Zur Entstehung der Rassen möchte ich auch gerne noch was loswerden, auch wenn das im einzelnen schon gesagt wurde: Früher entstandene Rassen wurden, wie Mitch schon sagte, als Gebrauchshunde gezüchtet und dementsprechend nach Trieb und Körperstruktur selektiert. Andere Zuchtambitionen wie Optik stammen m.W. aus Reportagen heraus eher aus England, wo ein gewisser Kult nach der Optik aufkam, der übrigens auch zu mehreren Qualzuchten geführt hat. Diese Züchtungen sind aber auch noch nicht so alt, etwa 100 Jahre oder etwas mehr, und betreffen zum größten Teil Rassen, die bereits bestanden und nur »verändert« selektiert wurden. Die Engländer haben bei diesen Rassen übrigens auch mitunter den kleinsten Genpool.
Der Trend zur Optik kommt m.E. daher, dass die meisten Hunde nicht mehr für die Arbeit gebraucht, sondern als Statussymbol oder als Freizeittier angeschafft werden. Man sieht es eigentlich recht gut an Rassen oder Zuchtlinien, die noch zur Arbeit eingesetzt werden und sich entsprechend optisch wie charakterlich von anderen Tieren unterscheiden. Dass der Trend auch zu uns kommt ist völlig normal, wie bei allem anderen auch.
Und da kommt für mich der Doodle ins Spiel: Ich bin schon kein Freund von dieser optikorientierten Züchtung und ich gehe bei weitem nicht mit jeder Rassezucht und jedem Rasseverband konform, aber was ist denn nun die Intention hinter dem Doodle, stellvertretend für alle neuen Rassen wie der Schifamhund und was es nicht alles gibt? Versteht mich nicht falsch, mir geht es hier nicht nur um den Doodle, sondern um alle Neuzüchtungen. Manche Züchter kreuzen ein, um die Gesundheit ihrer Rasse zu erhöhen oder eine neue, gesündere Rasse zu erschaffen (siehe Schifamhund). Ob es sinnvoll ist, zwei oder mehrere kleine Genpoole verschiedener Rassen mit unterschiedlichen Trieben zu vermischen, sei mal dahin gestellt, das würde hier wohl den Rahmen sprengen und auch da gibt es Für und Wider.
Aber beim Doodle geht es nicht um Rassegesundheit, es geht darum, eine neue Rasse zu schaffen, die eine Nachfrage nach allergikerfreundlichen Hunden deckt. Es ist rein wirtschaftlich gedacht, diese Rasse zu erschaffen, es hat nichts damit zu tun, den Pudel gesünder zu machen o.ä., sondern es sollen beliebte Rassen wie Labbi, Goldi, Chi und Co. allergikerfreundlich gemacht werden, damit sich ein Allergiker keinen »schnöden« Pudel holen muss, den er optisch nicht ansprechend findet, sondern eine der typischen Familienhundrassen bekommt, die im Endeffekt aber fast genauso aussieht wie der Pudel. Was haben Allergiker nur ohne diese Rassen getan? Sie haben sich keinen Hund angeschafft oder sich auf einen bestimmten testen lassen. Oder – um mein Argument von vorhin zu wiederholen – auf eine bereits bestehende Allergikerrasse zurück gegriffen.
Ich möchte hier nicht sagen, dass ein Doodle ein schlechter Hund ist o.ä., es sind sicher tolle Tiere wie jeder andere Hund auch, nur finde ich ihre gewollte Vermehrung einfach unsinnig und unnötig. In der Zucht geht es schon genug um Geld, da muss nicht auch noch die Nachfrage das Entstehen neuer Rassen bestimmen, besonders wenn es schlicht darum geht, jemandem einen Pudel als »nicht ganz so Pudel« zu verkaufen.
Statt immer neue Rassen zu schaffen, nur weil die vielleicht einer kaufen könnte, könnte man mal versuchen, den Schlamassel, den man bei bestehenden Rassen teilweise angerichtet hat, gerade zu biegen, oder die Tierheime zu leeren. Da braucht es nicht immer mehr und mehr Hunde in allen Formen und Farben, zuerst sollte sich mal um die gekümmert werden, die es gibt.
Und zum Thema »Es gibt nichts, was dagegen spricht, warum also nicht«: Die Frage sollte man sich immer in beide Richtungen stellen. Wenn etwas nicht nötig ist, was für mich durchaus ein Argument dagegen ist, warum sollte ich es dann tun oder befürworten?
Wegen der Allergie selbst noch eines: Der Mensch reagiert auf Speichel und Urin des Hundes, nicht auf die Haare. Der Pudel/Doodle/was auch immer hat schlicht den Vorteil, dass er seine Haare und die darauf befindlichen Flüssigkeiten nicht überall verteilt, sodass man dem Allergen nicht immer ausgesetzt ist. Aber 1. kann man dennoch auf einen Doodle reagieren, 2. kann der Doodle nach dem Fellwechsel so gar nicht mehr allergikerfreundlich sein und 3. könnte ich mich auf jeden anderen Hund ebenfalls testen oder sogar allgemein hypersensibilisieren lassen, anstatt eine neue, maßgeschneiderte Rasse zu unterstützen.
Und ich glaube nicht, dass diese Rasse Zukunft hat, weil mit allen möglichen Rassen gedoodlet wird. Momentan wird marktüberflutend produziert, wenn man mal bei Google schaut, wie viele Anzeigen da zu finden sind. Und darum meine Sorge, dass die Vermehrer früher oder später auf ihren Tieren sitzen bleiben werden. Dann werden weniger davon gezüchtet, weniger werden sich um Rasseanerkennung bemühen, weil es ja kein so gutes Geschäft mehr ist, und schon versinkt die »Rasse« im Sande wie viele vor ihr auch schon. Da stellt sich mir nur die Frage, wie oft der Mensch das durchspielen muss, bevor er begreift, dass er mit seinen Ambitionen lediglich ein paar Jahre lang Mischlinge produziert und an den Mann bringt, die Rasse- und Tierheimhunden Plätze wegnehmen. Erst neulich bin ich über ein ähnliches Vorhaben aus den 50ern gestoßen, das nach ein paar Jahren unterging, das wurde später nochmal aufgegriffen und ging wieder unter, und das obwohl die Bemühungen für eine Anerkennung wirklich groß waren. Leider weiß ich den Namen nicht mehr, weil die Mischung unter zwei verschiedenen Namen lief, aber es ist nicht das erste Mal, dass jemand auf so eine glorreiche Idee kommt.