Huhu,
um auf die Frage grundsätzlich zu antworten: Ja, Kastrat und Frühkastrat in einer Gruppe mit Weibchen kann klappen.
Meerschweinchen sind faszinierend in ihrem Verhalten, gerade wenn es darum geht, stabile Sozialstrukturen aufzubauen, auch in Gruppen mit mehreren Tieren beiderlei Geschlechts. Natürlich nur, wenn gewisse Voraussetzungen stimmen.
Ich sehe da dann weniger die Frühkastration als entscheidenden Faktor, als eher das durch die Frühkastration möglich werdende Aufwachsen der jungen Böcke in einer Haremsgruppe und die daraus resultierende Sozialisation. Ein so aufgewachsenes Böckchen kennt - grob gesagt - die Spielregeln, hat gelernt, wie man sich in der Gruppe - sowohl gegenüber Weibchen, als auch gegenüber anderen Böcken zu verhalten hat.
(Sicher spielen auch noch andere Faktoren, wie die Charaktere der Tiere, die gesamte Gruppenstruktur und -dynamik, eine entsprechende Gehegegröße und -einrichtung, veränderter Hormonhaushalt durch (Früh-)Kastration, etc. eine Rolle.)
Mir kommt es so vor, als gäbe es in der letzten Zeit unter den Mittelgroß- bis Großgruppen-Haltern schon so einen kleinen Trend zum 2.-Kastraten und wer eine entsprechende Gruppe hat, sich mit der Thematik befasst, etc. scheint damit auch (gar nicht so überraschend) keine schlechten Erfahrungen zu machen.
Dem Gegenüber steht halt die "Bockgruppen nicht mal im selben Raum wie Mädels haltbar und schon gar nicht Böcke und Weibchen in einem Gehege "-Theorie, die sich sicher aus entsprechenden Beobachtungen hergeleitet hat. Zwangsläufig, denn wie viele Meerschweinchen wachsen immer noch entweder alleine, oder nur mit einem gleichaltrigen Partnertier auf? Wie viele Meerschweinchen haben bis auf die ersten wenigen Wochen ihres Lebens nie mit mehr als einem Partnertier gelebt? Diesen Meerschweinchen fehlt dann ein Teil der Sozialisation, niemand hat ihnen beigebracht, wie man mit Artgenossen kommuniziert - entsprechend geht es dann z. T. schon bei "einfachen" Vergesellschaftungen zur Sache... (Auch hier spielen natürlich noch andere Bedingungen - Platz, z.B. - eine Rolle.)
Zur konkreten Situation von Honigblume148 - ja, gute Frage, ich finde es schwer, da was zu raten. "Geht nicht, weil geht nie!" möchte ich - siehe mein Geschwafel oben - nicht sagen. Aber so einfach ist eben auch nicht zuzuraten, weil die "Funktioniert bestimmt!"-Wahrscheinlichkeit bei allem, was keine klassische Haremsgruppe ist, niedriger ist.
Dann wäre die Frage, hättest du einen Plan B, könntest/wolltest du die Gruppe dann teilen? Wie schätzt du deinen Altkastraten ein - stresst ihn ein Neuzugang womöglich eher? Grad, wenn es sich um ein junges Schweinchen handelt, dass dann evtl. noch seine Rappelphasen durchmacht. Und es gibt natürlich auch keine Garantie, dass es nach dem (hoffentlich noch fernen) Tod deines Altkastraten alles nahtlos so weiter läuft und der bis dahin Zweitkastrat den Job übernimmt...
Viele Grüße,
Sawyer (hoffentlich nicht zu wirr geschrieben, bin grad so schrecklich müde, aber das hier ist quasi eines meiner Lieblingsthemen, u. a. weil ich selber eine 2.5-Gruppe habe)
PS: Auch passend zum Thema
Lesetipp: Meerschweinchen als Sozialstrategen