Wir hatten hier schon öfter Threads zu ihm, meine ich. Es ist sicherlich ein ganz kontoverses Thema, denn zu Zeiten von Clicker-, Bällchen- und Leckerlie-verrückten Besitzern braucht man solche Methoden nicht, solange man halt immer irgendeine Ablenkung dabei hat.
Natürlich kann ich permanent mit Leckerlie rumrennen, am besten könnte ich mir eins auf die Nase kleben, der Hund wäre bei mir, aber das ist halt keine Beziehung und sobald das Leckerlie weg ist, ist der Hund auch nicht mehr bei mir. Man macht sich halt unheimlich abhängig von der krampfhaften Ablenkung des Hundes durch Hilfsmittelchen. Im Kopf habe ich da die Hundebesitzer, die im Falle von Leinenagression, sobald ein anderer Hund kommt, das Bällchen auspacken und vor ihrem Hund rumhüpfen, der sich längst in die Leine gelegt hat und dann für seine Aggression mit dem Bällchen belohnt wird.
Ceasar Milan ist sicherlich sehr gleichgültig im Umgang mit Hunden, vor allem wenn man mal sieht, wie er keine Miene verzieht, wenn er gebissen wird, aber genau das kann vielen Hunden helfen. Ein hysterisch tanzender Mensch vermittelt einem Hund keine Ruhe und ist auch kein souveräner Anlaufpunkt, da ist Caesar Milan für den Hund ein besserer Ruhepol, der vielen Hunden fehlt. Er behandelt halt auch meist genau die Hunde, die schnell in Muster verfallen, in Aggression verfallen oder nicht mehr aus dem Trieb zu holen sind. Da hilft kein Bällchen, kein Leckerlie und auch kein antippen. Dafür ist es bei diesen Fällen meist schon zu spät, da haben die Besitzer längst versagt und längst etwas zugelassen, das schnell unkontrollierbar wird. Da muss Caesar Milan als Trainer mehr tun als nur antippen oder lieb rufen, was bei den meisten Hunden absolut reicht.
Natürlich ist das nicht schön, absolut nicht, aber wenn man auf diesem Wege Muster unterbrechen kann, einen Hund wieder gesellschaftsfähig machen kann, dadurch dass man ihn zweimal anfasst, ist das doch besser als ein Leben lang in Isolation zu verbringen oder das Tier ins Tierheim abzuschieben, wo sich ihm niemand mehr annimmt.
Natürlich kann man im Optimalfall einen Hund verbal unterbrechen oder es reicht, den Hund mal anzutippen, aber ich finde, ein erfahrener Hundetrainer kann einschätzen, wie viel er tun muss, um einen Hund zu unterbrechen. Und würde sich Ceasar Milan verschätzen, würden die Hunde mit totalem Entzug oder Aggression (gerade Hunde, die eh mit Aggressionen zu ihm kommen) reagieren, was nicht der Fall ist.
Unter Hunden sieht man es oft, dass ein Hund den anderen auf den Rücken wirft, wenn dieser zu weit geht und dann auch durchaus schonmal auf dem Boden fixiert, so entschärfen Hunde untereinander auch Situationen und unter Hunden wohl am häufigsten gesehen ist ein kurzer, aber meist heftiger Schnapper, der eine klare Grenze definiert. Natürlich sind wir Menschen keine Hunde und haben andere Methoden, einen Hund zu erreichen (beispielweise in angebrachten Situationen mit Leckerlie als Opener, mit einer verbalen Unterbrechung oder auch mal indem man den Hund antippt), aber wenn ein Hund für den Menschen nicht mehr zugänglich ist, halte ich es für absolut legitim, den Hund auf hündischer Basis erreichen zu wollen. Man muss nur wissen wie, denn natürlich kann man auch zu viel tun und dem Hund tatsächlich Angst machen, aber richtig angewandt unterbrechen solche Methoden den Hund kurz, er schüttelt sich und es hat nichts bei dem Hund angerichtet. Aber genau aus dem Grund halte ich es nicht für richtig, dass so was im Fernsehen gezeigt wird, denn dann gehen Leute hin und probieren so was zuhause aus und verängstigen damit unter Umständen ihre Hunde. Die Erziehungsmethoden müssen zum jeweiligen Hund passen und sollten, um die optimale Wirkung zu erzielen, nur unter Aufsicht eines Trainer angewandt werden (das gilt auch für Leckerlie, Bällchen etc. als Ablenkung von Aggression o.ä.).
Caesar Milan als Trainer finde ich also durchaus kompetent, seine Methoden im Rahmen, aber absolut nichts für den Durschnittszuschauer, der auch kleine Problemchen mit seinem Hund hat und dann wild anfängt, diesen auf den Rücken zu schmeißen und nach ihm zu treten. Auch gibt es einfach bessere Methoden, einen normalen Hund zu erziehen. Das sieht man allerdings auch an manchen Fällen von Ceasar Milan, in denen solche Methoden nicht angewandt werden.