Gleich vorweg: Ich habe den Artikel nur überflogen. Ehrlich gesagt fehlte mir die Lust, nach "Gefängnis der Wahrnehmung" noch weiterzulesen. Die Verallgemeinerungen und meiner Meinung nach auch falschen Aussagen (z. B. Gebiss verursacht IMMER Leid, ...) haben mir dann den Rest gegeben.
Das Video kann ich mir nicht ansehen.
Und jetzt zerpflücke ich deinen Beitrag, vor allem des Umfangs wegen.
Ich selbst lebe seit längerer Zeit vegan, hauptsächlich aus ethischen Gründen und lehne somit jegliche Ausbeutung von Tieren ab und vielleicht gerade deswegen hat mich dieser Artikel in Kombination mit dem Video sehr aufgewühlt. Dazu muss ich auch noch sagen, dass ich seit einem Jahr nicht mehr aktiv reite, auch wenn ich vorher seit meinem 5. Lebensjahr eigentlich nur ein Leben mit Pferden gekannt habe und somit jetzt nicht in der Zwickmühle stecke zu sagen, gebe ich mein Hobby den Tieren zuliebe auf?
Ist es nicht egoistisch mein Hobby auf Kosten der Tiere auszuüben die ich doch so gerne mag?
JEDE Art der Tierhaltung geschieht aus Egoismus - ob es "auf Kosten der Tiere" geschieht? In vielen Fällen sicher, in vielen anderen Fällen auch nicht. Ich persönlich glaube, dass es darauf ankommt wie man das Leben des Tieres gestaltet, wie man mit dem Tier umgeht, natürlich wie es gehalten wird.
Haben alle Pferde die du geritten bist einen unglücklichen Eindruck gemacht oder wurden unsachgemäß gehalten?
Ich habe es gestern schonmal irgendwo geschrieben: NUR, weil ein Tier "aktiv genutzt" wird, geht es dem Tier nicht schlechter, als einem Tier welches "nur so" gehalten wird.
Ich habe zuerst das Video gesehen und es hat mich sehr berührt.
Aber besonders getroffen haben mich die Aussagen über das Gewicht des Reiters auf dem Rücken des Pferdes.
"In den ersten 12-15 Minuten reagieren die Hauptmuskeln, die das Gewicht des Reiters Tragen mit Unwohlsein auf den Reiter und nach 20 Minuten setzt ein Gefühl ein, wie wir es auch spüren wenn unsere Beine einschlafen weil sie nicht genug durchblutet werden."
Die Aussage wundert mich ein bisschen. Auf welchem Niveau wurde das Pferd da geritten? Kann ein eingeschlafener Muskel AKTIV tragen und locker schwingen? Und wie wurde die Aussage belegt?
Und dann habe ich angefangen nachzudenken, wie viele doch immer noch der Meinung sind ein Pferd muss funktionieren.
Ich habe auch schon Aussagen gehört, dass man sich das Pferd doch extra gekauft hat um Reiten zu können und dafür ja auch viel Geld bezahlt.
Und dann habe ich mich gefragt, wie viele ihr Pferd behalten würden, wenn es plötzlich durch einen Unfall oder eine Krankheit unreitbar wäre.
Und wenn ich dann höre, dass Leute ihr Pferd verkauft haben, weil sie nicht mit ihm klar kommen und sich ganz schnell ein neues angeschafft haben, dann wird mir bewusst, dass viele leider immer noch in ihrem Pferd ein Objekt sehen, dass funktionieren muss, das ansonsten das Geld das man monatlich ausgibt nicht wert ist.
Das mag für dich moralisch verwerflich sein, aber stört es das Pferd auch so stark? Wenn mein Pferd krank wird und ich es auf eine "Rentnerkoppel" schiebe, dann geht es dem Pferd doch nicht schlechter.
Und wenn ich mit einem LEBEWESEN einfach nicht klarkomme, dann profitieren doch BEIDE davon, sich zu trennen. In einer Partnerschaft würde niemand auf die Idee kommen, mit jemandem zusammenzubleiben, nur weil man mal zusammengefunden hat. Irgendwann passt es vielleicht einfach nicht mehr. Natürlich habe ich die Verantwortung dafür, dass es dem Pferd auch weiterhin gut geht. Aber das muss nicht bei mir sein, wenn ich dadurch unglücklich werde.
Ich meine wenn wir das zum Beispiel auf Hunde übertragen und man sich vorstellt, das man einen Hund einfach so verkauft weil man nicht mit ihm klar kommt und dann direkt den nächsten anschafft, dann würden doch viele empört sein, wie man so einfach ein Lebewesen aufgeben kann, für dass man die Verantwortung übernommen hat.
Wenn jemand wirklich nicht mit einem Hund klarkommt, dann sehe ich es nicht als verwerflich an, den Hund abzugeben. Was bringt es, sich zu quälen?
Wenn ich mir dann anhöre was die Auswirkungen des Reitergewichts auf den Pferderücken sind, dann frage ich mich doch, wieso wir das tun?
Wieso ziehen wir unserem Pferd ein Gebiss an um es kontrollieren zu können wenn wir uns auf seinen Rücken setzen und ihm damit Schmerzen zufügen?
Uns Stunde für Stunde durch die Wälder tragen lassen um Freiheit zu spüren die wir unsrem Pferd mit dem Metall im Maul und dem Sattel auf dem Rücken nehmen?
Ich kenne Pferde, die GERNE arbeiten oder ins Gelände gehen - und ich reite nicht einmal. Die sind entspannt, neugierig, meiden weder Sattel noch Gebiss, zeigen keine Auffälligkeiten, werden regelmäßig untersucht ...
Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Aussagen auf alle Pferde zutreffen. Aber auf zu viele sicherlich noch, ja.
Und auch ein Satz aus dem Artikel finde ich wichtig,
Off-Topic
Wird ein Reitschüler seinen Reitlehrer hinterfragen?
Denn erfahrungsgemäß wird er das nicht tun, er wird dem Pferd das Gebiss anziehen und nicht darüber nachdenken.
Wieso brauchen wir ein Gebiss? Um das Pferd zu kontrollieren und damit geben wir uns die Antwort ja fast schon selbst, wir setzen das Gebiss ein um etwas gegen den Willen des Pferdes zu tun, was es sonst nicht zulassen würde.
Denn ich glaube niemand von uns könnte sich einfach so auf den Rücken seines Pferdes schwingen und ohne Sattel und ohne Trense einfach frei ausreiten, weil er sein Pferd dann nicht mehr unter Kontrolle hätte.
Könntest du deine Hunde ohne Leine und Halsband durch die Innenstadt führen? Nein?
Doch gleichzeitig frage ich mich wie egoistisch ist es, trotz des Wissens was das Gebiss im Pferdemaul und der Reiter auf dem Pferderücken dem Pferd antun, sich doch immer wieder daraufzusetzen nur um Spaß zu haben und Freiheit zu spüren auf Kosten Anderer, auf Kosten des Pferdes.
Und wie können wir sagen wir lieben unser Pferd und es dennoch immer wieder mit dem Gebiss und dem Sattel unter Schmerzen zu kontrollieren ?
Wie gesagt, ich glaube nicht an Schmerzen durch passenden Sattel + Trense + gesundes Pferd.
Keiner hier hält Tiere, weil die Tiere das so wollen, sondern nur, weil WIR Tiere halten wollen. Und dabei ist der Grund, WARUM man ein Tier halten möchte, völlig egal.