So, dann mag ich da auch mal als quasi direkt Betroffene sagen :006:
Ich finde es gut, dass auf die Problematik "Rollkur" so intensiv eingegangen wurde, leider beschränkt(e) sich die Berichterstattung ausschließlich auf den Dressursport. Grund dafür war einfach der relativ plötzliche Erfolg der Holländer auf Internationalen Turnieren. Wäre Deutschland zu dem Zeitpunkt Nummer 1 gewesen, würde kein Hahn nach der Sache krähen. Durch Totilas kam dann die Verknüpfung mit der Dressur, obwohl hier nicht mehr oder weniger gerollt wird, als in anderen Sparten.
Auch wenn ich dieses "aber der ist noch viel schlimmer!" Gerede nicht besonders mag, möchte ich mal anmerken, dass im Springsport härtere Geschütze aufgefahren werden ( können).
Da ich ja nun mal Leistungsmäßig diesen Sport betreibe, tummel ich mich auch dementsprechend häufig auf den Turnieren in ganz D rum und kann sagen, dass der Mammutanteil der Reiter keine bösen Rollkur-Sadisten sind, sondern ordentlich ihre Pferde arbeiten.
Ein verspanntest Pferd bekommt die goldene Schleife nicht, auch nicht im ländlichen Bereich.
Und grade, wenn Du die Pferde verkaufen willst, musst Du in der heutigen Zeit ordentliche Pferde anbieten. Die Kunden die bereit sind einen hohen Preis für ein gutes Pferd zu bezahlen, wollen keine Kompromisse machen.
Entweder ist das Pferd leicht zu bedienen und korrekt ausgebildet oder sie gehen zu jemand anderem.
Auch die Haltungsformen der Pferde, wandelt sich. Nicht nur bei mir darf das Grand Prix Pferd seinen täglichen Weidegang genießen, sondern viele Reiter sind bemüht ihren Tieren die bestmögliche Haltungsform zu ermöglichen.
Was ich einfach schade finde, ist das dieses Halbwissen als bare Münze genommen wird. Da wird auf der einen Seite mächtig über die Sportreiter gelästert, aber das eigene Reitverhalten wird kaum bis gar nicht reflektiert.
Da kaufen sich junge Mädels den rohen 3 Jährigen, lehnen Unterricht aus finanziellen oder moralischen Gründen gänzlich ab und wollen ihr wissen aus Büchern ziehen. Dann ist das Geschrei groß, wenn dann alles in die Hose geht.
Das Pferd steigt und bockt nur noch? Naja, der ist halt so.
Der Sattel passt natürlich auch, weil das hat mir meine Reiterfreundin versichert.
Durch diese ganze Rollkur-Hysterie bekommen die Reiter auch mittlerweile einfach Panik ihr Pferd zu eng zu reiten. Dann wird es hingenommen, dass das werte 4-Bein auf der VH latscht oder den Rücken durchdrückt aber
Hauptsache es befindet sich nicht mal in der nähe der Senkrechten
Ziel der Ausbildung ist nicht, dass das Pferd "durchs Genick" geht, sondern ein Pferd welches sich selbst trägt, aktiv in der HH ist und flexibel im Körper. Die Anlehnung ist nur das Endresultat.
Der Turnierreiter lässt sich natürlich besser bei der Arbeit beobachten als der so genannte Freizeitreiter. Macht dieser sein Ding nur im stillen Kämmerlein.