natürlich. Sie hat's dabei auch schon geschafft, 'ne ganze Stunde solche Panik zu schieben.
Nächstes Thema: ihr Verhalten mir gegenüber.
Sie kennt zwar die Grundkommandos und lernt, wenn sie es verstanden hat, auch verdammt schnell ("Pfote" hatten wir innerhalb 24 Stunde, obwohl der Hund vorher absolut keine Ahnung hat, was er denn mit seiner Pfote alles anstellen kann), sie befolgt sie aber meist nur zögerlich... ganz gemächlich. Schaut mich draußen dabei auch grundsätzlich nie an und gibt auch recht schnell auf... d.h., während andere Hunde sich in Gegenwart von Clicker und Co. alles Mögliche einfallen lassen, um ihr Herrchen zu beeindrucken, legt oder setzt sie sich einfach hin, wenn nichts von mir kommt. Das Apportieren ist darüber hinaus jedes Mal eine Qual, weil sie prinzipiell mit Ball und Co. erst einmal eine Siegerrunde drehen muss, bevor sie ihn hergibt. Mittlerweile habe ich aus dem Grund auch eine Leine an meinen Dummy gebunden, damit ich solche Albernheiten zumindest annähernd unterbinden kann.
Dann wäre da noch der Umgang mit Streicheleinheiten... sie juckt's einfach nicht, wenn ich sie streichel'... wo andere Hunde sich 'nen Ast abfreuen, dass sie gestreichelt werden, bleibt sie vollkommen teilnahmslos. Wenn ich sie nur zum Streicheln heranrufe, ist sie innerhalb von Sekunden wieder weg. Anders ist's bei Kollegen (sie darf mit ins Büro)... sobald da einer das Büro betritt ist Highlife angesagt... da wird gewedelt was das Zeug hält und drei Mal um ihn herumgelaufen, bis er wieder draußen ist. Das ist für mich als Herrchen oft peinlich, weil ich dann den Bumann spielen muss, und sie wieder - mit Nachdruck - ins Körbchen schicken muss, weil sie die Leute sonst noch angeht oder ins nächste Büro rennt.
Im krassen Gegensatz dazu steht ihre Trennungsangst, respektive ihr Kontrollwahn. Sobald ich - das böse Herrchen, das ja so uninteressant ist - das Büro verlasse, wird sich prinzipiell hinter die Türe gelegt und dort so lange gewartet, bis ich wiederkomme, so dass das erste, was man hört, wenn man reinkommt, garantiert 'ne Türe ist, die gegen 'nen Hund knallt, der 'mal wieder nicht in seinem Körbchen warten konnte. Früher ist sie mir auch noch bis ins Bad hinterhergelaufen, dann hab ich angefangen, sie an ihrem Platz anzuleinen, womit sie's zumindest zuhause sein lässt (wenn ich nicht gerade die Wohnung verlasse, dann ist sie aber auch nicht angeleint).
Das war's von mir... ich weiß, war 'ne lange Geschichte. Wenn mir jetzt noch jemand 'ne fundierte Antwort (akzeptiert werden auch eigene Erfahrungen