Können Zwerghamster in Gruppen gehalten werden?
Die Frage nach der Gruppenhaltung von Zwerghamstern bekommen wir häufig. Die Halter haben meist in Büchern oder auf anderen HPs gelesen, dass Zwerghamster Rudeltiere sind und in Gruppen gehalten werden müssen. Diese Aussage wird auch in Zoofachgeschäften immer wieder so pauschal gemacht.
Es verwundert nicht, dass in Zoogeschäften und von den Züchtern, welche die meisten Bücher schreiben, so eine Aussage gemacht wird. Züchter und Zooläden haben im Allgemeinen Pärchen die Nachwuchs zeugen und Gruppen mit Jungtieren vor der Geschlechtsreife. Jungtiere werden abgegeben, bevor sie geschlechtsreif sind. Also werden die Probleme, welche bei gleichgeschlechtlichen Gruppen mit älteren Zwerghamstern auftreten, natürlich kaum bemerkt.
Leider ist es nicht ganz so leicht Zwerghamster in Gruppen zu halten. Es gibt da Einiges zu beachten.
In der Natur
Es ist zwar nicht abschließend geklärt, wie Zwerghamster in freier Wildbahn leben, aber folgende Aussagen können gemacht werden:
Roborowski- und Campbell Zwerghamster wohnen zeitweise oder auch dauerhaft als Paar mit ihrem Nachwuchs zusammen, das können große Kolonien werden. Allerdings gibt es in jedem Nest der Kolonie nur ein fortpflanzungsfähiges Pärchen. Oft leben die Töchter noch eine Weile bei den Eltern und kümmern sich mit um deren Nachwuchs. Manche Weibchen (meist die Erstgeborenen) verlassen niemals das Elterliche Nest und zeugen niemals eigenen Nachwuchs. Die Böckchen werden ab einem gewissen Alter vertrieben. Im Normalfall ist es so, dass die Nachkommen, welche ins forpflanzungsfähige Alter kommen, das Nest verlassen. Nicht alle Zwerghamster bilden dann neue Familien und Kolonien, viele bleiben auch Einzelgänger, wahrscheinlich hängt es von der Population insgesamt und der Reviergröße sowie dem Fruchtstand (der Futterverfügbarkeit) ab, ob neue Familien und Kollonien gegründet werden. Gibt es wenig Futter, sind mehr Einzelgänger zu finden.
Dsungarische Zwerghamster leben nur teilweise dauerhaft als Paar. Der Bock wird offensichtlich von dem Weibchen nach der Geburt der Jungtiere aus dem Nest verjagt und lebt dann zumindest eine Zeitlang als Einzelgänger oder zieht bei einem anderen, fortpflanzungsfähigem Weibchen ein.
Chinesische Streifenhamster leben grundsätzlich als Einzelgänger, sie treffen nur zur Paarung zusammen. Hier werden in freier Wildbahn keine Paare im Nest gefunden und sind ihren Artgenossen gegenüber eher aggressiv, weshalb sie auch in der Heimtierhaltung einzeln zu halten sind.
Gleichgeschlechtliche Zwerghamster verstehen sich normalerweise nur bis zum Abschluss* der Geschlechtsreife (spätestens mit ca. 6 Monaten). Dann ziehen die Tiere los und gründen eigende Familien. Die Eltern vertreiben spätestens dann auch die erwachsenen Tiere aus dem Nest.
Bekannt ist, dass die Tiere Artgenossen, welche erkranken (seien es leichte Verdauungsprobleme, Verletzungen, Infektionen, etc. ) verstoßen - dies tun sie auch in Gefangenschaft!
In Gefangenschaft/In der Heimtierhaltung
Hier können sich die Gruppen nicht trennen, wenn es Zeit für sie wäre, neue Familien zu gründen. Die Zwerghamster können sich nicht einfach auf den Weg machen und neue Partner suchen oder ihr eigenes Revier erobern. Werden also mehrere gleichgeschlechtliche adulte Zwerghamster zusammen gehalten, führen häufig eine Zeitlang eine Zwangsgemeinschaft. Auf Dauer klappt das aber leider meist nicht und führen die meisten Zwerghamster über kurz oder lang heftige Rangkämpe um eigene Reviere. Diese Auseinandersetzungen enden häufig mit massiven Verletzungen und dem Tod eines der Tiere. Es wird nur selten davon berichtet, dass sich gleichgeschlechtliche Zwerghamster wirklich bis zu ihrem Ableben friedlich verhalten hätten. Campbell Zwerghamster sind wohl etwas friedlicher, Dsungaren bleiben fast nie friedlich mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen zusammen. Bei allen Zwerghamstern gelten die Männchen als friedlicher und Weibchen als aggressiver bei der gleichgeschlechtlichen Gruppenhaltung.
Auch in Gefangenschaft jagen die Eltern ihre Kinder nach der Geschlechtsreife weg, wobei es durchaus zu blutigen Auseinandersetzungen kommen kann. Diese Verhaltensweise kann, unabhängig davon wie groß das Gehege der Tiere ist, immer wieder beobachtet werden.