Doktorarbeit über Beschwichtigungssignale- neue Erkenntnisse!
Grobe Zusammenfassung über die Diplomarbeit von Mira Meyer über „Die Beschwichtigungssignale der Hunde“
Bei dieser Doktorarbeit ging es zum einen um zwei Hypothesen:
- Die gezeigten BS treten in konfliktträchtigen wie in nicht konfliktträchtigen Situationen gleich häufig auf!
- Die BS treten unterschiedlich häufig in Konfliktträchtigen Situationen auf. (Alternativ-Hypothese)
Zum anderen:
Welches sind tatsächlich verwendete Signale um in Konfliktsituationen zu beschwichtigen?
Die von M.M. kritisierten BS sind:
Gähnen
Harn absetzen
Schnüffeln
Vorderkörpertiefstellung
Nur die „Referenz-Signale“ haben lt. dieser Studie evtl. einen beschwichtigenden Charakter:
„Schnauze lecken“ (LI)
„Pföteln“
„Sich klein machen“
Es wurden 13 Hunde beobachtet. 2 Hündinnen u. 11 Rüden. Alter der Hunde 4 Monate ( R) u. 11 Jahre (R)
Alle 13 Hunde zeigten in etwa gleich viele Signale, wobei die jüngeren Rüden häufiger die zu beurteilenden Signale zeigten.
Mira Meyer schreibt u.a., dass die von Rugaas beschriebenen Signale größtenteils normale bzw. alltägliche Verhaltensweisen, die nicht nur in Konfliktsituationen zu beobachten sind.
Beim Drohbellen wurden die zu untersuchenden Signale am häufigsten gezeigt.
Das häufigste Signal von allen Hunden war das Schnauze lecken/anstoßen/züngeln (Licking Intentions= LI) Besonders eine verletzte Hündin Lilly (Hüfverletzung) zeigte es sehr oft.
Bellino (4 Monate) zur Begrüßung, ausserdem machte er sich dabei oft klein.
Bei der Fütterung zeigten Hunde diese LI, wenn Menschen (Tierschützer) sich ihnen näherten und umgekehrt.
An 2. Stelle das schnüffeln
Zwar sehr häufig, aber am wenigsten in Gesellschaft.
(Also kein BS)
Die weiteren Signale waren verhältnismäßig seltener zu beobachten.
Am seltensten wurde von allen Hunden „sich klein gemacht“. Im Rang niedrig stehendere Rüden. (Nr. 1 der Prügelknabe Fox 3 Jahre alt, Nr.2 der 4-monate alte Rüde Bellino.
Harn-absetzen kam am häufigsten bei den Rüden vor und zwar während, vor, oder nach der Fütterung und während oder nach Drohbellen, sowie kurz nach dem aufstehen. Hündinnen taten dies ebenfalls nur während oder nach dem Drohbellen.
Ausser 2 Hunde... der junge Bellino sowie die verletzte Hündin Lilly, zeigten alle die zu bewertenden Signale, wenn sie ohne Gesellschaft waren. (59,04 %)
Ältere Rüden zeigten sie vermehrt und ausgeprägter ohne Gesellschaft anderer Hunde.
Am häufigsten wurde gegähnt in Situationen, wo die Hunde alleine waren. Dabei besonders die älteren Hunde aber auch der 4 Monate alte Rüde. (Nach Ruhephasen)
Gähnen ist den Übersprungshandlungen zuzuordnen, aber nicht zur Beschwichtigung geeignet.
(Ich habe es auch immer als Übersprungshandlung in einer Konfliktsituation gesehen...z.B. bei Überforderung... beschwichtigend fand ich es nicht.
Beim Harn absetzen zeigte sich ein ähnliches Bild. 92,5 % Harnabsetzen in Situationen ohne Partner.
Pföteln fast ausschließlich in Gesellschaft anderer Hunde.
Bei bestimmten Situationen (Mensch, Wildschweine oder anderer Hund nähert sich) Drohbellen.
Der junge Bellino pfötelte beim spielen oder zur Begrüßung. (Also wahrscheinlich BS)
Sich klein machen war ebenso selten zu beobachten, aber in Situationen in denen ein Partner anwesend war. Ein Hund zeigte dieses Verhalten besonders in Schrecksituationen. (Geräusche) sowie bei der Fütterung. (Also wahrscheinlich BS)
Vorderkörpertiefstellung (insgesamt 228 mal beobachtet) wurde auch nur selten gezeigt und dann fast nur wenn die Hunde ohne Partner waren. Nur 31 Hunde zeigten es im Beisein eines anderen Hundes. (Wohl kein BS)
Um eine Irrtumswahrscheinlichkeit zu entkräften wurde ein Wilcoxon Test (Zufall oder bestimmte Regelmäßigkeit) gemacht. (Diagramme Rüde x Rüde, Hündin x Rüde, in welcher Situation usw.)
(Haut mich tot, dass ist für mich zu komplex um das hier zu beschreiben. Denn da steht: Für die „tatsächlichen“ BS ergab der Test, dass auch hier die Hypothese 1 (siehe oben) abgelehnt und die Alternativhypothese angenommen werden kann.)
Fazit:
„LI“, „sich klein“ machen und „Pföteln“
können je nach Situation einen beschwichtigenden Charakter haben.
Die von Rugaas beschriebenen BS: Vorderkörpertiefstellung, gähnen, Harn absetzen und schnüffeln kommen hauptsächlich in Situationen ohne Konfliktcharakter vor, bzw. ohne Partner. Also keine Beschwichtigungssignale.
Es sollen weitere Studien durchgeführt werden, und zwar zu einem Zeitpunkt (andere Jahreszeit), wenn keine läufigen Hündinnen im Rudel sind.
Ob tatsächlich beschwichtigende Signale zur Konfliktvermeidung beitragen, konnte weder bestätigt noch verworfen werden. Es wäre lt. Mira Meyer sinnvoll die gleiche Studie an einem in Gefangenschaft gehaltenen Rudel zu wiederholen und Konfliktsituationen, z.B. durch Futter herzustellen. Nur dadurch wäre es möglich die Frage nach Aggressionsverringerung durch BS eindeutig zu beantworten.
Vieles was in der Doktorarbeit zusätzlich geschrieben wird, kann ich sehr gut nachvollziehen und finde auch, dass das von Rugaas als stärkstes BS: z.B. „sich vor einem aggressiven Hund hinlegen...um diesen zu beschwichtigen“, sehr gefährlich werden kann.
Gruss
Bettina, an alle die sie noch kennen.