Hallo,
also erst mal: bin jetzt noch nicht dazu gekommen, hier alle Beiträge zu lesen. Aber ich möchte euch gern meine Erfahrung als Pflegestelle und auch als Endstelle schildern:
Wir haben uns im Juli letzten Jahres darauf eingelassen uns als Pflegestelle zu melden. Erst einmal wurden wir von vielen Orgas abgelehnt, da wir folgende Bedingungen einfach stellen mussten: Hund muss katzenverträglich sein, er muss stubenrein sein und auch mal allein bleiben können. Tja, gerade die zweite Bedingung war der ausschlaggebende Grund für viele Orgas uns abzulehnen. Aber es gab auch zwei, drei, die sich darauf einlassen wollten, die mit uns auch Lösungen erarbeitet haben, was wäre, wenn der Hund z.B. gar nicht mit den katzen klar kommt usw.!
Dann bekam ich Anfang November nachmittags den Anruf, ob ich sofort einen Hund abholen könnte, der dringend eine Pflegestelle (am besten sofort und direkt) braucht. Wir sind abends also dann los und haben sie geholt. Und wir hatte nur Bild und Beschreibung. Bild sah absolut hässlich aus, Beschreibung war nicht aussagekräftig. Ich hatte auch noch telefoniert und gefragt, ob sie mit Katzen klar kommt, aber man konnte uns dazu keine Auskunft geben... so ist das nun mal mit den auslandstieren, meistens können die Pfleger selbst nicht allzu viel über die Tiere sagen. Das ist schade, aber nicht deren Schuld - wenn man mal überlegt, wie viele Tiere in den Tötungsstationen sitzen!!!
Nun gut, wir holten uns da also die Katze im Sack

... und mir wurde von so vielen Seiten dringenst abgeraten... ihr wisst nicht, auf was ihr euch einlasst usw. ... tja, im Endeffekt wussten wir das wirklich nicht so genau, aber die Tierschutzorga hatte uns versichert uns in jedem Fall zu unterstützen, egal was kommt und sie hat uns ein imenses vertrauen entgegen gebracht. Joa... wir also los und dann sahen wir unsere Hündin... ein kniehohes, schwarzes, verängstigtes und superhübsches fellknäuel...
Tja, die ersten Tage und Wochen waren verdammt anstrengend. Sie hat sich nichts getraut, stubenrein war sie, ja, aber die Treppen hoch und runter musste ich sie tragen, sie hatte Angst vor anderen Hunden, hat sich nur in ihr Körbchen gelegt und keinen Mucks von sich gegeben...
JA, man holt sich oftmals ein total verängstigtes Wesen, wenn man einen Hund aus dem Tierschutz zu sich holt, aber man bekommt unendlich viel zurück.
Du wirst es sicherlich schwieriger haben mit einem Tier aus dem Tierschutz als mit einem, den du vom Züchter oder so von privat holst...
Dennoch, wir sollten sie nach zwei Monaten eigentlich abgeben in eine Endstelle, aber wir haben das nicht mehr hinbekommen, wir haben sie behalten. Sie ist so eine liebe Maus, mittlerweile ist sie richtig aufgetaut, sie hört sofort aufs Wort UND sie WAR Straßenhündin. Das alle Straßenhunde kein Grundgehorsam kennen ist quatsch!
Viele Straßenhunde sich eben auch dort, weil sie von den Besitzern einfach ausgesetzt worden sind. In den Ländern ist es keine Seltenheit, dass Hunde als Gebärmaschinen missbraucht werden und danach auf der Straße landen. Unserer ist es so ergangen.
Sie ist jetzt ungefähr acht jahre alt, sie kann kein Platz... hört aber auf ihren Namen, auf Nein und auf Sitz. Das reicht uns, wir brauchen keinen vollkommen abgerichteten Hund. Sie versteht sich mit unseren Katzen gut, kommt mit mir zur Uni, ist ne ganz liebe und ruhige. Am Anfang hat sie sich gar nicht von mir weg getraut, auch wenn ich sie von der Leine los gemacht hab, das hat sich aber geändert. Sie lernt vor allem durch andere Hunde sehr schnell.
Mein Freund arbeitet und ich studiere, wir hatten sicherlich auch viele Mühe und anfangs wirklich viel Stress, aber es geht und ich würde es jederzeit wieder machen, INSOFERN eine Tierschutzorga dahinter steht, die einem vertraut und die verantwortungsvoll mit den entsprechenden Pflegestellen zusammenarbeiten.
Wenn das nichts für dich ist, dann nutze, dass es Pflegestellen gibt. Wir hätten (wenn wir sie nicht hinterher selbst behalten hätten) gerne alle, die sich ernsthaft für den Hund interessiert hätten, in unsere Wohnung gelassen. Wir konnten wirklich viel zu ihr sagen und hätten zuverlässig Auskunft geben können. Im Endeffekt bin ich einfach nur froh, dass wir sie behalten haben. Wie gesagt, sie kommt mit zur Uni, sie wird dort total gern gesehen und verhält sich einfach super! Das könnte man längst nicht mit jedem Hund machen.
Prinzipiell kann ich's auch sehr gut heißen, wenn du von einem deutschen Tierheim ein Tier bei dir aufnimmst. Aber lass dich nicht von Argumenten wie "wenn du ein Kind hast und Anfänger bist, ist das nicht geeignet" abschrecken!!! Wie gesagt, nutze, dass es Pflegestellen gibt, die können dir meist sogar verlässlichere Aussagen über den Hund geben als manch ein Tierheim dies tut bzw. tun kann.
Wir waren auch Anfänger und haben es mit viel Geduld sehr gut geschafft.
Es gibt auch viele, die mich kritisieren, weil sie meinen, dass es genug Hunde in deutschen Tierheimen gibt (wir haben das gemacht, weil wir eben erst Pflegestelle sein wollten) - ja, dort gibt es auch viele notleidende Tiere und im Endeffekt geht es ihnen allen schlecht. Es gibt auch hier in Deutschland Tierheime, in denen Hunde und Katzen getötet werden, nur darf dies hier nicht offiziell geschehen.
Es gibt auch Hunde, die sich in Tierheimen völlig anders verhalten als in der entgültigen Familie (sowohl positiv alsauch negativ gesehen).
Es ist wirklich schwierig dir einen allgemeingültigen Tipp zu geben.
Wenn du dich für den Tierschutz einsetzen möchtest, dann ist es egal, ob du dich für ein Tier aus einem deutschen oder ausländischem Tierheim entscheidest. Wichtig ist nur, dass du DIESEM EINEM Tier geholfen hast. Tierschützer werden nie allen Hunden und Katzen helfen können, aber diesem einen Tier hast wirst du ein neues Leben schenken. Ganz egal, wie seine Zukunft sonst ausgesehen hätte - getötet in einer Tötungsstation oder dahinvegetiert in einem deutschen Tierheim.
Lg
Verena