Ei ei, auch schon ein altes Thema - aber wie ich eben bin, muss ich auch hier mal meinen Senf dazugeben

Gleich am Anfang nur schnell zwei Dinge der Richtigkeit wegen: Es gibt beim Natural Horsemanship nicht 10, sondern 4 Level, und bei der Biegung geht es nicht nur um laterale, sondern auch um vertikale Biegung.
Aber das nur so am Rande, darum geht es ja eigentlich nicht

Was ich allererstes sagen möchte: "Parelli" bedeutet NICHT ohne Sattel zu reiten - wie häufig angenommen.
Zum Thema Sattel möchte ich mich allerdings noch etwas detaillierter auslassen.
Es ist nicht unbedingt schädlich für das Pferd, ohne Sattel zu reiten. Sicherlich kann es zu starken Rückenschäden führen, wenn man gelernt hat, mit Sattel zu reiten, und dann plötzlich umstellt!
Das hat auch mit dem Sitz des Reiters zu tun. Der Sattel verteilt das Gewicht des Reiters auf dem Rücken des Pferdes. Das ist auch nötig, denn wenn man die Füße in den Steigbügeln hat, sitzt man automatisch auf dem Po.
Mit dieser Art, zu sitzen, bohrt sich natürlich das Sitzbein in den Pferderücken, sobald der Sattel weg ist. Ich selbst habe von früher Kindheit an gelernt, die Beine lang zu machen (was mir auch Balance gibt) und das Gewicht GLEICHMÄßIG auf Po und Oberschenkeln zu verteilen.
Ein gesunder Pferderücken und eine gute Rückenmuskulatur, die die Wirbelsäule schützt, werden mit dem richtigen Sitz ohne Sattel nicht geschädigt. Auch unser Osteopath kann bestätigen, dass die Rücken unserer Pferde kerngesund sind.
Mit meinem Wallach Johnny ist es auch noch so ein Fall - reite ich ihn mit einem (angepassten!) Sattel - egal ob mit oder ohne Baum - dann versteift er sich, läuft nicht sauber und fühlt sich ganz offensichtlich nicht wohl.
Ohne Sattel streckt er den Hals, biegt sich, ist beweglich in der Wirbelsäule und läuft locker. Für seine 19 Jahre ist er so immer noch topfit!
Zum Thema "kompliziert": Parelli klingt kompliziert, wenn man es nicht versteht. Meiner Meinung nach ist es nicht möglich, vor seinem Pferd als vollwertiges Herdenmitglied, mehr noch, als Leittier, dazustehen, wenn man nicht genau versteht, was man macht.
Horsemanship kann man nicht lernen, man kann es nur verstehen und umsetzen. Ich könnte euch tausend Anweisungen geben, was ihr mit eurem Pferd tun sollt - letztendlich könnt ihr sie erst dann richtig ausführen, wenn ihr wirklich VERSTANDEN habt, warum ihr das machen sollt. Und zwar soweit verstanden, dass ihr soweit seid, weiter zu denken, selbst Probleme zu lösen und mit neuen Methoden auf neue Dinge stoßen könnt.
Horsemanship funktioniert nur dann, wenn man es lebt, fühlt, versteht und denkt. Nicht nur weil man es ausführt. Soviel dazu ;-)
Dann noch kurz zu der Sache, dass nicht jeder sich mit Anatomie, Physiologie oder Psychologie seines Tieres auskennen kann: Für mich gehört das definitiv dazu. Wenn ich ein Tier halten will, sehe ich es als meine Pflicht an, mich zu informieren. Nicht jeder muss zum absoluten Biologen werden oder aus dem Kopf sämtliche Muskelpartien des Pferdes benennen und erklären können - das kann ich auch nicht, nebenbei.
ABER für mich ist es selbstverständlich, dass ich mein Bestes gebe, mein Tier zu verstehen - in Anatomie ebenso wie in Physiologie und Psychologie. NUR dann kann ich Probleme erkennen, eine gesunde Partnerschaft aufbauen und das tun, was für mein Pferd das Beste ist.
LG
Alina