- Der Hundeflüsterer- auf SIXX Beitrag #801
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Genau damit habe ich auch ein großes Problem.Ich sehe es ansonsten wie exe (habsch glaub weiter vorne auch schon geschrieben): Er straft ausschließlich, ohne Alternative. Und er will oft zu viel. Ich denke da immer wieder an den Hund, der die Treppe nicht hoch wollte. Er ging mit Milan 4 oder 5 Stufen, dann stockte er. Statt dass da gelobt worden wäre, weil das für das Tier schon ein riesen Fortschritt war, wurde gezerrt und gefordert. Als er den Hund dann hoch geschleift hatte kam ein ganz kurzes, leises »Fein« und fertig.
Millan fördert nicht, er fordert und überfordert. Er lässt dem Hund keine Chance sich zu entwickeln und (im Falle eines ängstlichen Hundes) mehr Selbstvertrauen aufzubauen. Er will das Tier beherrschen und domieren, es ist im Recht wenn der Hund etwas vor dem Angst hat nur tut weil er noch mehr Angst vor Millan hat. Vertrauensaufbau und anschließen schrittweises Durcharbeiten eines Problems gibt es nicht.
Flooding, Unterdruckung und Zwang sind genau das was ich überall in Millans Arbeit sehe.Er wurde mit der Bürste in die Ecke gedrängt und im Gesicht(!!) zwangsgebürstet. Für jedes Schnappen einen Rucker, für ruhiges Verhalten keine Beachtung. Absolut unnötig, das über solchen Zwang aufzubauen.
Natürlich "funktioniert" es und der entsprechende Hund wird sich irgendwann Bürsten lassen, aber nicht weil er verstanden hat dass Bürsten nicht so schlimm ist, sondern weil er resigniert, weil er gebrochen wurde.
Das ist aus meiner Sicht seelische Grausamkeit par excellence (der Hund wird ja nicht nur mit einem angstauslösenden Reiz überschüttet, sondern zudem auch noch jedes Mal bestraft, wenn er seine Angst äußerst), die zu nichts weiter führt als noch tiefer gehenden Traumata.
Im Grunde ist dieser "Psychoterror" für mich genau der Grund warum ich Millan so ablehnenswert finde.
Ein Hund bei dessen Erziehung Starkzwang eingesetzt wird, der aber auch Alternativverhalten und Lob dafür bekommt hat zumindest die Chance sich irgendwann freizuarbeiten und sein Selbstbewusstsein und sein Selbstvertrauen zu behalten.
Ein Hund der einfach nur gestraft wird, ohne Alternative wird sicher irgendwann zu einem Nervenbündel, zu einem Duckmäuser oder (im schlimmsten Fall) zur tickenden Zeitbombe, der weder ein noch aus weiß in seinem Verhalten und nichts mehr kann als die Fahne in den Wind zu hängen.
Was Millans Wortwahl angeht, so finde ich diese auch bedenklich, ich erinnere mich an eine Szene mit einem (bissigen?) Schäferhund den er minutenlang auf den Boden gedrückt hat. Als der Hund mit Panik verdrehten Augen und stresshechelnd irgendwann die Gegenwehr aufgab sagte Millan "Ah, jetzt er ganz ruhig, er ist jetzt völlig entspannt." - Da frag ich mich dann lügt er mit Absicht, oder ist er blöd? (sorry für die Wortwahl).
Mir sind unzählig viele solcher Wort-Realität-Scheren aufgefallen beim Gucken seiner Videos (ich habe sie wohlgemerkt nur auf Englisch gesehen, aber da kommt er für mich verbal schon genau so seltsam rüber wie Mischling es beschreibt, "energy" bezogen auf ein Lebewesen wird im Englischen ja nun auch nicht groß anders verwendet als "Energie" im Deutschen).
Es ist nur dann ein Angebot zu einem Ersatzverhalten wenn der Hund es als solches erkennen kann, wenn er aber in keiner Weise zu einem anderen Verhalten angeleitet wird (der Hund weiß nicht welches Verhalten nun "gehorsam" ist), bzw gelobt wird wenn er etwas richtig macht, kann er niemals sicher sein, dass er das richtige tut, er kann niemals mit vollem Selbstbewusstsein stolz etwas ausführen in dem guten Gefühl seinem Menschen zu gefallen.Das Alternativverhalten, dass er den Hunden bietet ist Ruhig und Gehorsam.
Alles was er lernt ist Passivität und Hilflosigkeit.