Ich bin eher eine Kastrationsgegnerin. Es ist in meinen Augen eine Form von Körperverletzung, einem gesunden Tier gesunde Organe zu entnehmen. Das gilt m.E. grundsätzlich, ist also an alle gerichtet, die sozusagen pauschal meinen, Hunde, mit denen nicht gezüchtet werden soll, gehören kastriert.
Natürlich ist es eine Ausnahme, wenn Hündin und Rüde in einem Haushalt leben. Insofern muss katrin_sammy es beurteilen, ob das zu managen ist, ob es regelmäßig zweimal im Jahr möglich ist, den Rüden für zwei, drei Wochen zu den Eltern zu geben, ob der Rüde sich quält und ob eventuell doch das Risiko besteht, dass er die Hündin decken könnte.
Das Argument, dass eine Hündin "leidet", wenn sie läufig ist und nicht gedeckt wird, zählt für mich nicht. In einem Wolfsrudel dürfen sich auch nur die Alphatiere fortpflanzen. Die anderen werden läufig ohne die Möglichkeit zu haben gedeckt zu werden. Teilweise dienen Wölfinnen durch eine Scheinträchtigkeit als Ammen und helfen, den Nachwuchs der Alphatiere großzuziehen.
Für unsere Hunde hat man herausgefunden, dass die Lebenserwartung kastrierter Tiere keineswegs größer ist als die von unkastrierten. Im Gegenteil überwinden intakte Hunde Erkrankungen häufig besser und auftretende Tumore sind häufiger gutartig als bei kastrierten Hunden. Das Risiko einer Inkontinenz im Alter ist bei kastrierten Hündinnen mit Abstand deutlich größer, besonders bei großwüchsigen Rassen.
Meine Hündinnen sind nicht kastriert. Und ich kann nicht feststellen, dass sie unter den Läufigkeiten leiden. Diese Zeit ist anders als sonst, aber deshalb nicht schlimm.
Allein die Bequemlichkeit von uns Menschen, wenn wir keine Lust haben, in diesen wenigen Wochen im Jahr besonders auf unsere Tier aufzupassen, oder wenn wir keine Lust haben auf ein paar Blutflecken im Haus - das ist kein Argument für einen so schweren Eingriff.
Es geht ja nicht nur um die Narkose und die Operation! Man verändert den gesamten Hormonstatus der Hunde und greift damit auch in die sozialen Interaktionen von Hunden untereinander ein: Die Tiere erkennen teilweise das Geschlecht eines anderen Hundes nicht mehr und es kommt zu heftigen Missverständnissen und Streitigkeiten! Oder ein Hund erlangt durch eine zu frühe Kastration keine soziale Reife, wird nie richtig erwachsen. In Amerika werden Hunde früh kastriert, nur damit sie ihr weiches Babyfell behalten... :eusa_think:
Nein, so etwas muss wirklich gründlich überlegt werden. Wie gesagt: Wenn Rüde und Hündin unter einem Dach leben und während der Läufigkeiten nicht zu trennen sind, dann ist das eine echte Indikation. Aber sonst... - Warum dem gesunden Tier das antun??