Mal ein Gedanke von einem Nicht-Hundehalter - allerdings Halter einer Tierart, von der ich überzeugt bin, daß man sie komplett ohne tierisches Eiweiß nicht artgerecht ernähren kann:
Wir sind als Tierhalter unseren Tieren verpflichtet. Und nur weil irgendetwas immer schon so war, muß es nicht zwangsläufig gut sein.
Aber: Hunde sind zumindest ausreichend erforschte Tiere, daß man biologisch einigermaßen gesichert sagen kann, welchen Nährstoffbedarf sie haben und wie eine ihrer Natur und Art angemessene Ernährung aussehen sollte. Daß man sich dabei auf Erfahrungen und die Beobachtung von wilden Verwandten etc. stützt ist kein Mangel an, sondern wesentlicher Bestandteil von wissenschaftlich auch haltbaren Betrachtungen (und 'wissenschaftlich haltbar' bedeutet nicht zwangsläufig, daß es zig veröffentlichte Studien dazu geben muß

im Grunde ist jeder logisch denkende Mensch zu wissenschaftlich haltbaren Betrachtungen fähig, wenn er sich an gewisse Regeln und Grundsätze hält).
Und da muß ich mir als Tierhalter doch die Frage stellen: mit welcher Berechtigung ordne ich die Ernährung meines Tieres meiner eigenen Weltanschauung unter, wenn tatsächlich ideologische Gründe ausschlaggebend dafür sind und nicht etwa eine Unverträglichkeit seitens des Tieres...
Für mich kann die Antwort an der Stelle nur lauten: so eine Berechtigung habe ich nicht, ich bin als Halter meinem Tier verpflichtet, und damit muß ich ihm auch die seiner Art am besten entsprechende Ernährung bieten.
Ich habe an anderer Stelle schon öfter mal auf Radka Engelhard verwiesen, die zum Thema vegetarische/vegane Ernährung bei Hunden und Katzen eine Feldstudie durchgeführt hat:
http://www.vetmed.uni-muenchen.de/downloads/promotion/ws_98_99/engelhard.txt
Radka Engelhard praktiziert als FachTÄ für Kleintiere in München, wäre also für Nachfragen sicher auch erreichbar.
Besonders bezeichnend finde ich folgende Ergebnisse der Studie (und ich zitiere nur exemplarisch):
Die Versorgung mit Protein fiel bei mehr als
der Hälfte der adulten Hunde zu gering aus,
Der Calcium-Bedarf wurde bei 62 % der
Hunde nicht gedeckt und der Phosphor-Bedarf
nur etwa bei der Hälfte der Hunde.
Außerdem wurden 73 % der Hunde mit Natrium nicht
ausreichend versorgt.
Bei den Spurenelementen war die Versorgung
mit Eisen, Kupfer, Zink und Jod in vielen
Fällen nicht ausreichend.
Bei den Vitaminen erwies sich die Vitamin D-
Zufuhr vor allem bei veganen Rationen häufig
als nicht ausreichend.
Bei der Vitamin B12-Aufnahme kam es
bei 56 % der Hunde zu einer mangelhaften
Versorgung.
Die veganen Welpen im Alter von 8 Wochen
wiesen zu diesem Zeitpunkt nur etwa die
Hälfte des erwarteten Körpergewichts auf.
Quelle s.o.
Auch wenn im Rahmen der Studie bei erwachsenen Hunden offenbar keine klinischen Mangelerscheinungen festgestellt wurden (wobei in der Studie nachzulesen bzw. bei Radka Engelhard nachzufragen wäre, wie lange die untersuchten Hunde beobachtet wurden, und ob ggf. Spätfolgen in der Studie nicht berücksichtigt wurden), so ist das alles doch keine echte Empfehlung für vegetarische oder vegane Hundeernährung.
Wichtig finde ich zudem folgendes:
Weder bei Hunden noch bei Katzen sollte auf
Supplemente verzichtet oder diese aufs
Geratewohl eingesetzt werden.
Quelle s.o.
Denn das bedeutet: ich muß meinem Tier, weil ich es abweichend von dem, was seiner Natur entspräche, ernähre, Medikamente zuführen (im Grunde sind ordentlich dosierte Supplemente ja nichts anderes).
Und spätestens dann muß sich jemand, der aus ideologischen Gründen sein Tier vegan ernährt, von mir die Frage stellen lassen, ob das noch eine sinnvolle Vorgehensweise sein kann.
Versteht mich nicht falsch: für sich selbst kann jeder entscheiden, wie er möchte; wobei ich persönlich der Ansicht bin, daß es nicht zielführend ist, etwas durch Medikation zu ersetzen, was man auf natürliche Art und Weise zu sich nehmen könnte - auch aus ideologisch-tierschutzorientierter Sicht, den regionaler (Bio-)Paprika ist doch aus vielen verschiedenen Gründen ein 'besserer' Vitaminlieferant als eine Pille, und daß man auch Fleisch und Fisch aus anderen Quellen beziehen kann als aus z.B. Massentierhaltung, wurde ja bereits erwähnt.
Schwierig wird es aber doch immer dann, wenn wir für andere (mit-)entscheiden, wenn die unserer Entscheidung ausgeliefert sind, ob sie wollen oder nicht.
Anders gesagt: ich bin gegen Lebendfütterung. Daher bekommen meine Ratten auch keine lebenden Mehlwürmer, und ich würde nie lebende Austern essen. Aber meine Ratten sind omnivor, sie brauchen tierisches Eiweiß. Das müssen sie nicht in Form von Mehlwürmern bekommen (die ja auch recht fetthaltig sind etc. und ohnehin nicht der optimale Eiweißlieferant auf Dauer sind, aber das ist ein anderes Thema), aber sie brauchen es, und damit muß ich es ihnen auch zu fressen geben, in welcher Form auch immer, wenn ich meinem Anspruch, meine Tiere so gut es geht artgerecht zu halten, gerecht werden will.
Und ähnlich sehe ich das eben auch bei Hunden, auch wenn ich selbst keinen habe. Ich kann den Grundgedanken eines überzeugten Vegetariers/Veganers nachvollziehen - aber die eigene Überzeugung ist eben nur sehr bedingt auf ein Tier übertragbar, wenn man das Thema artgerechte Tierhaltung zugrunde legt.