Ui...das klingt immer weniger gut

Jetzt losgelöst vom Hund ist das für dich ja auch eine total doofe Situation.
Aber gut.
Ich kenn´deinen Hund nicht und rate daher etwas ins Blaue: Vermutlich hat er den Wegfall/Umbruch seines sozialen Systems noch nicht verkraftet.
Selbst wenn, was ich nicht hoffe, dein Ex ihn geschlagen haben sollte gehörte er zum Rudel genau so wie dein Sohn.
Diese beiden Elemente fehlen jetzt und wahrscheinlich wird auch dir es in der letzten Zeit nicht wahnsinnig bombig ergangen sein- Trennung, Umzug und Sohn zieht aus, da kann man sich wirklich schönere Lebensabschnitte vorstellen.
Das Bellen, Wunden beißen, nicht aus dem Haus wollen deutet darauf hin, dass er sich absolut und vollkommen unsicher ist.
Er kann die Umgebung nicht einordnen, empfindet wahrscheinlich einfach alles als fremd und auf dich kann er sich zur Zeit auch nicht verlassen- zumindest aus seiner Perspektive.
Bei der Leinenaggression vermute ich mal genau diesen Hintergrund als Motivator: Hunde würden im Normalfall ihr Revier/Rudel gegen fremde Hunde verteidigen.
Bisher musste er das wahrscheinlich einfach nicht, jetzt fühlt er sich aber dazu gezwungen in permanenter Hab-Acht-Stellung quasi auf einen Angriff zu warten schließlich ist er jetzt im Fremdgebiet.
Je nachdem wie eure Beziehung zueinander ist kommt vllt. auch noch hinzu, dass er dir nicht zutraut kritische Situationen zu klären.
Damit möchte ich nicht anzweifeln, dass du mit deinem Hund klar kommst, rein von deiner Beschreibung her versucht er die Situationen eben selbst zu klären.
An der Leine hat er dich dann ja auch "im Rücken" für den Ernstfall.
So.
Wir können hier jetzt ganz viel mutmaßen, aber im Endeffekt wird es wahrscheinlich einige Stellschrauben geben, die wir von "hier" aus nicht nennen können.
Ich würde sehen, dass ich einen positiv arbeitenden Hundetrainer finde, der sich das Ganze ansieht.
Persönlich würde ich ansonsten erstmal schauen, dass er einen festen Platz bekommt.
Dort schickst du ihn hin, wenn er wieder alles anbellt etc.- nicht um ihn zu bestrafen, sondern einfach um dafür zu sorgen, dass er sich wieder beruhigen kann.
Das setzt dann aber voraus, dass du mit ihm trainierst wo sein Platz ist und das er dort bleiben soll bis du ihn wieder abholst.
Schaff´ihm seinen kleinen privaten, sicheren Hafen.
Draußen würde ich an der Leine gar keinen Kontakt mehr zulassen und mit ihm daran arbeiten, dass er sich bei anderen Hunden auf dich und nicht auf den anderen Hund konzentriert.
Auch hier muss man kleinschrittig trainieren, dass der Abstand zum fremden Hund verringert werden kann. Das kann Wochen dauern, zahlt sich aber aus
Solange er noch ruhig bleibt loben, loben, loben und sobald er Anstalten macht zu moppern umdrehen und den Abstand vergrößern.
Lassen sich Hundebegegnungen nicht vermeiden: Beide Hände an die Leine, festhalten und kommentarlos dran vorbei.
Da er ja nun mal wirklich ein Koloss ist würde ich ihm sowas hier
http://www.amazon.de/Halti-LH02-Hundegeschirr-Gr%C3%B6%C3%9Fe-M/dp/B004W78GGC/ref=sr_1_1 verpassen. Tut dem Hund nicht weh, man muss kein Profi sein um das zu benutzen, da es im Prinzip ein normales Geschirr ist, aber das Kräftegleichgewicht ist zu deinen Gunsten verteilt.
Damit kann selbst eine 54kg Person ihren Landseer problemlos halten (sieht natürlich trotzdem jedes Mal witzig aus im Training)
Auch nicht unwichtig: Wenn ihn die Situation wirklich so stresst wie es scheinbar der Fall ist sind die Wunden, die er sich zufügt eventuell tatsächlich Ausdruck von genau diesem Stress, den er nicht abbauen kann, da er durchgehend präsent ist. Hab selbst so eine kleine Maus hier, die sich fast kahl gekratzt hat, weil sie so gestresst war bevor sie zu mir kam.
Zum Stressabbau kannst du ihm auch ganz viel zum Kauen geben.
Kauen und Laufen sind die besten Mittel Stress effektiv abzubauen.
Ansonsten kann es auch nicht schaden, wenn man auch in die Richtung Bachblüten etc. denkt.
Nach diesem Roman noch abschließend: Das Wichtigste wird für ihn sein, dass du in allem was du tust Sicherheit vermittelst.
Also nicht schon panisch die Leine kürzer nehmen, wenn ein Hund auftaucht, sondern einfach weiterlaufen
Meist schleicht sich ein kleiner, gemeiner Automatismus ein: Mensch sieht fremden Hund (eig. ist noch alles gut) und nimmt schon mal die Leine kürzer und er darauf hin reagiert der eigene Hund überhaupt- Oha! Muttern wirkt besorgt! Dann brettern wir den lieber direkt um bevor der uns was tut!
Aber wie gesagt: Das ist alles hochspekulativ und ich würde da wirklich jmd. draufgucken lassen, der Ahnung hat

Außerdem stimme ich Suno zu: Tu´dir selbst was Gutes und schau wie es dir überhaupt geht.
Nicht umsonst sind Hunde "Spiegel der Seele"
