Hallo in die Runde!
Bin krank und habe deshalb endlich wieder mal Zeit hier im Forum ausgiebig zu lesen und auch was zu schreiben. Hat also auch sein gutes.
@molemi:
Das Thema Futteraggression kennen wir mit Frieda auch (siehe auch weiter oben im Forum). Frieda hatte das auch schon als Welpe, mit 12 Wochen hat sie auch mal nach mir geschnappt und mir auch 2 kleine Löcher in die Hand gestanzt :shock:. Da war ich echt fertig.
Was mir persönlich geholfen hat, ist das Wissen, dass das grundsätzlich normales Hundeverhalten ist. Manche haben das mehr, andere weniger, andere gar nicht, aber es ist nix abnormales. Es ist halt Verhalten, das wir als Menschen als absolut unerwünscht und inakzeptabel einstufen, da es ja irgendwann echt problematisch werden kann. Daher ist es total gut , gleich gegenzusteuern.
Die eine Methode ist, das sofort zu sanktionieren, gleich wegzunehmen, und das immer zu üben, so wie du das gemacht hast. Das ist beim Welpen sicher gut, das kann aber (so wie bei Frieda, vor allem jetzt, wo sie älter ist) auch zu Problemen führen. Denn man geht mit dem Hund quasi in die Diskussion, oder den Konflikt rein, wenn du so willst. Und wenn Du Pech hast, und dein Hund ein durchsetzungsfreudiger ist, dann ficht er das irgendwann aus mit Dir. Das möchte ich mit meinem Hund eigentlich nicht erleben....

Das betrifft sicher eher ältere Hunde, bei Welpen klappt das glaube ich meist ganz gut, aber sie sind eben schnell in einem Alter, wo sie sich auch durchsetzen wollen. (Und so wie du das beschreibst, scheint Willi da eher willensstark zu sein, ähnlich wie Frieda :roll
Es gibt aber den anderen Weg, der vor allem bei Frieda gut hilft, und der hier im Forum auch schon an der einen oder anderen Stelle angesprochen wurde. Das läuft unter der Überschrift: "existenzielle Fütterung". Und heißt: der Hund kriegt sein Futter nicht mehr einfach in den Napf, sondern entweder aus der Hand (das ist mit Kindern super), oder sogar nur gegen Arbeit, heißt, Futterbeutel apportieren. Ich mache das im Moment ausschließlich, da Frieda auch wieder begonnen hatte zu knurren beim Fressen. Sie kriegt also ausschlie0lich gegen Arbeit Fressen, und sei es nur , dass ich den Futterbeutel einmal oder zweimal im Haus werfe , sie ihn bringen muss und dann daraus die ganze Mahlzeit kriegt. Voraussetzung ist natürlich, dass das Apportieren klappt, das können aber die meisten Hunde recht schnell und da kann man auch shcon mit Welpen spielerisch anfangen. Das haben die sofort raus, dass ihr Essen in dem Dummy ist und sie den bringen müssen. (Nebenbei übt man auch Impulskontrolle und Geduld, weil die ja dann später sitzen bleiben müssen, wenn man wirft, und dann warten müssen, bis man den Beutel aufgemacht hat, usw. Das kommt aber erst mit der Zeit, anfangs gehts ja nur drum, dass der Hund das Ding auf kommando holt und dann hergibt).
Der Lerneffekt ist quasi: Ich kriege nur Fressen, wenn ich meine Beute mit Herrchen, Frauchen, oder wem auch immer TEILE. Das heißt: erst abgeben (Futterbeutel muss ja losgeslassen werden) und dann gibts Essen.
Und diese Einsicht / dieses Verhalten generalisiert mit der Zeit, dh. dem Hund fällt es viel leichter zu teilen oder Sachen abzugeben. Und es wird für den Hund selbstverständlich, dass man als Mensch (aus seiner Sicht) gemeinsam an dem Fressen dran ist.
Vor allem bist Du als Mensch dann in der Rangordnung auch ganz oben - man ist ja der tollste aller Rudelführer, wenn man fette Beute macht :lol:
Ich lasse Frieda im Moment auch ihre Kauknochen immer einmal apportieren, bevor sie sie zerkauen darf. Das war ein Riesenfortschritt, dass sie den sofort und ohne Problmee in meine Hand gelegt hat, denn zuvor hätte sie den Kauknochen nicht so einfahc abgeben wollen, sie wurde zum Teil schon total angespannt und starr, wenn man nur in die Nähe gekommen ist.
Und ein zweiter ganz wichtiger Punkt: Lieber ein Tauschgeschäft, das funktioniert, als das Durchsetzen der eigenen Autorität (also Knochen wegnehmen) , was nicht funktioniert.
Frieda hat sich nach einiger Zeit (schon mit ca 4, 5 Monaten) die Sachen einfach nicht mehr wegnehmen lassen. Sie hat dann zwar nicht geknuprrt, hatte das Maul aber bombenfest zu, da half kein Schnauzgriff, gar nix. Das war vor allem bei Sachen, die sie beim Spaziergehen gefunden hatte, oder aus dem Mülleimer geklaut hatte, oder so was. Das einzige , was da ging, waren Tauschgeschäfte. Also Superleckerli gegen Maulinhalt. (Friedas absoluter Favorit: Hundeleberwurst). Und je länger wir (fast) täglich apportieren geübt haben, desto einfacher wurde es, sie dazu zu überreden, das Maul aufzumachen, und den Inhalt auszuspucken, oder sich rausnehmen zu lassen.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich würde bei Willi:
Fressen aus der (Kinder-)Hand; anfangen spielerisch zu apportieren; beim Wegnehmen von Sachen Tauschgeschäft.
Und wenn er älter ist und apportieren kann, dann hast Du durchs Apportieren schon ganz allgemein einen Einfluss auf die Futteraggression. Und sollte das dann wieder auftauchen (Knurren), kannst Du mit existenzieller Fütterung (mal 3 Wochen nur aus dem Beutel) gegensteuern.
:!: Eines finde ich aber noch TOTAL wichtig: Die Kinder werden vom Hund NIE als in der Rangordnung höher angesehen werden!!!
Für Hunde sind Kinder vor der Pupertät quasi außerhalb der Rangordnung, sie sind wie Welpen oder junge Hunde: man lässt sich von ihnen als Hund vielleicht viel gefallen, im Ernstfall wird aber auch schon mal gemaßregelt. Das heißt Deine Kinder werden allerhöchstens (wenn überhaupt!) gleichrangige Spielgefährten für Willi sein - vor allem dann, wenn Willi selber in die Pupertät kommt, wird er sich den Kindern überlegen fühlen (ist er ja de facto körperlich dann auch).
Um so wichtiger ist es da gleich die ersten Signale zu sehen, ernst zu nehmen und gegenzusteuern, z.b eben mit Füttern aus der Hand durch die Kinder, so wie du das auch gemahct hast.
Ein anderer Aspekt, den ich wichtig finde ist: neben allem Üben Sachen abzugeben, oder Füttern aus der Hand usw. , sollten unsere Hunde auch Gelegenheiten haben, wo sie völlig ungestört und stressfrei mal was fressen dürfen. Also zB so ein Fleischknochen, das wäre zB ja was, was Willi vieleicht auch mal ganz alleine im Zimmer in Ruhe fressen könnte. Ich verscuhe zB immer wieder mal wenn ich Frieda was ganz Leckeres gebe, darauf zu achten, dass der Kater weggesperrt ist (der ist auch ein Fresskonkurrent für Frieda....) und auch sonst kein Kind oder keine andere Person stören könnte, sodass sie einfach mal eine Viertelstunde ganz für sich hat, um das Teil wegzuknuspern. Das entspannt auch.
Ich wünsche Euch jedenfalls viel Erfolg, was dieses Thema anbelangt. Vielleicht ist es bei Willi auch gleich wieder vorbei - bei Frieda ist es das Thema, was mich am längsten/meisten beschäftigt und das einzige, das mir dann und wann Kopfzerbrechen bereitet. Sie ist ein super Hund: lieb, verschmust, freundlich zu jedem Menschen und auch jedem Hund, der ihr in ihrem Leben bisher begegnet ist, Katzenfreundlich, gelehrig, ---- einfach zum Gernhaben und jeden Tag eine Freude. Aber das Thema Futteraggression gibt es da eben auch. Und ich hab keine Lust auf einen Hund, der mich anknurrt, oder wo ich zögere hinzugehen oder hinzugreifen. Das will ich für mich nicht und kann ich für meine Umgebung nicht verantworten.
Wir sind auf einem guten Weg, vielleicht bleibt es aber auch immer ein Thema. Bin gespannt, was ich in 2 oder 3 Jahren dazu sagen kann...
Auf jeden Fall ist Euer Willi ein ganz süßer!!!
Offenbar führt meine fehlende Stimme zu vermehrtem Schreibbedürfnis, muss ich grad feststellen...
Ein schönes WE an alle
Fr. Otto