Eine kurze Sache zum Selen, weil das hier bei Ratten angewandt wird und nichts zur Dosierung steht: Die Dosierungsspanne von Selen ist recht gering beim Hund. Der Hund braucht etwa 5µg/kg KM/Tag, entsprechend 25µg/100g bei einem Trockenalleinfutter. Es dauert zwar eine recht lang Zeit, aber per Injektion genügt es bereits, wenn der Hund 6µg/kg KM/Tag zu sich nimmt, damit die Dosis chronisch toxisch ist. Im schlimmsten Fall kommt es dann zu Lebernekrose und Anämie.
Die nachgewiesenen Symptome eines Selenmangels sind übrigens Verhaltensstörungen wie Depression, aber auch Atemnot und Muskelschwäche. Der Mangel tritt übrigens fast nur bei Welpen und im Wachstum auf, wenn überhaupt. Er ist auch nur möglich, weil die Selenkonzentration im Boden und damit in den Pflanzen und Pflanzenfressern stark variiert. Da bei Fertigfutter aber Richtwerte für die Inhaltsstoffe gegeben sind, ist es fast unmöglich, dass der Hund unterdosiert wurde, zumal im Futter meist eher zu viel als zu wenig drin ist.
Dazu kommt, dass ein Selenmangel alleine nicht genügt, um die Symptome davon auszulösen. Selen bindet freie Radikale, ebenso wie Vitamin E. In Studien hat sich gezeigt, dass beide die Funktion des anderen fast gänzlich übernehmen können. Ein Vitamin E Mangel ist nun aber schon weit schwerer zu erzeugen, dazu kommt es fast nur, wenn gleichzeitig zu viele Fettsäuren gefüttert werden. Ein Vitamin E Mangel hat zudem zwar unspezifische Symptome, aber dennoch Symptome, besonders im Blutserum ist es zu erkennen, es kommt zum Anstieg der Kreatinphosphokinase.
In der zitierten Studie wird von »verstärkten epileptischen Anfällen« gesprochen, d.h. die Anfälle fanden bereits statt, als der Mangel hervor gerufen wurde, und ich möchte wagen zu behaupten, dass viele, wenn nicht sogar fast alle Mangelerscheinungen Erkrankungen begünstigen können. Inwiefern da von Ratte auf Hund übertragen werden kann sei auch mal dahin gestellt.
Was ich damit sagen will: Du kannst gerne auf einen derartigen Mangel untersuchen lassen, aber zum einen halte ich es vor allem bei Fertigfutterfütterung für fast ausgeschlossen, zum anderen solltest du das auf keinen Fall einfach ausprobieren, wenn du nicht sicher nachgewiesen hast, dass ein Mangel auch tatsächlich besteht. Ich sage das nur, weil ich schon oft erlebt habe, dass die Leute dann einfach mal Pülverchen o.ä. bestellt und auf gut Glück gefüttert haben.