Hey,
also ich behaupte mal, fast jede der bisher ausgestrahlten Folgen auf NatGeo Wild gesehen zu haben - manche sogar mehrfach.
Die YouTube-Zusammenschnitte sagen daher meiner Meinung nach nichts bis nur wenig aus, da alles aus dem Zusammenhang gerissen wurde.
Ich glaube, dass viele Millan-Kritiker oft vergessen, dass die Hundehaltung in den USA eine komplett andere ist als in Deutschland.
Hunde, die dort auffällig werden, kommen ins Tierheim, werden kurze Zeit nach Einlieferung in Selbiges einem mehr als fraglichen Wesenstest unterzogen und eingeschläfert, sofern sie diesen nicht bestehen.
Nur, wenn sie Glück haben und die Betreuer Potenzial sehen, darf der Test nach einigen Wochen Training nochmal wiederholt werden.
Und die, die richtig viel Glück haben, kommen nach Dogtown oder in ein anderes, tierschutzorientiertes Hundeasyl, in denen mit Ihnen gearbeitet wird (und auch dort wurde Millan schon um Hilfe gebeten).
Und auch die Halter ticken komplett anders, wie es ja hier auch schon genannt wurde. Tägliches Ausführen ist ein Fremdwort für viele. Beschäftigung? Keine Zeit, keine Lust, wir wollen nen Hund für die Couch.
Dafür dürfen sie fressen so viel sie wollen und die Halter erlauben den Hunden, alles im Haus zu besitzen - das Bett, alle Kuscheltiere, die Couch, das gesamte Gelände, etc.
Manche Hunde sind derart verzogen, dass sie ihre eigenen Besitzer angreifen, sobald diese auch nur vesuchen, dem Hund etwas zu verbieten oder wegzunehmen.
Mit positiver Verstärkung kommt man da nicht mehr weit, wenn der Hund dieses Schema jahrelang erfolgreich durchgezogen hat.
Letztendlich geht es dann also doch darum, dass den Hunden geziegt werden muss, dass sie ein Teil des Rudels sind, aber nicht dessen Anführer.
Ich kenne - wie ice.age - auch bisher nur eine Folge, in dem ein Stachelhalsband tatsächlich verwendet wurde, dies geschah aber von den Besitzern aus.
In vielen Fällen sagt Millan, dass diese Halsbänder den Hund nur noch aggressiver machen und ihn verletzen können, weswegen deren Verwendung nur in äußersten Ausnahmesituationen zulässig sei.
Und ja, in einer Folge hat er bei seinem Pitbull Daddy ein elektronisches Halsband verwendet. Da er sich mit diesen aber überhaupt nicht auskennt, hat er sich dazu einen Fachmann kommen lassen und das Halsband erst an sich selbst ausprobiert, bevor er es Daddy umlegte.
Der Grund für die Verwendung dessen: es gibt viele Klapperschlangen in Kalifornien und bei weitem nicht alle Hunde scheuen sie, sondern rennen neugierig darauf zu, weils so schön raschelt.
Der Hund einer Freundin von Millan (ich meine, es sei Jada Pinkett-Smith gewesen) wäre an dem Biss einer Klapperschlange fast gestorben und er sollte lernen, das Geräusch der Schlange mit einem negativen Erlebnis zu verbinden (wobei das Halsband wohl nur unangenehm vibriert).
In diesem Zuge wollte Millan, der ja inzwischen ein neues Riesen-Gelände für die Hunde besitzt, wissen, wie seine Hunde auf Schlangen reagieren.
Alles in allem wars ne Vorsichtsmaßnahme.
Ein zweites Mal wurde das vibrierende Halsband in einer anderen Familie verwendet (wieder mit Fachmann dabei), weil der große Hund jeden Tag versuchte, die Katze der Besitzer anzugreifen. Und das sah echt nicht harmlos aus - in diesem Fall hätte die Katze definitiv den Kürzeren gezogen.
Der Hund wurde also durch das Vibrieren davon abgelenkt, sich der Katze auf aggressive Art und Weise zu nähern und wurde belohnt, wenn er sich freundlich zeigte.
Zu dem "Treten": Millan selbst sagt (auch in dem Youtube-Ausschnitt

) "
No kick, just a firm touch!"
diese Berührung dient tatsächlich dazu, den Hund aus seinem Muster rauszuholen. Wie fest diese Berührung ist, kann wohl keiner von uns beurteilen.
Aber dazu eine Bitte an die Hundebesitzer (habe derzeit keinen): jede Wette, eure Hunde springen genauso weit zur Seite wie die Hunde in den Videos, wenn ihr sie nur kurz und ganz sanft mit eurem Zeigefinder an der Seite berührt - probierts aus.
Das tut nicht weh und ist nicht schlimm, aber es lenkt sie von dem ab, was sie gerade tun.
Die Folge mit dem Wolfshybriden habe ich auch gesehen und ja...es war hart, das mit anzusehen.
Andererseits sehe ich auch, dass Millan an dem Punkt durchgehalten hat, wo alle anderen zuvor aufgegeben haben. Sobald dieser Hund um sich biss, ließ man ihn alles machen, was er wollte - aus Angst.
Dieser Hund hatte also vorher immer gelernt, dass Ausrasten und Beißen zum gewünschten Ergebnis führt.
Der Wurf auf den Boden: sehe ich im Allgemeinen auch recht kritisch, allerdings muss man auch hier wieder zugestehen, dass viele der gezeigten Hunde null Sozialverhalten kennen und sich demnach vermutlich nie oder nur aus reinem Zufall unterwerfen würden.
In den USA kauft man sich nen Welpen für gewöhnlich aus ner Glasbox im Zoohandel. Die Welpen sind teils sogar unter 6 Wochen alt und wurden natürlich schon längst von der Mutter entfernt.
Und wenn alle Geschwister verkauft wurden, sitzt ein Welpe da auch mal mehrere Wochen ganz alleine oder ihm werden noch jüngere Welpen dazugesetzt. :?
Hier wurde kurz erwähnt, dass die Vorgeschichte des Hundes (negative Erfahrungen, Trauma, etc.) nicht miteinbezogen werden in Millans Training.
Er fragt sehr wohl danach, bevor er mit einem Hund arbeitet, allerdings betont er, dass man dem Hund nicht helfen könne, sich besser zu fühlen, wenn man alles vermeidet, wovor er Angst hat, denn dadurch würde man ihn noch mehr einschränken und ihn letzendlich die schlechten Erfahrungen auch nicht vergessen lassen.
Läuft im Prinzip wie mit Menschen: Konfrontation mit positiver Verstärkung.
Von Martin Rütter habe ich bisher zu wenig gesehen, um mir über ihn ein Urteil bilden zu können, allerdings ist mir eine Folge in Erinnerung geblieben, in der es um ein recht normales Problem bei Hunden ging: der Hund bellt, sobald es klingelt, springt an die Tür, ist evtl. nicht ganz nett zu Besuchern etc.
Auch Cesar Millan kümmert sich ja sehr häufig um solche "harmlosen" Fälle und sein Ansatz gefällt mir da ebenfalls besser.
Sobald es klingelt, geht Millan zur Tür und beansprucht erstmal allein durch seine Körperhaltung den Platz an der Tür. Dringen die Hunde in diesen Raum ein, macht er sein typsiches "Shh!" und geht einen Schritt auf den Hund zu und wenn das nix hilft, berührt er die Hunde mit zwei Fingern an der Halsseite.
Erst, wenn der Hund eine entspannte Haltung einnimmt, öffnet er die Tür und bittet die hereinkommenden Leute, die Hunde zu ignorieren.
Martin Rütter kettete den bellenden und auf die Tür zu rasenden Hund an einem Heizungsrohr an und warf ihm Futter zu, um ihn vom Bellen abzulenken.
Der hereinkommende Besuch warf dem Hund ebenfalls Futter zu, allerdings nur, wenn der Hund sich abgelegt hatte. :?
Mag sein, dass sich diesbezüglich einiges geändert hat, das kann ich wie gesagt nicht beurteilen.
LG