Egal welche Reitweise, es gilt immer irgendwie die Ausbildungsskala.
Beim klassisch Englischen Reiten heißt sie
Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung, Versammlung und alles zusammen bildet die Durchlässigkeit.
Beim Westernreiten heißt sie einfach
Takt, Losgelassenheit, Dehnungsbereitschaft an die Hand, Engagement der Hinterhand, Geraderichtung, Durchlässigkeit.
Beim Westernreiten gibt es keine einheitliche Reitlehre, vor allen Dingen amerikanische Reiter kennen das nicht. Aber auch sie trainieren ihre Pferde nach dieser Skala - oder dübeln sie kaputt, das kommt natürlich auch vor.
Im klassisch Barocken Reiten ist auch die Ausbildungsskala das Gros der Dinge.
Der Unterschied liegt daran, dass das Englisch oder klassisch Barock gerittene Pferd die Hilfen des Reiters annehmen soll. Es bekommt seine Hilfe permanent, denn der Reiter hilft dem Pferd.
Das Westernpferd soll den Hilfen weichen. Es bekommt Kommandos. Es bekommt eine Aufgabe und soll diese ausführen, bis der Reiter ein anderes Kommando gibt. Führt das Pferd diese Übung nicht zur Zufriedenheit des Reiters aus, so bekommt es eine schwierigere Aufgabe, die es dazu bringt, die zuvor gestellte Aufgabe so auszuführen, wie der Reiter es möchte.
Ein ganz einfaches Beispiel ist das geschlossene Halten. Ein klassisch gerittenes Pferd bekommt durch Hilfen des Reiters beigebracht, geschlossen zu stehen.
Einem Westernreiter ist das egal wie das Pferd steht. Das Pferd bekommt aus dem Stand das nächste Kommando. Da das Westernpferd jedoch nicht weiß, welches Kommando jetzt folgt, stellt es sich nach einiger Zeit von selber so hin, dass es alle geforderten Übungen sofort ausführen kann und diese Stellung ist nunmal geschlossen.
Schaut das klassisch gerittene Pferd nach außen und verlässt den Hufschlag (die bekannte Suche nach etwas gaaanz Bösem wo man sich erschrecken und losdüsen kann), stellt der Klassischreiter sein Pferd, legt den Schenkel an und bemüht sich um mehr Kontrolle, er vermeidet die Schrecksituation.
Dem Westernreiter ist auch das egal. Weicht das Pferd aus und düst davon treibt er außen und stellt das Pferd nach außen, so muss das Pferd seitwärtsgaloppieren, was sehr viel mehr Arbeit bedeutet. Das Pferd lernt schnell, dass es sehr viel mehr Ruhe hat, wenn es nichts zum Erschrecken sucht, da der einzige Stress von ihm selber kommt.
Ein Klassischreiter schiebt die HH unter (also erst wenn das Pferd in Versammlung gehen kann) und wendet es dann um die HH (Pirouette).
Der Westernreiter wendet sein Pferd wenn es im ca. 45 Grad Winkel zur Wand steht. Nach der Wendung wird flott vorwärts geritten. Das Pferd lernt, die Aufgabe nur dann erfüllen zu können, wenn es die HH unterschiebt (Anfangstraining zum Roll Back, zum Seitwärts und den Traversalen, denn das Pferd assoziiert immer, dass eine Wendung kommen kann).
Der Klassichreiter lernt seinem Pferd beim Rückwärtstreten den Rücken aufzuwölben und die Schulter hochzunehmen.
Der Westernreiter reitet einfach schneller rückwärts, dann kommt das von selber (anfangs wenn die Pferde noch Angst haben sich auf die Hinterbeine zu treten eben in der Wendung).
Während der klassische Reiter also seinem Pferd hilft, bekommt das Westernpferd eben nur Aufgaben, die es lösen muss und eben Korrekturen (klares Nein-Gefühl).