Hallo zusammen,
ich nehme mir schon lange vor, mich mal in einem Forum anzumelden, in dem Menschen, die Katzen in Einzelhaltung in der Wohnung halten, als Tierquäler dargestellt werden. Ich möchte da einfach noch ein paar (fundierte) Informationen dazu haben und der Thread schien mir dafür passend... Da bin ich also!
Zu erst die Vorgeschichte: Seit fast einem Jahr haben wir nun unsere Kätzin in einer 70 m² großen Wohnung mit gesichertem Balkon (Freigang wegen Straße vor der Tür nicht möglich) in Einzelhaltung. Sie ist mit 6 Monaten kastriert worden und kerngesund. Wir haben sie mit 8 Wochen zu uns genommen und bisher hat sie sich prächtig entwickelt. Natürlich hatte sie auch ihre Macken und war als Kitten ziemlich wild, aber ich denke, dass das die meisten kennen. Mittlerweile ist sie sehr ausgeglichen und sehr viel ruhiger, nie aggressiv, außer in ihren 5 Minuten vergisst sie ihre Manieren manchmal... Sie ist wochentags je nach der Schicht meiner Freundin (ich bin die Woche kaum zu Hause) für ein paar Stunden alleine (meist am Nachmittag, da schläft sie sowieso, auch wenn wir da sind). Sollte es länger werden, geht meine Mutter zu ihr hoch (sie wohnt im gleichen Haus)... Sie hat 5 Kratzbäume in verschiedenste Formen und Arten, Tunnel, ein eigenes "Haus", viel Spielzeug und Kuschelmöglichkeiten... Soviel zur Vorgeschichte, nun zum eigentlichen Thema:
Ich will hier einfach mal ein paar Argumente reinwerfen, die mich irritieren und die ich anders sehe. Ich habe viele Foren gelesen und lese immer die sinngemäß gleichen Thesen ohne jegliche Quellen oder wissenschaftliche Studien. Ich habe eher den Eindruck, dass man gerne Thesen übernimmt... Wie gesagt, nur mein Eindruck, der auch falsch sein kann!
1. "Katze sind Rudel-/Gesellschaftstiere und alles andere als Einzelgänger" -> Ehrlich gesagt, habe ich in unseren Breiten (selbst in ländlichen Gegenden) so gut wie noch nie zwei oder mehr Katzen zusammen gesehen. Immer alleine... Ein Grund warum ich diese These nicht verstehe. Hält man 2 und mehr Katzen müssen sie sich sicherlich arrangieren, aber draußen konnte ich diese Drang zur Zweisamkeit nicht ausmachen...
2. "Vergesellschaftung funktioniert in der Regel problemlos" -> mag oft der Fall sein, aber wenn ich nicht zwei Kitten aus einem Wurf erwische und es später versuche oder auch sehr früh mit sich fremden Kitten, kann es oft nach hinten los gehen. Ist es fairer der hinzugezogenen Katze gegenüber, sie wieder ins Tierheim zu stecken, weil es nicht geklappt hat? Wenn sie sich nicht mögen, ist eine triste Zweisamkeit angenehmer als eine zufriedene Einzelkatze?
3. "Katzen mit Artgenosse sind ausgeglichener. Einzelkatzen neigen zu Verhaltensstörungen." -> Hier konnte ich bisher nur das Gegenteil kennenlernen. Jegliche Bekannte, die ein Tier alleine halten, haben eine ausgegeglichene, verschmuste und verspielte (dem Anschein nach) glückliche Katze. Sind mehrere Katzen im Spiel, wird zum Teil eine von mehreren Anderen dauerhaft attackiert. Die Katzen sind trotzdem (oder gerade deswegen?) wilder und zerstören mehr Einrichtungsgegenstände als unsere Katze... Lassen sich diese Störungen bei Einzeltieren irgendwie belegen?
4. "Züchter geben Katzen i.d.R. nur mindestens paarweise ab" -> Sind das die Züchter, die auf Katzenausstellungen 2 und mehr Katzen den ganzen Tag lang unter Flutlicht in 1 m² große Käfige sperren? Ist das artgerecht? Was ich so über Züchter gehört und gelesen habe, lässt mich an deren Interesse am Tier zweifeln... Da vertraue ich eher auf unsere Tierärztin, welche eine Einzelhaltung befürwortet.
5. "Wo Platz für eine Katze ist, ist auch Platz für eine Zweite" -> Eine der fragwürdigsten Thesen für mich. Bei etwa 50 m² Freiraum soll ein ursprünglich wildes Tier, das eigentlich mehrere Hektar nutzt, mit einem Artgenossen friedlich leben? Die Tiere können sich ja kaum vernünftig aus dem Weg gehen, wenn sie mal ihre Ruhe brauchen?! Man bräuchte mehrere Katzenklos, Wasser- und Futtermöglichkeiten und und und... Ich wüsste nicht, wo ich das alles hinstellen sollte, es sei denn alle Tiere nutzen die gleichen (durch sich selbst markierten) Kratzmöglichkeiten, Klos und Futternäpfe...
6. Wer sich eine Katze leisten kann, kann sich auch eine zweite leisten." -> Wer über die finanziellen Mittel anderer so urteilen kann, hat meinen höchsten Respekt verdient... Diese Gabe ich einzigartig. Im Ernst: Eine Katze kostet viel Geld. Wenn man von 40,- Futter + Streu + Spielzeug etc. ausgeht, dazu die horrenden Tierarztkosten für entwurmen, impfen, kastrieren usw. nimmt und das gleich mal verdoppelt, ist das nicht einfach so aus dem Ärmel zu schütteln. Zumindest nicht für uns. Wir wollen an der Katze nicht sparen... im Gegenteil, wir verwöhnen sie sehr. Aber eine zweite wäre für uns nicht erschwinglich...
Ich könnte noch mehr aufzählen, aber ich denke es reicht erstmal... Respekt und Danke, wer es überhaupt bis hier durchgehalten hat... ;-)
Ich weiß, dass die meisten meine Fragen nicht tolerieren können/wollen und meine Ansichten auf Widerstand stoßen werden, aber ich hoffe, Ihr könnt mir wirklich klar und deutlich darlegen, dass eine Einzelhaltung tatsächlich eine solche Quälerei ist. Ich lese nur immer in Foren darüber, Live habe ich es noch nie erlebt...
Liebe Grüße, Basti!