Hallo in die Runde,
Ich habe mir nicht alle Antworten durchgelesen. Aber mir sind einige Dinge aufgefallen. Ich spreche aber nicht alle an. Das wäre zu viel.
Ich bin in einem sehr großen Tierheim tätig und habe auch privat mit vielen Hunden zu tun. Die großen Hunde unserer Nachbarschaft hörst du NIE bellen. Die kleinen (und das sind deutlich weniger als die großen!) viel mehr. Außerdem werde ich wesentlich häufiger von kleinen Hunden gebissen (beliebt sind Waden, Füße und Ferse) als von den großen. Die kleinen Hunde der Nachbarschaft werden zu 50% aber auch nicht ausgeführt. Der eine Pinscher ist nur das Spielzeug der Kinder, bissig und rotzefrech! Der labrador der nachbarn ist aber auch nicht ohne...
Warum, wenn große schwarze Hunde so böse sind, sind schwarze Labrador Retriever so heiß begehrt?
Ich kenne das Vorurteil mit "kläffende Kleinhunde" und "gefährliche große, schwarze Hunde", habe durch das Tierheim einen guten Vergleich. Denn derzeitig gehören gleich drei große schwarze zu meinen Hunden. Gefährlicher ist aber die Pointerhündin, die jeden beißt, der ihr den Rücken zudreht, der Herdenschutzhund, wenn man sein Revier mit einem anderen Hund durchquert usw. Meine drei haben noch nie jemandem Schaden zugefügt, aber trotzdem meidet man mich, wenn ich auch nur einen von ihnen dabei habe. Eltern rufen ihre Kinder zurück, weil da ein böser Hund kommt (ohne Maulkorb, an lockerer Leine, schnuppernd). Habe ich eine Angstnase dabei, schicken die Eltern ihre Kids zu dem so süßen Hund, der ja so viel Angst hat und soooooo hübsch ist.
Die Tage meinte eine Frau am Tierheim zu mir, sie hatte einen blonden Labbi, leinenaggressiv und Ressourcenverteidiger, an der Leine, ob wir die Hunde nicht mal los machen sollen, die wollten ja eh nur spielen. Daraufhin bat ich sie darum mir anhand der Körpersprache ihres und meines Hundes zu sagen, woran sie es erkennt, dass sie nur spielen wollen... Wedelnde Rute, Lauerstellung etc. wurde genannt. ich erklärte ihr, dass ihrer aber nicht spielen will, sondern mit Tötungsabsicht auf andere Hunde losgeht! Und dass ich bei dem Labrador von ihr, ich hatte einen Boxermix an der Leine, auch als Mensch vorsichtig wäre, weil er schon mehrfach zugepackt hat und die Leute es im KH nähen lassen mussten. Aber sie hat ja so viel Hundeerfahrung... ich bin dann weiter, weil ich kein Bock auf ne Beißerei hatte.
Was nützt ein Hundeführerschein, außer, dass du einmal deine Sachkunde ablegen musstest? Den machst du einmal und wenn du 70 bist, kümmert sich da, wie beim Autoführerschein, kein Mensch mehr drum! Zumal sich das Wissen zur Erziehung auch ändert! Vor 50Jahren wurde anders erzogen als vor 10 oder 5 Jahren... Vor 50 Jahren waren Hunde da zum Bewachen des Grundstückes, bekamen Essensreste und eine Hütte zum Schlafen. Vielleicht hat die Frau nur noch diese Hunde und keinen der sich um sie kümmern kann. Wie viele Kinder wenden sich von ihren Eltern ab bis diese tot sind, weil sie mehr Zeit in Karriere und Familie investieren als Mutti und Vati zu besuchen? Oder einsame Tanten/Onkel?
Bietet ihr doch mal an, den Zaun zu erhöhen, damit so ein Vorfall sich nicht wiederholen muss! Vielleicht ist es ihr gar nicht bewusst, dass ihre Hunde so gefährlich sind für andere?
Wenn ihr Angst habt, geht doch mal zu zweit hin (mehr fänd ich übertrieben und unnötig, weil es eine alte Frau ist, die sich sonst überrannt fühlt) und sucht das Gespräch mit ihr, am besten außerhalb des Grundstückes oder wenn sie die Hunde alle reingepackt hat. Ihr müsst und sollt den Zaun dann nicht bezahlen, aber zeigt ihr doch einfach die Konsequenzen auf, die bestehen. Positive wie negative!
Schäferhunde bewachen ihre Herde und werden ja auch sehr häufig noch als Wachhunde ausgebildet. Warum wohl? Weil sie so lammfromm sind wie Schafe? Weil sie so schönes Fell haben? Nein, eben weil sie Einbrechern Angst machen, größere Zähne haben als ein Zwergpudel oder Pinscher! Ein Polizist mit Chi. Ich stell es mir gerade vor. Ratten werden ja inzwischen als Sprengstoff- oder Mienensuchratten ausgebildet. Ein Chi wäre sicherlich auch geeignet... Klein, wendig, gute Nase...
Ein Pinscher, Jack Russel oder Foxterrier als Wachhund. Vor denen hat einfach keiner Angst! Aber Wach- und Schutzhunde sind so ausgebildet, dass sie nur auf Kommando oder wirklich bei Gefahr im Verzug reagieren! So kenne ich das, wenn sie richtig ausgebildet wurden. Genauso wie Jagdhunde eines Jägers auch genau wissen, wann sie jagen dürfen und wann es nur ein Gassilauf ist. (Mein Onkel ist Jäger)
Einem Hund seine Körpersprache abzugewöhnen ist in meinen Augen viel, viel schlimmer als sie ihm zu lassen. Wenn er die Zähne fletscht, hat das einen Grund! Jeder Mensch und jeder Hund hat seine Individualdistanz, die man respektieren sollte. Wenn mir einer zu schnell zu nahe kommt, den ich nicht kenne oder nicht mag, schlage ich auch zu!
Krymeli zeigt mir jedes Mal die Zähne, wenn er mich nicht erkennt. Hand in 10cm vor die Nase halten (auch in Paniksituationen) und er weiß, dass ich es bin und dann kann ich ihn anfassen! Alle anderen ignorieren es und werden von ihm gebissen. Aber lieber vorher wissen, dass der Hund Angst hat, nicht will, dass man ihm näher kommt, als gebissen zu werden! Kinder lernen in der Schule im Sozialkompetenztraining "stopp" zu sagen, wenn ihnen jemand zu nahe tritt. Da respektiert man es. Warum nicht auch bei einem Hund? Egal ob groß oder klein! Zähne fletschen sollte man ernst nehmen und Bisse melden.
Hunde brauchen Erziehung, kontrollierten Freilauf und ein artgerechtes Leben. Egal, ob groß oder klein, dick oder dünn. Nur wenn ein hund einmal ein falsches Verhalten verinnerlicht hat, dauert es länger es zu löschen oder neutralisieren bzw. in ein anderes positives Verhalten zu verändern. Ich betreue die Hunde von nachbarn. Aber weil die sich nicht an die Absprachen halten, wirkt es oft so, als würde der Hund nie etwas dazu lernen. Die kläfft bei denen, beißt in die Leine, zieht dran und dreht völlig am Rad, wenn sie andere Hunde sieht. Das macht sie bei mir nicht (mehr), weil sie es anders gelernt hat. Aber weil Frauchen "keine Zeit " hat und auch keine Geduld dafür, lässt sie es schleifen. den Hunden geht es aber gut!
Jeder Hund ist unterschiedlich! Der eine Jack Russel braucht mehr geistigen Input und der andere begnügt sich damit, wenn er in elf Jahren zwei Kommandos gelernt hat.
Es ist ein Unterschied, ob es in der Natur des Hundes liegt, Beute zu fassen oder ob er dazu trainiert wird. Manchmal liegt es auch an den Erfahrungen eines Hundes. Schlechte Erfahrungen mit großen oder kleinen Hunden, Männern, Kindern, Fahrrädern oder dergleichen, lassen einige Hunde nach vorn gehen! "Angriff ist die beste Verteidigung" hat mal wer gesagt. Ich sehe es nicht so.
Ein Hund lernt es nicht, dass er nicht auf die anderen Hunde losgehen darf, wenn Herrchen oder Frauchen nicht für kontrollierte Begegnungen sorgen. Die Halter der Jack Russel in der Nachbarschaft sagen dann auch nur "psst" "halt die schnauze" oder "rucken an der Leine". Die hunde bellen aber trotzdem noch weiter.
Die Pinscherhündin (das Spielzeug der Kids) hat mal im direkten Nachbargarten die Hündin angeblafft. Ich hab sie durch den zaun nassgespritzt, weil die beiden so eine hässliche Belle haben und die Halter null reagieren, dass zumindest der Pinscher nicht mehr zum anblaffen kommt!
Mir ist es mal passiert, dass ich mit zwei Hunden unterwegs war. Auch sehr kleine Hunde (Jack Russel, die eine ist so groß wie ein Chi) und es kam ein Collie angelaufen. Ich bat darum, ihn anzuleinen, weil der Rüde eine Behinderung hat und nach vorne geht, wenn er sich bedroht fühlt. Man rief, und rief, keine Reaktion. Mein Rüde schnappte nach dem Collie, weil dieser ihn bedrängt hatte und Herrchen reagierte, in dem er dem Collie am Nackenfell zog und ihn schüttelte. Aber angeleint wurde er nicht. man ging weiter. Ich hatte ja noch die Hündin, die sich hinter mir versteckte. Der Collie kam in einem Affenzahn angerast und weil ich so schnell nicht checken konnte, wo die Hündin gerade steht (wollte ja nicht auf sie drauf treten bei meinem Schritt nach hinten), erhob ich nur das Bein im 90grad winkel, dass der Hund darein rennt und nicht an die Hündin kommt. Ich war die böse, weil ich den Hund getreten hätte (der Hund ist aber nicht mal ins Bein gerannt, sondern hat vorher die Kurve gemacht). Meine beiden waren angeleint. Es ist nichts passiert. Aber dieser Collie kommt mir und der Hündin noch sehr häufig entgegen, sehr neugierig und forsch. Herrchen ruft aber so panisch nach ihm, dass er umdreht. Man hat Angst, dass ich ihn wieder "trete". Ich habe den Hund aber nicht einmal berührt.
Wenn ich sehe, wie manche Eltern an meiner Schule mit ihren Hunden umgehen, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf, weil sie mir von Beißvorfällen erzählen. Sie werden nicht gebissen, aber Kinder oder Erwachsene, die sich zu schnell nähern und ihn anlangen wollen. Warum beißt er? Weil Frauchen hingeht, wenn der Hund was falsch macht, ihn im Nacken packt (er hat vor Schmerz aufgejault), auf den Rücken dreht und mit voller Wucht auf den Bauch schlägt. Alles innerhalb von drei Sekunden. Ich stand daneben und war sprachlos!
Der Hund ist zwei Jahre alt, mitten in der Pubertät und sonst total lieb.
Um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Vorurteile nutzen keinem was, vor allem den Hunden nicht!
Es gibt sowohl nervige Kleinhunde, Mittelgroße Hunde und Großhunde. Jede Rasse wurde mal für einen bestimmten Zweck gezüchtet und wird es teilweise bis heute noch. Vererbung und Sozialisation machen unser aller Wesen aus.
Es ist schlimm, wenn Tiere zu Tode kommen.
Entweder sucht man sich danach eine andere Strecke, wo man keine Gefahr läuft, diesen Hunden zu begegnen oder man sucht nach Möglichkeiten, dass ein solcher Zwischenfall sich nicht wiederholt. Siehe Beispiel mit Erhöhung des Zaunes.
huch, das war jetzt lang.
Gruß Hexe