Was für ein Labsal für meine TroFu - Diskussions - müde Seele...
"Rechnet man die prozentuellen Anteile der Weener-Analyse zusammen, kommt man auf ca. 50% ... es können nur höchstens 10% Wasser drin sein, denn es handelt sich hier um Pellets, also ein TroFu. Der Rest sind stickstofffreie Extraktionsstoffe - zu gut Deutsch leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Stärke und Zucker!
Meerschweinchen sind jedoch nicht an 40% Stärke und Zucker angepaßt, sondern an viel Cellulose!
Pellets sind fein gemahlenes Pflanzenmaterial, welches mit zuckerhaltigem "Klebstoff" zermatscht und durch eine feine Düse gepreßt wird. Durch den hohen Druck erwärmt sich dieser Brei und unter diesem starken Druck und hohen Temperaturen gehen eine Menge Inhaltsstoffe der ursprünglichen Pflanzen drauf. Deshalb müssen nun Vitamine zugesetzt werden. Was jedoch nicht zugesetzt wird, das sind die verlorengegangenen sekundären Pflanzenstoffe, auf die das Meerschweinchen angewiesen ist!
Weiterhin ist das Meerschweinchen auf eine Nahrung mit hohem Gehalt an langen Rohfasern angewiesen - nun, Rohfaser ist zwar in Pellets enthalten, aber die sind staubfein zermahlen! Das führt dazu, daß der Pelletbrei nur sehr, sehr langsam durch den Darm geschoben werden kann und dort anfängt zu gären. Das Meerschweinchen bekommt also leichte Blähungen! Oft werden Meerschweinchen ein Lebtag lang mit solchem Futter gefüttert - das heißt, ein ganzes Meerschweinchenleben Bauchschmerzen durch leichte Blähungen!
So, nun kommen wir mal zu den einzelnen Zutaten:
Weizenkleie: Weizenkleie sind die Schalen des Weizenkornes. Darin enthalten sind viele wichtige Mineralstoffe, aber auch Reste des Weizenklebers, auch Weizengluten genannt. Weizengluten enthält immerhin 30% Glutaminsäure, die das Meerschweinchen über die Niere wieder ausscheiden muß, da es so viel Glutaminsäure gar nicht verwerten kann. Die Nieren werden also besonders belastet. Bei Katzen und Hunden führt das sehr, sehr oft zu Nierenschäden, bei Meerschweinchen ist dieser Zusammenhang noch nicht nachgewiesen, weil noch niemand das erforscht hat, ob es auch beim Meerschweinchen so ist ...
Grashäcksel warmluftgetrocknet: Also kleingeschnittenes Heu zu gut deutsch gesagt ... nun, Heu wäre in langen Halmen gesünder für das Meerschweinchen, weil es sich beim Kauen dieser langen Halme die Zähne abnutzt. Also, warum willst du so viel Geld für ganz stinknormales, feinstgemahlenes Heu ausgeben, wenn das Heu als nicht kleingeschnittenes Heu viel gesünder ist?
Luzernehäcksel: Luzerne ist DIE Mastpflanze in der Nutztierzucht ... wolltest du wirklich dein Meerschweinchen mästen? - Immerhin sind die giftigen Eiweiße der Luzerne durch den Verarbeitungsprozeß zerstört worden, so daß diese nicht mehr giftig wirken, sondern nur noch mästen.
Gerstenflocken: Also pure Stärke! Genau daran sind Meerschweinchen nicht angepaßt, die Wildform ist ein Grasfresser, die domestizierte Form wurde mit Gras und den Gemüseabfällen gefüttert, die halt so in den Anden anfielen. Stärkehaltige Körner, wie Mais, Amaranth und Quinoa war viel zu wertvoll, als daß diese den Meerschweinchen verfüttert wurde, die Meerschweinchen bekamen also auch in fast der gesamten Domestikationsgeschichte keine Mehlsaaten!
Es ist sogar so, daß die Stärke den gesamten Stoffwechsel der Meerschweinchen durcheinanderbringt, sie werden insgesamt empfindlicher. Das Gerücht, Meerschweinchen würden im Winter frieren und man könne sie nicht draußen halten, geht auf eine Zeit zurück, wo viel Stärke in Form von Brot und Getreide an die Meerschweinchen verfüttert wurde - sie froren durch die Stoffwechselentgleisungen durch die Stärke tatsächlich im Winter!
Haferschälkleie: Das sind billige Reste aus der Produktion von Haferflocken und Hafermehl - allerdings sind sie selbst für Meerschweinchen relativ gesund, denn sie enthalten eine Menge wichtiger Mineralstoffe. Weiterhin bietet die Kleie wichtige Rohfaser ... allerdings gibts ein Problem damit, denn die Haferschälkleie ist ja zu genau demselben feingemahlenen Mehl vermahlen worden und durch die Presse gedrückt, wie die anderen Bestandteile der Pellets auch ... die Folge ist, daß die guten Mineralstoffe genau den Bakterien zugute kommen, welche die leichten Blähungen mit ihren Ausscheidungen verursachen!
Kartoffelprotein: Auch hier haben wir es mit einem prima Mastzusatz zu tun, weil das Kartoffelprotein durch die Verarbeitung zu so kleinen Einheiten zerbrochen ist, daß es besonders leicht verdaulich ist ... nur, Meerschweinchen sind nicht an leicht verdauliches Eiweiß, sondern vielmehr an schwer verdauliche Cellulose von Gras und Gemüseabfällen angepaßt! Selbst das Bakterieneiweiß, was sie mit ihrem Blinddarmkot aufnehmen, ist schwerer verdaulich! Wie kann also ein leicht verdauliches Protein gesund sein für Meerschweinchen?
Zuckerrübenschnitzel: Bestehen zu 20% aus Saccharose. Diese wird vor dem Dünndarm zu gleichen Teilen in Glucose und Fructose gespalten - welche wiederum prima Nahrung für Bakterien sind, die im Dünndarm nix verloren haben und Blähungen verursachen!
Bierhefe wird beigemixt, um die Pellets mit verschiedenen B-Vitaminen anzureichern ... wozu soll das gut sein bei einem Tier, welches Blinddarmkot herstellt und frißt, wo genau diese Vitamine und auch sämtliche Mineralstoffe wie in Hefe in genau gleicher Form vorliegen? Dafür kann es immer mal passieren, daß einer der Hefepilze sich eingekapselt hat und nicht abgestorben ist - bei dem zuckersüßen Nahrungsbrei, der im Darm entsteht, wachen diese Hefen auf und können sich im Darm vermehren! Und da gehören sie nun wirklich nicht hin.
Apfeltrester: Ist ein billiges Abfallprodukt der Apfelsaft- und Apfelweinherstellung. Es besteht aus Pektin und Cellulose ... eigentlich sicherlich gesund, nur leider so kleingemahlen, daß es ganz und gar nicht mehr gesund für ein Meerschweinchen sein kann ...
Leinsamen, fein gemahlen: Sie sollen den Gehalt an essentiellen Fettsäuren anheben. Nun ja ... dafür, daß ein Meerschweinchen keine Saaten braucht, ein wenig sehr fett ... aber macht wenigstens ein schönes glänzendes Fell.
Maiskeime: Stärkehaltig, zuckerhaltig, energiehaltig ... sehr wertvoll für die menschliche Ernährung - nur, wir Menschen sind keine Grasfresser und haben einen ganz anderen Verdauungstrakt wie Meerschweinchen. Also, was soll das in einem Meerschweinchenfutter?
Weizenkeime: Auch hier wieder das Gleiche wie bei den Maiskeimen - nur das nun auch noch das Weizengluten noch dazukommt, was in Weizenkeimen noch nicht vollständig abgebaut ist ... alles andere wie gesund für einen Grasfresser, der keine Graskeimlinge frißt, sondern ausgewachsenes Gras!
Seealgenkalk: Schön ... und da wird immer wieder behauptet, Kräuter seien schlecht für Meerschweinchen, weil zuviel Kalk enthalten ist - aber in Pellets ist Kalk notwendig?
Tatsache ist, daß durch den feinen Vermahlungsgad vor der Pressung ein Nahrungsbrei entsteht, der nur sehr, sehr langsam an den Transportmolekülen für Calcium im Dünndarm vorbeibewegt wird. Es wird also alles Calcium, was in diesen Pellets ist, vollständig aufgenommen! Also bildet das Meerschweinchen diese Transportmoleküle zurück, um sich vor zuviel Calcium zu schützen - und nimmt auf Dauer gesehen zuwenig Kalzium auf! Es entsteht ein Ungleichgewicht im Calciumhaushalt, welches zu einer ganzen Reihe von Langzeitschäden führt, unter anderem Kieferverformungen mit erworbenen Zahnfehlstellungen und Skeletterkrankungen. Diese Schäden treten oft erst nach Jahren auf, so daß gar nicht gemerkt wird, wie schädlich eigentlich diese Pellets sind.
Lein-/Sonnenblumenölmischung: Hiermit soll wiederum der Anteil ungesättigter Fettsäuren angehoben werden. Leinöl ist ein sehr wertvolles Öl, aber für Meerschweinchen schlichtweg nicht notwendig. Sonnenblumenöl ist billiger ...
Seesalz: Das ist Kochsalz, welches aus dem Meer gewonnen wird. Es wird zugesetzt, damit die Meerschweinchen mit dieser Trockenkost, die viel zu wenig Wasser enthält, genug saufen. Sie saufen zwar durch das Salz mehr, wie sie saufen würden, wenn keines zugesetzt wäre, aber sie saufen noch nicht genug ... mal ganz davon abgesehen, wer sagt denn, daß soviel Salz im Futter nicht die gleichen Schäden wie beim Menschen verursacht?
Sonnenblumenkerne: Würd ich eigentlich eher in einem Ratten- oder Papageienfutter vermuten, nicht in einem Futter für Grasfresser!
Anis und Fenchel: Diese Zutaten sollen die Verdauung, die durch die Pellets gestört werden, wieder in Gang bringen ... tun sie ja auch, aber weshalb sollte etwas gefüttert werden, was den Darm erst schädigt, damit ein Zusatz davon das Schlimmste verhindert?
Wäre es nicht gleich sinnvoller, artgerecht zu füttern?
Weiterhin wurden einige Vitamine zugesetzt. Mal ganz davon abgesehen, das fast alle isolierten Vitamine ab einer bestimmten Konzentration im Tierversuch krebserregend sind, entsprechen einige dieser Vitamine nicht mal dem, was Meerschweinchen normalerweise an Vitaminen zu sich nehmen!
Vitamin A: Meerschweinchen sind Pflanzenfresser, sie nehmen normalerweise Betakarotin auf, nicht das fertige Vitamin A. Betakarotin hat die Eigenschaft, daß man es nicht überdosieren kann, was zuviel ist, wird einfach ausgeschieden. Vitamin A dagegen wird in der Leber gespeichert - und wenn es zuviel wird, kann es eine ganze Reihe von Schäden beim Meerschweinchen verursachen! Nun wird es auch noch im Darm durch die unnatürlich langsame Darmpassage 100% aufgenommen ... hmmm ...
Die einzige Form, wie normalerweise Meerschweinchen zu fertigem Vitamin A kommen, ist einzig durch ihren Blinddarmkot. Und diesen produzieren sie auch mit Pellets ...
Vitamin D3: Es wird benötigt, um die Schäden, welche durch die fehlerhafte Aufnahme von Kalzium entstehen, wenigstens zu verzögern ... es ist normalerweise im Blinddarmkot genügend vorhanden, Meerschweinchen brauchen definitiv keine zusätzlichen Vitamin D3-Gaben!
Vitamin E: Wird zugesetzt, weil es die ungesättigten Fettsäuren aus Lein und Ölen schützt. Das Meerschweinchen braucht dieses Vitamin nicht, es ist genügend im Blinddarmkot enthalten.
Vitamin C: Die Schäden, die durch Pellets im Calciumstoffwechsel verursacht wurden, wurden mit Skorbut verwechselt ... tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um Skorbut, sondern um Skelettschäden und Schäden durch Calciumüberschuß und Calciummangel. Vitamin C können Meerschweinchen selbst zwar nicht herstellen, aber ihre Blinddarmbakterien, es ist also nicht notwendig, Meerschweinchen mit einer Überdosis Vitamin C zuzumüllen! Dafür hat isoliertes Vitamin C noch eine sehr unangenehme Eigenschaft: was zuviel ist, wird in Oxalsäure umgewandelt, welche wiederum bei einem Überschuß an Calcium, wie es leicht bei der Pelletfütterung passieren kann, und zuwenig Wasser, wie es bei Pelletfütterung normal ist, Blasen- und Nierensteine fördert!
Kupfer: Wird zugesetzt, um die Bakterien im Dünndarm wieder abzutöten, die durch den Pelletbrei herangezüchtet werden. Leider tötet das Kupfer auch Blinddarmbakterien ab und es ist giftig für Meerschweinchen, wenn es zuviel aufgenommen wird. Nun gibt es jedoch immer wieder durch die Übermäßige Vermehrung von Bakterien im Dünndarm den Effekt, daß Kupfer besonders gut durch die Dünndarmwand aufgenommen wird - und nun langsam und sicher das Meerschweinchen vergiftet ... dabei sind die Mengen noch nicht tödlich, führen jedoch oft zu Immunschwäche, Verhaltensänderungen oder sogar epileptiformen Anfällen.
Zink: kann recht schnell überdosiert werden ... allerdings passiert das durch Pellets nur selten, da es von den im Dünndarm sich ansiedelnden Bakterien aufgefuttert wird, bevor es dem Meerschweinchen zugute kommt. Außerdem können Entzündungen durch von Bakterien im Dünndarm produzierter Milchsäure an der Dünndarmwand entstehen, die eine Aufnahme von Zink fast unmöglich macht. Das Meerschweinchen leidet dann trotz genügend Zink im Futter unter Zinkmangel.
Mangan: wird dringend im Clalciumstoffwechsel gebraucht ... und ist gewöhnlicherweise genug in Gräsern und Gemüse drin
Eisen: Behindert die Aufnahme von Zink.
Selen: Ist ein wichtiges Spurenelement. Es darf auf gar keinen Fall im Futter fehlen - allerdings ist das selbst im Heu in genügender Menge drin ...
Das gefährliche sind letztendlich die nicht tödlichen Langzeitschäden, die Meerschweinchen durch die Pellets bekommen. Frag mal deine Züchter, ob sie Kohl verfüttern ... werden sie vermutlich nicht, da der Darm der Meerschweinchen durch die Pellets so empfindlich wurde, daß sie Grünkohl oder Weißkohl nicht mal mehr dann vertragen würden, wenn er ganz langsam angefüttert wurde ... ich kann meinen Meerschweinchen, die keine Pellets bekommen, sogar von einem Tag zum anderen große Mengen Kohl verfüttern, ohne das was passiert.
Meerschweinchen bekommen fast nie Kokzidiose - Meerschweinchen, die Pellets bekommen, erkranken daran deutlich häufiger wie Meerschweinchen, die nur Frischkost und Heu bekommen.
Im Winter halten meine Meerschweinchen, die keine Mehlsaaten und keine Pellets oder sonstiges TroFu bekommen, ohne Probleme selbst die kältesten Tage aus. Dabei scheint ihnen selbst dann noch warm zu sein, wenn sie unter irgendwelchen Häuschen auf dem gefrorenen Boden liegen! Sie wärmen sich auch nicht gegenseitig und meiden alle isolierten Schutzhäuschen - so, und nun vergleich das mal mit dem, was dir die Züchter zum Thema Draußenhaltung im Winter erzählen ...
Wieviele Meerschweinchen über fünf Jahren lassen die Züchter auf Skeletterkrankungen untersuchen?
Frag mal einen Züchter, wie er das mit der Zucht sieht, wenn ein Meerschweinchen das erste Mal mit über zwei Jahren gedeckt werden soll ... na? Was sagt er? ... Meerschweinchen, die ihr ganzes Leben lang nur mit Frischkost und Heu gefüttert wurden, bekommen selbst mit drei Jahren oder vier Jahren ihren ersten Wurf problemlos!"
http://www.dashaustierforum.de/wbb/index.php?page=Thread&threadID=100956