Ob Kastration oder nicht - ist eine schwere Frage, die man auch hier wieder nicht pauschal beantworten kann.
Dafür spricht u.a.:
- Bei sehr hibbeligen Hunden werden sie danach (meist...) ruhiger
- Bei sehr dominanten Hunden kann man so eher Kämpfe vermeiden (intakter dominanter Rüde auf anderen intakten Rüden aufreitend kann bösen Ärger geben...)
- Wenn in der Nachbarschaft nur Hündinnen sind und der Rüde darunter leidet
- medizinische Gründe (logisch...)
Dagegen spricht u.a.:
- in erster Linie, was auch noch gar nicht hier erwähnt wurde: Das Tierschutzgesetz!!!!
Es ist gesetzlich verboten, einen Hund ohne gesundheitliche Indikaton zu operieren oder ihm was zu amputieren! Allein aus Bequemlichkeit zu operieren ist somit ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz... Daran halten sich aber nur wenige Tierärzte, auch wenn sie sich mit einer Kastration bei einem gesunden Hund strafbar machen... Was man den Tierärzten zugute halten kann, ist aber, dass damit die sinnlose Vermehrung unterbunden wird, gerade bei den ohnehin so vollen Tierheimen
- Gewichtszunahme, gerade bei Rassen, die eh zu Übergewicht neigen... (Labi, Goldie, Mops, Neufi, etc.)
- ein eher unterwürfiger Rüde, der kastriert wird, wird dann dauernd bestiegen und kann dann mit der Situation überfordert sein, er wird sich ja nicht wehren (oder erst im Alter)
- man legt einen gesunden Hund gegen seinen Willen unters Messer. Wenn ich meine Brust aufpeppen will, entscheide ICH für MICH, aber hier hat der Hund keine Entscheidungsmöglichkeit...
- man kann es mit einer konsequenten Beziehung meistens in den Griff bekommen, dass der Hund auch dann gehorcht, wenn es brenzlig wird - aber eine Garantie gibt es nicht. Wenn vor einem Singlemann eine willige, gut aussehende, nackte Frau steht, wird er auch kaum "Nein" sagen...
Probleme bei nicht kastrierten Rüden sind demnach oft die läufigen Hündinnen und eine Dominanz bzw. zu ausgeprägtes Revierverhalten ("Alles meins!").
Ich habe selbst einen großen kräftigen Rüden, mittlerweile über 5 Jahre alt und NICHT kastriert. Ich hab ihn nicht kastrieren lassen, weil er dabei noch sehr gut händelbar ist, mir nicht die Nächte vollheult wegen läufigen Hündinnen und nicht abhaut (vor ihm standen schon läufige Hündinnen, machten ihre Rute zur Seite, ich rief und er kam!

) UND weil ich keinen gesunden Hund unters Messer lege...
ABER:
Meiner ist auch 100% verträglich! Ich hab
ihm die Entscheidung "überlassen": Ich hab ihm seine Entwicklung gelassen und ihn in bestimmten Phasen seiner Entwicklung in die "Schranken" gewiesen, z.B. wenn er meinte, aufreiten zu müssen, gab es mächtig Ärger und "Spiel" war vorbei! :evil: Ich hatte nie große Probleme mit Dominanz o.ä., die ersten 2 Jahre hat er sich sogar von Dackeln besteigen lassen (er ist 69cm hoch...)! :uups: Dann fing er an, sich zu wehren und umso älter er wird, desto kürzer braucht es, bis er auf andere Attacken drauf anspringt. Er selbst hat aber noch NIE angefangen!
Ich würde die Entscheidung dem Hund überlassen und natürlich muss man gegensteuern, wenn er meint, den Dicken raushängen lassen zu müssen (eigentlich so, wie ich es getan habe). Sobald mein Hund mir aus den Fugen geraten wäre, hätte er schneller auf dem Tisch gelegen, als ihm lieb gewesen wäre... Meine größte Angst war ein Hund, den ich nicht mehr halten und bändigen kann und bei dem ich entgegenkommenden Hundebesitzern zurufen muss: "Ist Ihrer ein Rüüüüüüde oder ein Weibchen?" 8) "Oh Gott, ein Rüde, schnell weg!" *PANIK*
Ich habe aber schon vielen Leuten zur Kastration geraten, nicht nur weil es "leichter" ist, sondern
weil man in deren Köpfe nicht reinbekommt, was es heisst, einen Rüden zu halten! Es gibt liebe, aber eben auch dominante Rüden, die gern "streiten"... Da ist es mir lieber, wenn der andere kastriert ist, weil die Rüden im Laufe der Zeit dann auch ruhiger sind. Kastration ist kein Allheilmittel, aber solange sich jeder Hans und Franz einen Hund zulegen kann, ohne die geringste Ahnung von Hunden zu haben (
"Bello, du bist ja schwuuuul...." AAAAAAH! :roll:) ist das auf jeden Fall besser, als jeden Tag Kämpfe zu haben. Auch wenn meiner groß und langhaarig ist und sich "wehren" kann (klar, bei der Größe!), finde ich jeden Kampf ätzend - und er hasst sie genauso... Wenn mir Rüden schon so stolzierend entgegenkommen und sich dabei so aufplustern, kriege ich schon fast die Krise, dieses Machogehabe, bah!

Ganz "toll" ist auch, wenn die Besitzer dann meinen: "Meiner ist ja klein, kann ihrem ja nicht so wehtun..." Nur weil meiner groß ist, kann ihm ein Biss von einem Hackenbeisser (sorry) nicht weh tun?!?
