Hallo Liesel,
ich selbst habe auch so eine Handaufzucht, um genauer zu sein schon die zweite Henne. Beide waren Abgabetiere. Die erste ist leider nach der Not-OP (Legenot) gestorben.
So wusste ich, worauf ich mich mit der zweiten Henne eingelassen habe und machte mich übers Internet kundig, was zu tun ist. Seit diese Henne bei mir ist, gab es noch nie Eier.
Die Entwöhnung vom Menschen ist leider nicht so einfach und sehr langwierig. So ganz wird man das sicher auch nicht rausbekommen aber es ist sicher schöner für den Vogel, wenn er sich bewusst wird, dass er kein Mensch, sondern ein Vogel ist. Eine Entwöhnung vom einen Tag auf den anderen zu machen, halte ich persönlich auch nicht für sinnvoll, da der Vogel ja nun nicht weiss, warum er nun schon ein zweites Mal von einem "menschlichen Partner" verlassen wird. Erfahrungen habe ich damit allerdings nicht.
Bei so einer Fehlprägung können später auch noch ganz andere Verhaltensstörungen auftreten. Je tiefer sie sitzen, desto schwieriger wird es, das zu behandeln. Daher würde ich raten, rechtzeitig mit ihr zu arbeiten, dass sie nicht z.B. aggressiv wird.
Ich erzähle dir mal von meiner Trulla:
Nach gut 2 Jahren sind meine beiden Nymphen immer noch kein richtiges Paar. Aber immerhin sitzen sie oft zusammen und Trulla hat heute nicht mehr so häufig das Bedürfnis zu mir zu kommen, sondern sitzt völlig entspannt neben ihrem Charly. Das war nicht immer so: anfangs konnte ich kaum den Raum verlassen, weil sie immer wieder auf meinem Kopf landete und mich daran hinderte. Telefonieren ging fast gar nicht, weil sie dann schon richtig aggressiv wurde, da sie nicht meine volle Aufmerksamkeit bekommt. Auch Besucher werden nicht immer so richtig freundlich empfangen und wenn ich da nicht was dagegen unternehme oder sie womöglich unbewusst in solchem Verhalten noch bestärke, wird das unter Garantie immer schlimmer.
Ich habe daher über einen langen Zeitraum versucht, möglichst konsequent zu bleiben und bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr zu unterstützen. So musste sie lernen, dass sie nicht auf meinem Kopf landen darf und nur zu mir kommen, wenn ich sie dazu auffordere. Anfangs duckte ich mich einfach und sie musste dann abdrehen, weil ihr Landeplatz plötzlich verschwunden war. Beim Telefonieren beachte ich sie einfach nicht und wenn sie aufdringlich wird oder gar aggressiv, verlasse ich wortlos das Zimmer. Essen von mir gibt es niemals, auch kein Ersatz am Tisch, während ich esse. Sie kann gerne an ihren gewohnten Futterstellen futtern. Nicht bei mir.
Verhält sie sich vorbildlich, belohne ich sie als Beispiel mit einer kleinen Krauleinheit, aber dann dort, wo sie brav gewartet hat und nicht auf dem Arm. Dann wartet sie vielleicht auch beim nächsten Mal brav dort und fliegt mich nicht an.
Du könntest es auch mal mit Clickern probieren.
Hierbei solltest du darauf achten, dass du die anderen auch mit einbeziehst und sie nicht noch mehr auf dich fixiert wird, weil du dich ständig mit ihr beschäftigst. Wenn sie erstmal auf den Target konditioniert ist, kannst du sie als Beispiel immer dann belohnen, wenn sie ein erwünschtes Verhalten zeigt: einen der Hähne anschauen, sich ihnen nähern oder gar dort sitzen bleiben. Solches Verhalten solltest du unterstützen.
Was Beschäftigung an sich anbelangt, so heißt das nicht zwingend, dass du da mit dabei sein musst. Es gibt sehr viele schöne Spielsachen, mit denen sich die Tiere ganz alleine beschäftigen können: Schredderspielzeug, Futterverstecke, bei denen sie sich einen leckeren Happen erarbeiten müssen. Das wäre möglicherweise auch ein gutes "Mittel", wie du die Henne dazu bringen kannst, dass sie die Hähne wahr nimmt. Je vielseitiger das Angebot ist, desto mehr ist sie abgelenkt.
Kraulen kannst du die Henne freilich weiterhin, nur eben dabei nicht über den Rücken streichen.
Bezüglich Futter hast du ja schon Tipps erhalten.
Weil das ganz besonders wichtig ist, möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass die Henne gut mit Calzium versorgt ist. Dafür reicht ein Kalkstein oder Calziumgaben leider nicht aus, da der Mineralstoff ohne Vitamin D³ nicht, oder zumindest nicht in der benötigten Menge für den Körper verfügbar machen kann. Vitamin D³ kann aber leider bei Überdosierung auch schädlich werden, genau wie bei einem Mangel. Daher solltest du dieses Thema unbedingt mit deinem TA besprechen.
Und dann hätte ich da noch ein paar Fragen:
Wie groß ist denn dein Käfig? Wie viele Vögel wohnen da drin? Sind das 2 Hähne und 1 Henne?
Wie ist es sonst in der Umgebung? Gibt es offene Regale oder sonstige Stellen, die sie vor und während der Eiablage vermehrt aufgesucht hat? Wenn ja, welche?