So, ich les jetzt hier schon eine Weile mit und bin tatsächlich fasziniert von der Unterhaltung hier. Und da ich gerade etwas Langeweile im Büro hab, hab ich mir mal ein paar Punkte herausgepickt und da auch noch meinen Senf hinzugegeben. Entschuldigt bitte den etwas längeren Text :silence:
Ist artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung wirklich möglich ? [...] ich denke eigentlich nicht.
Wer unbedingt eine Katze in einer Wohnung einsperren will, sollte sich
1. von Anfang an gleich für zwei kleine Kätzchen entscheiden, vielleicht Geschwister aus einem Wurf und
2. möglichst nur Rassenkatzen verwenden, die durch ihre Art der Selektion
ein ruhiges, sehr sanftmütiges und ausgeglichenes Wesen entwickelt haben.
Katzenrassen mit vorwiegend ruhigem, wenig agilem Charaktereigenschaften sind wesentlich besser für die reine Wohnungshaltung geeignet, wie unsere europäischen Kurzhaarkatzen, deren Vorfahren eigentlich schon immer Freigänger waren und bestimmt auch genetisch auf ein selbstbestimmtes Leben als unabhängige Mäusefänger programmiert sind.
Punkt 1 stimme ich dir absolut zu. Punkt zwei seh ich anders, weil es genug Senfkatzen gibt, die charakterlich tiefenentspannt sind und wenig Interesse am Mäusefangen haben und genug Rassekatzen (auch bei vermeintlich „ruhigen“ Rassen) die da ganz anders drauf sind. Auch Katzen sind individuen.
Wer sich nicht vor der Anschaffung von Katzen Gedanken macht, welche Bedingungen dies bei ihm vorfinden werden und danach die geeignete Katze einer Rasse mit den passenden Eigenschaften wählt, handelt nach meiner Meinung sehr verantwortungslos.
Klingt in der Theorie so schön – ist aber in der Praxis nicht immer ganz so einfach. Eine Katze lebt mal gerne bis zu 20 Jahre – wie oft ändern sich da Lebensumstände? Zum Teil auch unvorhersehbar? Natürlich sollte ich mich zu Beginn informieren, das schützt mich aber im Zweifel nicht davor, dass in 10 Jahren meine Grundvorrausetzungen eventuell andere sind als zu Beginn der Katzenhaltung.
Jetzt werden wohl einige Katzenhalter anführen, meine Katze stammt aus dem Tierheim, war eine Streunerin , […] Aber ist ein Leben in der Gefangenschaft wirklich lebenswert?
Ich denke, der aus dem 19. Jahrhundert stammende Wahlspruch der Friesisch: - „Lever dood as Slav“ -, gilt auch für viele Katzen , die in enger Wohnungshaltung ein kümmerliches Leben fristen müßen.
Klingt immer sehr sozialromantisch aber im Durchschnitt haben sich in der Vergangenheit erstaunlich wenig Sklaven umgebracht, wenn sie einigermaßen versorgt wurden. So lag die Rate der Selbstmorde zB in den Südstaaten der USA dreimal geringer war als unter freien Euroamerikanern (vgl. Meissner, Jochen et al. „Schwarzes Amerika: eine Geschichte der Sklaverei“, p.145).
Will damit sagen: Wenn man die Leute vor die Wahl stellt, ein eingeschränktes Leben oder der Tod, sind die meisten für das Leben.
Auch wenn mir da keine Vergleichswerte bei Tieren bekannt ist dürfte das ähnlich sein (auch wenn es ja immer wieder Gerüchte über angebliche Selbstmorde durch Nahrungsverzicht in Delfinarien auftauchen, da fehlt mir eine gute Quelle für)
[…] Ich denke aber nicht, daß es gut ist, Sicherheit gegen Freiheit zu tauschen.
Wenn manche Menschen ihre eigenen Katzen lieber einsperren, um diese vor jeglicher Gefahr zu schützen, halte ich dieses für Egoismus und die Missachtung der Interessen dieser Haustiere.
Ich glaube, dass die meisten Menschen (zumindest hier im Forum), ihre Katzen nicht vor jeglichen Gefahren schützen wollen, sondern vor sehr wenigen, dafür vor sehr akuten. Zum Beispiel stark befahrene Straßen. Und in diesem Sinne empfände ich ein „nicht-reagieren“ des Menschen als grob fahrlässig. Oder ein anderes Beispiel: Ich würde auch meine (nicht vorhandenen) Kinder nicht auf einem Autobahnkreuz spielen lassen. Auch wenn ich damit ihre Freiheit einschränke.
Damit, dass eine Freigängerkatze mal mit Blessuren nach Hause kommt können alle Katzenhalter die ich bisher kennengelernt habe gut leben.
Werden mit dem gleichen Argument nicht auch Frauen im Harem gehalten
Schlechtes Beispiel. Frauen wurden in einem Osmanischen Harem (und damit meine ich den geschützten Ort in einem Palast, nicht Harem als Ansammlung von Frauen) wesentlich seltener „gehalten“ als man gemeinhin vermutet und war viel mehr Ort der Reproduktion der Dynastie und der Lehre, sowie der Politik. Zum Beispiel lebten auch unverheiratete Töchter dort um in verschiedenen Sprachen lesen und schreiben sowie singen und musizieren zu lernen. Spätestens ab dem 16. und 17. wurden Harem richtige Machtpolitische Zentren – nix mit „behüten und versklaven“, da ging es um knallharte Interessenspolitik (ich schicke meine Tochter in den Harem, damit sie da gute Deals für meinen Clan rausholt).
auch ich bin der Meinung, die Haltung von Tieren, ob Haustier oder Wildtier, beruht immer auf egoistischen menschlichen Motiven.Auch wenn sich manche Menschen einbilden für ihre Tieren etwas besonders gutes und aufopferndes zu leisten,werden überwiegend auch hier nur bestimmte Triebe und Emotionen befriedigt, egal ob Einsamkeit, Partner,oder Kinderersatz,Helfersyndrom, oder Geltungssucht, usw. die Antriebe ein Tier zu dominieren und zu mißbrauchen sind.
Stimmt, aus demselben Grund halten sich manche Menschen Kinder. Oder pflegen ihre Eltern. Oder-oder-oder. Im Endeffekt kann man jedes menschliche Verhalten auf Egoismus runterbrechen. Selbst wenn ich einem Obdachlosen 2 Euro schenke, könnte ich das aus dem Grund gemacht haben, dass ich ein „gutes Gefühl“ bekomme. Reiner Egoismus ist somit für mich ein schwacher Grund, Tierhaltung abzulehnen, einfach aus dem Grund, dass alles was wir tun, in irgendeiner Form egoistisch ist. Ich bin nun mal das Zentrum meiner Welt.
Hier sollte jeder Mensch einmal ehrlich sein, wenn er ein Tier abhängig macht , kastriert und in einem infantilen Zustand , als Schatten seiner selbst, als ewiger Gefangener, sein gesamtes Leben unter ständiger Kontrolle hält.
Erstens: Die wenigsten Menschen haben ihre Tiere wie Puppenspieler „unter ständiger Kontrolle“
Zweitens: Kastration wird ja (von dummen Ausnahmen mal abgesehen) aus einem bestimmten Grund durchgeführt. Weil das Tier leidet, um Vermehrung einzudämmen, usw.
Drittens: Es gibt auch genug Menschen die so leben müssen (nach Unfällen oder Erkrankungen auf Hilde anderer angewiesen zB) das das nicht optimal ist sei dahingestellt, aber was wäre denn die Alternative? Für die Menschen und/ oder die Tiere? Was wäre dein Vorschlag – Kastration oder Tod? Kastration oder Aussetzen? Nie geboren sein?
Ich bin mir nicht sicher worauf du hinauswillst.
Seit Jahrtausenden haben Menschen Tiere in Abhängigkeit gehalten und für ihre Bedürfnisse ausgenutzt. Wenn heute einigen Exemplaren dieses in einer subtilen Form, mit Krankenversicherung und unter ärztlicher Kontrolle erfahren, ändert dieses doch kaum etwas an dem Eigennutz der Tierhalter.
Es gibt leider viele Fälle in denen eine Kastration nicht aus gutem Grund passiert – aber pauschal Eigennutz zu unterstellen finde ich dann doch etwas happig. Gibt auch Gründe dafür – siehe oben.
Es gibt in unsrer Gesellschaft einen Unterschied zwischen den Nutztieren und den Haustieren, mit denen wir zusammen leben,doch alle werden immer aus nutzbringenden Motiven gehalten.
[…] Ich möchte mich nicht festlegen, wo so eine Vermenschlichung der Heimtiere beginnt
und die Haltungsbedingungen der Tiere eine ungünstige, kritische Linie überschreiten,
doch die Wohnungshaltung bei Katzen, zum Schutz und zur Sicherheit dafür als Begründung,
ist für mich schon grenzwertig.
Vermenschlichung mit Wohnungshaltung zu assoziieren finde ich schwierig, zumal viele Menschen die ich kenne bei einer Vermenschlichung eher dazu neigen, die Katze raus zu lassen, weil „Ich würde doch auch nicht den ganzen Tag in der Wohnung hocken wollen“. Wie gesagt, subjektive Beobachtung von mir. Ganz abgesehen fehlt mir auch hier, wie bereits von einigen Usern angesprochen, der Schutz der Tiere „außerhalb“ meiner 4 Wände, Wildvögel usw.
Was mich manchmal ärgert, sind Menschen, die ihre tierliebende, vermenschlichende Sichtweise,
als allgemein gültig ansehen und andere Meinungen verurteilen. Ich denke, eine Vermenschlichung der Tiere ist ebenso schädlich, wie die Versachlichung dergleichen.
Stimm ich dir zu. Und vermutlich alle anderen hier auch.
[…] Ich habe großes Interesse an allem Leben, ob bei Pflanzen oder Tieren, […]
Meinen Kater halte ich als Freigänger, er kommt häufig auch mit Verletzungen von seinen Ausflügen zurück.Doch ist mir klar, jegliche Tierhaltung kann beim besten Willen immer nur ein Kompromiß zwischen den Bedürfnissen der Tiere und den vorhandenen Möglichkeiten sein, die von den unterschiedlichsten Vektoren abhängig sind […] Jeder macht Fehler und kann manchmal bestimmte Denkmuster nur schwerlich verlassen,dieses gilt ohne Zweifel, natürlich auch für mich.
Wenn dir doch klar ist, dass Tierhaltung ein Kompromiss ist, warum hast du dann ein Problem mit Wohnungskatzen, bei denen sich die Halter nach allen Regeln bemühen, ihnen ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen? Das klingt hier ein bisschen so als wäre nur dein Kompromiss in Ordnung, andere aber nicht.
[…] die Unterscheidung von Nutz- und Haustieren, ist jetzt nur eine Unterteilung der neusten Zeit und auf einige westliche Länder beschränkt, es ist noch nicht so lange her, da wurden auch bei uns Hunde, wie Katzen zur Verwertung gehalten.
Aus diese Zeit, besitze ich noch ein altes Katzenfell, welches für rheumatische Erkrankungen genutzt wurde. In unserem Nachbarland, der Schweiz ist es heute auch noch üblich, das Hunde zur Ernährung dienen. […]
Wie bereits gesagt ist diese Unterscheidung nicht sonderlich neu – und nur weil ich einen Hund esse, kann er trotzdem noch ein Haustier sein. Habe eine Tante in Vietnam, die essen einmal monatlich Hund und haben trotzdem seit neuestem einen Welpen und lieben ihn wie ein kleines Kind. Ist widersprüchlich, ja, aber so sind wir Menschen nun mal.
Bei vielen Menschen sehe ich eine Doppelmoral und einen Widerspruch, wenn diese einigen bestimmten Haustieren eine Sonderrolle geben wollen. Ich kann mir z.B. keine Begründung vorstellen, warum Schweine bei uns weniger Rechte bekommen, wie andere Haustiere.
Sehe ich ähnlich, zumindest eine artgerechte Haltung sollte ermöglicht werden. Dazu müssten aber mehr Menschen auf das tägliche Wurstbrötchen verzichten.
Heute werden unzählige Tiere nicht nur als Lebensmittel, sondern auch als Haustiere und Kuscheltiere, oder Seelentröster verbraucht, davon profitiert eine immer größer werdende Industrie,wie auch Tierärzte und Pharmaindustrie.
Es ist aber leider so, auch wenn manchmal einige Menschen, bestimmte, wenige Tiere retten und dabei ihr Mitteilt an diesen abarbeiten, oder ihre Tiere auch wie Angehörige und nahestehende Menschen lieben, Tiere werden von den Menschen benutzt, ob es den Tieren gefällt oder nicht.
Ich selber stehe dazu, auch das Tiere genutzt und verwertet werden sollten,
egal wofür auch immer.
Ja stimmt, Menschen haben eine sehr ambivalente Beziehung zu Tieren. Aber auch zu anderen Menschen. Vieles davon sollte man verbessern, im Sinne der Tiere und von uns allen. Ich weiß allerdings nicht, was die böse Pharmaindustrie (in der es auch nette Menschen gibt, man glaubt es kaum) jetzt mit Wohnungskatzenhaltung zu tun hat.
Entscheidend ist aber, daß jedes Tier nach seinen individuellen Besonderheiten und Bedürfnissen gehalten wirdund auch den größtmöglichen Freiraum bekommt.
Katze, die keinen Freilauf bekommen, werden aber nicht artgerecht gehalten.
Ich denke, besser ein gutes, kurzes Leben, als ein langes Leben in der Gefangenschaft.
Womit wir wieder am Anfang wären.
[..] Was meinen Kater angeht, in den Häusern an meiner Straße, hinter und neben meinem Wohnsitz, leben überall Kater und Katzen in steigender Zahl und dieses ist kein Vorteil für meinen Kater. Durch ständige Raufereien, bekommt mein Kater häufig schlimme Blessuren am ganzen Körper,auf die er bestimmt auch gerne verzichten könnte. […] Eine weitere Katze würde die Situation bestimmt noch verstärken.
Ich glaube tatsächlich, dass eine zweite befreundete Katze deinem Kater helfen könnte auch positive Sozialkontakte zu finden (wie seven und ich glaube noch andere schon geschrieben haben) – durch deine Haltung schränkst du das soziale Bedürfnis deiner Katze erheblich ein.