aber ich habe das Gefühl, das hier indirekt ausgedrückt wird, dass man sich mehr um Meeris kümmern muss
Ja, so ist es auch. Bei Zwergkaninchen sind ja erst vor relativ kurzer Zeit Wildkaninchen eingekreuzt worden, damit sie kleiner sind, und sie sind natürlich perfekt an unser Klima angepasst. Ein Kaninchen kann stundenlang im Regen sitzen - und das stört sich nicht mal daran, und es wird dabei auch nicht richtig nass bis auf die Haut. Die dicht behaarten Füße frieren auch im Schnee nicht, und auch die Stallhasen-Vorfahren lebten ja seit jeher eher als Naturburschen zwischen Hühnern auf der Wiese.
Meerschweinchen kommen aus einer klimatisch deutlich wärmeren und trockeneren Region. Noch dazu sind sie viele tausend Jahre domestiziert - sie gelten bei den Indios als heilige Tiere, entsprechend luxuriös haben sie leben dürfen. In den Küchen, meistens mit Gehegen und Verstecken unter den Sitzbänken, gut versorgt mit Gemüse und Gras, und nur zu bestimmten religiösen Feiertagen wurden welche geschlachtet, halb als Opfer für die Götter, halb als Festtagsbraten. Natürlich muss ein Opfertier immer gut versorgt und verhätschelt worden sein, umdie Götter nicht zu beleidigen.
Schon die Spanier brachten dann Meerschweinchen nach Europa wo sie natürlich erst mal ausgesprochen selten und wertvoll waren. Man merkte bald, die sind zäh und sehnig, und nicht mal mit dem Fell kann man was anfangen, keine Wasserabweisenden Eigenschaften, und blieben dann eher als Hobby der wohlhabenderen Leute, die sich Tiere leisten konnten, die nur fressen, aber nicht mal als Fleischlieferanten taugen. also waren sie auch die letzten Jahrhunderte wieder eher verhätschelte Haustiere als Nutztiere wie die Kaninchen.
Sie haben ein fell, das bei Regen wirklich durchnässt, sie haben nackte Füße, die im Schnee auch eiskalt werden, und sie haben so kurze Beinchen, dass sie viel zu langsam sind, um vor einem Marder oder aggressiven Kaninchen fliehen zu können. Sie bekommen weder Unterwolle noch Winterfell und halten deswegen keine Minusgrade aus. Noch dazu sind sie schlechte Futterverwerter und müssen im vergleich zu Kaninchen noch mehr fressen, um ihren Energiehaushalt auszugleichen - das kann bei Außenhaltung erstaunliche Ausmaße mit 20-30% des eigenen Körpergewichts annehmen. wenn es zu kalt ist kann es auch so viel sein, dass sie kaum mehr zum schlafen kommen, damit sie diese Mengen an Futter überhaupt schaffen können.
Will man sie im Winter draußen halten, dann eben wirklich am besten überdacht und beheizt. Es sind eben keine Möchtegernkaninchen mit kurzen Ohren, sondern eine ganz andere Tierart mit ganz eigenen Ansprüchen, die es nicht verdient, einfach zu den Kaninchen gesteckt zu werden, weil das angeblich so toll wäre. Sie verdienen eine Beschäftigung mit ihren eigenen Ansprüchen und eine Haltung die wirklich auf die Abgestimmt ist, statt nur schmückende Deko zwischen Kaninchen zu sein.
Artengemeinschaften sind oft eine Kompromisslösung für beide Seiten, und dabei nicht wirklich ideal, und nur weil sie zufällig dasselbe fressen muss man doch nun wirklich in ein Kaninchengehege nicht auch noch Meerschweinchen stecken.