Auch bei Welpen habe ich da meine Zweifel, auf der Strasse oder in der Tötungsstation geborene Welpen, haben von ihrer Mutter häufig ein Misstrauen gegenüber Menschen beigebracht,
Und nicht nur das, 'wild' geborene Straßenhunde erleben als Welpen in der Regel überhaupt keinen engen (positiven) Kontakt mit Menschen. Aber gerade Erfahrungen in den ersten Prägephasen sind so elementar, dass Defizite unter Umständen ein ganzes Leben lang nicht mehr aufgeholt werden können.
Ich erzähle mal von meinem Auslandshund, der ist nämlich genau so ein Fall.
Versteckt da doch recht lang (und traurig

).
[VERSTECK]Ringo ist wild geboren und dann mit etwa 10 Wochen von Tierschützern eingefangen worden(so krank, dass er schon nicht mehr weglaufen konnte). Der erste Kontakt mit Menschen also völlig traumatisch: festhalten, Tierarzt, einsperren, Flugzeug, neue Umgebung, mehr Menschen, mehr Tierärzte...etc.
Natürlich hat ihm das alles damals das Leben gerettet und er ist jetzt 11 Jahre alt. Nur was ist es bisher für ein Leben gewesen frage ich manchmal. Die ersten zwei Jahre waren schrecklich, er hatte ANGST, vor allem, vor Menschen, vor Autos, vor geschlossenen Räumen, vor anderen Hunden, vor Geräuschen, vor ALLEM!
Gleichzeitig aber das Problem, dass man ihm die Angst nicht nehmen konnte, weil man überhaupt nicht an ihn ran kam. Er hat sich nicht für Menschen interessiert, sich ihnen nicht zugewand und sich auch nicht an ihnen orientiert. Wenn man ihn angesehen oder mit ihm gesprochen oder ihn gestreichelt hat, hatte er Angst.
Natürlich ist es im Laufe von nun mehr als 10 Jahren besser geworden, aber die letzten Ressentiments und Unsicherheiten hat er niemals abgelegt. Er fürchtet sich vor kleinen Alltags-Geräuschen, wenn man Schluckauf hat z.B. oder wenn die Heizung knackt...alltägliche Dinge, da springt er auf und drückt sich zitternd in eine Ecke (wirklich panisch, er klemmt den Schwanz ein, zittert, stresshechelt) und ist dann auch nicht ansprechbar. Weder ignorieren noch positiv belegen (mit Futter locken) funktioniert, er ist dann ganz in sich zurückgezogen.
Knuddeln und Streicheln ist auch nicht sein Ding, er duldet es, aber das er es von sich aus einfordern würde ist nicht der Fall.
Er ist auch nicht wirklich für eine Sache zu begeistern, hat eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Klickerspiele und Übungen z.B. findet er toll aber nach ein paar Minuten kann er sich nicht mehr konzentrieren, auch kann es passieren dass er eine Übung oder ein Spiel ohne mir ersichtlichen Grund abbricht und sich ängstlich in sein Körbchen verzieht.
Fehlverhalten zu bestrafen ist ebenfalls nur sehr gering möglich, da selbst ein leichtes Stimme erheben dazu führen kann, dass er total verwirrt und verunsichert ist.
Wenn er sich bedrängt oder unsicher fühlt (Kinder, unsichere Erwachse, Betrunkene, Uniformierte, große Männer ...etc) kann es schon mal sein, dass er schnappt, man kann ihn also im Grunde auch nirgendwo mit hinnehmen.
Mit anderen Hunden versteht er sich hingegen gut (nur intakte Rüden sind ihm ein Dorn im Auge, da kommt das bisschen Macho raus was noch in ihm steckt

).
Alles in Allem liebe ich meinen Hund natürlich, aber ich bin (gerade am Anfang) mehr als einmal verzweifelt, habe oft gedacht 'so will ich nicht mit einem Hund zusammenleben, ich möchte einen Hund der mit Freude mit mir durchs Leben geht' und kann es nach wie vor verstehen, wenn solche Hunde wieder abgegeben werden.
Mich hat das Zusammenleben mit ihm oft traurig gemacht, ich war wütend, ich war verzweifelt, ich war enttäuscht. Ich würde niemandem einen Vorwurf machen der sich solche negativen Gefühle nicht ein Hundeleben lang antun will.
Eine Freundin die hin und wieder mal einen Tag auf ihn aufpasst (die einzige die sich ihm überhaupt gewachsen fühlt da sie viel Erfahrung mit Pflegehunden hat) sagt "Ringo ist einer meiner Lieblings-Gast-Hunde, ich mag ihn dafür, dass er es einem nicht leicht macht ihn zu mögen." ...und ich verstehe was sie meint, Ringo ist nicht wirklich ein Hund im herkömmlichen Sinne und man kann nicht davon ausgehen, dass bei ihm all die Dinge funktionieren die bei so ziemlich jedem anderen Hund funktionieren (enthusiastisches Locken 'guck mal hier, ja komm mal her' löst bei ihm z.B. höchstes Misstrauen aus), er ist ein reservierter Solist. Aber genau das macht es manchmal vielleicht auch besonders wenn man es geschafft hat ihn aus seinem Schneckenhaus zu locken, wenn er ausnahmsweise mal freudig in einem Spiel aufgeht, einen aufmerksam anguckt oder einfach nur irgendwo entspannt liegt.
Dennoch, ich glaube Ringo und ich haben beide viel gelitten und leiden immer noch unter der Situation und seinen Ängsten und wenn ich die Wahl hätte würde ich niemals nochmal so einen Hund haben wollen.
Was die Organisation angeht von der er herkommt, hieß es damals natürlich er wäre sehr lieb und verträglich, er wäre halt nur sehr unterwürfig (das ist er nicht, er ist ängstlich und das sind zwei ganz verschiedene Dinge), aber das würde es bestimmt auch sehr leicht machen ihn zu erziehen...ein toller Anfängerhund :roll:
Ich bin nach wie vor der Meinung man hat mit dieser Vermittlung weder mir noch Ringo einen Gefallen getan.
Ja, man hat ihm als Welpen das Leben gerettet, aber es gab genügend Momente in den letzten 10 Jahren wo ich gedacht habe, es wäre besser gewesen, wenn man es nicht getan hätte

Vielleicht wäre es besser gewesen er wäre- als wilder Hund geboren - auch als wilder Hund gestorben, ohne so viele Jahre gezwungen zu sein, dass Leben eines domestizierten Hundes zu führen in das er sich einfach nicht einfügen kann.
[/VERSTECK]
Zu den Fragen beim Tierheim: Bei jeder Wohnungsbesichtigung oder sogar bei Handyverträgen habe ich ähnliche Fragen beantworten müssen, da finde ich die Fragen bei der Verantwortung für ein Lebewesen erst recht legitim, damit der Hund dann nicht so ein Wanderpokal wird wie oben beschrieben. Ich erwarte von dem Tierheim ja auch ehrliche Antworten. Schluss war allerdings bei mir bei einem Tierheim. Wo ich erst einen 5 seifigen Fragebogen ausfüllen sollte, bevor die entschieden haben, welchen Hund sie mir überhaupt zeigen.
Im Grunde gebe ich dir recht, ich finde es ja auch okay, dass die Tierheime sich absichern wollen, zum Wohle der Hunde.
Nur ich habe es erlebt dass es für die Tierheime schon ein Ausschlusskriterium war, wenn im Fragebogen kein Haus mit Garten angegeben war. Da tat es mir dann schon Leid für die Hunde die nun weiterhin in ihrem kleinen, lauten Tierheim-Zwinger sitzen mussten, nur weil ein Zuhause in der 60m² Stadtwohnung den Vermittlern nicht gut genug erschien.
Hier wird meiner Meinung nach teilweise mit falschen Maßstäben gemessen.