Hallo @ all,
sie schiessen wie Pilze aus dem Boden und immer mehr Hundehalter ohne wirkliche Qualifikation eröffnen eine eigene Hundeschule.
Deutschland wimmelt von „Experten“. Täglich fühlen sich Leute dazu berufen eine eigene Hundeschule zu eröffnen. Man braucht ja nur via TV zu sehen, welche Marktlücke da vorhanden ist. Die Einschaltquoten sprechen für sich. „Die Superfrauchen,“ und „Die Tiernnanny“ zeigen uns doch, wie einfach das ist. Also, warum auch nicht mal eben schnell auf den fahrenden Zug aufspringen. Eine Ich-AG kann sich ja doch mal rentieren!
Selbsternannte Kynologen (es gibt noch keinen Lehrstuhl für Kynologie und auch keine Ausbildung zum Kynologen), oder auch Hundepsychologen (ein Fernstudium über einen gewissen Zeitraum und man hat sein „Diplom“ in der Tasche) oder auch „Hundeflüsterer“, die sich „mental“ mit dem problematischen Hund über dessen Befinden oder die Ursache seiner Probleme unterhalten.....alles ist möglich! Sind ja alles anerkannte Sachverständige!... Fragt sich nur, wo anerkannt !?
Eine kleine Anekdote dazu:
Die Besitzerin einer jungen, knapp 4 Monate alten Groenendael-Hündin, wollte auf Nummer sicher gehen und testen lassen, ob ihre, gegenüber fremden Personen äusserst ängstlich reagierende Hündin, nicht evtl. mal, aus ihrer Angst heraus, zubeißen würde.
Sie vereinbarte einen Termin mit einem Diplom-Hundepsychologen.
Und was tat dieser Mann?.... Er bedrängte die sowieso extrem unsichere Hündin, trieb sie in die Ecke und zwickte sie auch noch. Da die Hündin nicht nach ihm schnappte...sein Urteil: „Kein Angstbeißer!“
Zu bewerten, ob diese Hündin in einer anderen, für sie evtl noch bedrohlicher wirkenden Situation, nicht doch mal zubeißen würde, maße ich mir nicht an.
Aber:
Was ist das für ein Volltrottel, der eine, auch noch so junge Hündin, bedrängt und zwickt?
Was hat denn die Kleine daraus gelernt?
Fremde Menschen waren/sind mir nicht grundlos unheimlich, denn sie tun mir auch noch weh!
Ich frage mich dabei, wie es im ungünstigen Falle in der Realität aussehen wird. Wenn sogenannte erfolgreich therapierte Problemhunde, sich dann doch nicht so mustergültig verhalten, wie es nach abgeschlossener Schulung/Therapie den Anschein hatte? Wie sieht es im Ernstfall aus? Ist den “Warum eigentlich nicht”-Betreibern dieser Hundeschulen auch bewusst, welches Risiko sie eingehen? Oder anders gefragt: „Tragen sie dann auch die Verantwortung mit ?“
Es gab nach den Sendungen „Die Superfrauchen“ einen Ansturm auf Zoofachgeschäfte, weil viele für ihren Hund ein Halti kaufen wollten. Ist ja auch sehr praktisch und leicht in der Anwendung. Da freut sich der Handel! Durch solche Sendungen boomt die Tierindustrie. Dann noch ein bisschen „Klickern“ hier, genug “Leckerle” da...und fertig!
Mir sind mittlerweile die tollsten Tips, von Betreibern von Hundeschulen an Hilfesuchende, zu Ohren gekommen.
Nur ein Beispiel:
„Wenn Besuch kommt, sperren sie ihren Hund weg!“
Ich finde das wirklich unmöglich. Der damit gemeinte Hund ist alles andere als problematisch, zeigt ein sehr gutes Sozialverhalten gegenüber Kindern, Erwachsenen und Artgenossen. Aber der Besitzerin wurde ständig suggeriert, dass er ja mal ein Problemhund werden könnte!
In meinen Augen sind wirkliche „Kynologen“ Menschen, wie Erik Ziemen, Eberhard Trumler, Dorit-Feddersen-Petersen, Heinz Weidt/Dina Berlowitz (um hier ein paar zu nennen), aber nicht Ausbilder, die mit ihren Hunden die VPG Prüfung erreicht haben oder darauf hin arbeiten und sich aufgrund dessen berufen fühlen, an Problemhunden herumzudoktern und sich für Experten halten.
So kenne ich eine Dame aus Pfungstadt mit der ich noch vor knapp 6 Jahren gemeinsam "gassi" ging und die mir damals Löcher in den Bauch fragte (alles rund um den Hund). Vor ca. 5 Jahren, also 1 Jahr später eröffnete sie dann eine Hundeschule ! Ein Blitzbesuch in den Staaten zum "Wolfing" und das nötige "know how" war anscheinend vorhanden. Ich wurde Zeuge wie sie arbeitete, denn sie traf sich mit den "Schülern" und deren Besitzern mal da, mal dort. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber ich versuche heute noch zu eruieren, wieso der Mischlingshund mit zwei Halsbändern und einem Halti also an insgesamt drei Leinen von "Ausbilderin" und Besitzerin geführt wurde, der Hund in der Mitte.
Ich finde es ebenso unmöglich, dass bereits beim Vorgespräch viele Hundeschulen/Verhaltenstherapeuten oder wie immer sie sich nennen mögen, fleißig abkassieren. Ich meine das erste gegenseitige "Beschnuppern" sollte gratis sein!
Da gibt es eine Seite im www, welche das große Geld (bis zu 4000,-- im Monat, freiberuflich) verspricht. „Machen Sie ihr Hobby zum Beruf“! Außerdem wird auf eine „weltweit einzigartige Erziehungsmethode“ hingewiesen. („Ohne Erziehungshilfen und ohne Motivation (Leckerli, Spiel usw.) Auf dieser Seite hat man die Möglichkeit 4 kleine Videos anzusehen. In wenigen Sekunden sieht man dort, wie die einzelnen Hunde „brav“ nebenher traben. Allerdings sieht man bei näherer Betrachtung auch, dass die Hunde ein Meideverhalten, sowie dadurch bedingte Konfliktreaktionen zeigen. (züngeln, gähnen usw).
Ja...klar...Natürlich klappt es auch ohne Erziehungshilfen, es muss halt nur sehr unangenehm sein oder weh tun!
Also ganz ehrlich...mir sind da die normalen Hundeplätze lieber, denn diese Vereine bestehen zum Teil seit Jahrzehnten und neue Leute profitieren von den alten Hasen, die sich im übrigen ja auch immer weitergebildet haben.
Gruss
Bettina
P.S. Selbst über 30 Jahre Hunde ausgebildet und dennoch keine Hundeschule eröffnet! :wink: