So, nach ein paar Tagen, in denen ich mich ein wenig gesammelt habe, melde ich mich wieder zu Wort.
Tayet, du sprichst mir total aus der Seele. Schon von klein kam Nicki nie auf die Idee, sich einfach mal hinzulegen und zu schlafen. Als Welpe fiel das noch nicht großartig auf, da Welpen bekanntlich oft einfach totmüde umfallen. Aber jetzt ist sie ein einergiegeladener Junghund. Aktig, (zu) schlank, wendig, neugierig....und sie findet einfach keine Ruhe. Es gibt nur bestimmte Zeiten, wo sie wirklich kaum auffällt. Das zumeist vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind und entweder meine mam oder mein Stiefvater Zuhause sind. Dann ist wenig Leben in der Bude und sie muss nicht ständig nachsehen, was so passiert.
Wie gesagt, wenn ich im Wohnbereich bin und nicht unten in meinem Zimmer, würde sie es nie wagen, einfach aufzustehen und planlos allen hinterher zu dackeln. Das macht sie nur, sobald ich außer Sichtweite bin. Früher hat sie es auch bei mir gemacht, ja. Als sie ein Welpe war, dachte ich noch, das wäre sehr wichtig, weil sie einfach bei ihrem 'Rudel' sein möchte. Nur war das einfach so permanent...sie ist und dann immer auf den Füßen eingeschlafen oder zumindest neben uns am Boden, hauptsache dabei sein. Also habe ich angefangen, konsequent zu sein und das zu unterbinden.
Was das begrüßen angeht: Habe jetzt für mich beschlossen, sie ganz normal zu streicheln und hallo zu sagen wenn ich komme, also nicht mehr ignorieren. Darf es nicht übertreiben, sonst pusht sie sich gleich hoch, aber wenn ich ganz ruhig dabei bleibe, geht sie danach auch von alleine wieder auf ihren Platz.
Sollte sie doch mal meinen, sie kann mich verfolgen, schließe ich die Türen. Meine mam bringt sie dann halt immer runter, weils bei ihr und den anderen wirklich schlimmer ist... (wenn wir das negativ sehen, hat sie wahrscheinlich einfach nur Angst vor meinen Reaktionen und benimmt sich deshalb)
Box wäre wie gesagt auch eine Idee, aber ich alleine habe nicht die Zeit, sie dran zu gewöhnen. Muss nochmal betonen, dass ich da auf keinerlei Unterstützung hoffen kann.
Ansonsten versuche ich jetzt, so locker und gelassen wie möglich zu bleiben und gleichzeitig nicht die Erziehung schleifen zu lassen. Für die BGVP übe ich jetzt nur noch die nächsten 3 Samstage auf dem Hundeplatz, da ich weiß wie schnell ich die Geduld beim Training verliere..grade jetzt so kurz vor der Prüfung. Ich will einfach nicht noch mehr kaputt machen zwischen uns. Also lass ich das Training privat sein und übe da nur an den Dingen, die seit kurzem eben ein wenig nachlassen, wie Leinenführigkeit (vor allem in Gegenwart anderer Hunde), richtiges Laufen am Rad und Abrufen unter Ablenkung.
Das ist momentan genug für uns, da ich zudem ja noch viel am Vertrauen arbeiten will. Die Übungen sind nur noch sehr kurz, ein paar Sekunden und dann gleich ausgiebig loben und ein Spiel machen. Bei falschem Verhalten reiße ich mich am Riemen und ignoriere das. Jegliche Art von Bestrafung, wie eben Schimpfen, Nervosität und Ungeduld meinerseits oder an der Leine rumzerren verunsichert sie nur tierisch und wenn ich dann die Übung nochmal mache, ist sie total neben der Spur, schleicht umher und weiß nicht, was sie tun soll.
Worauf ich ganz stolz bin und woran ich sehe, wie schnell doch Fortschritte zu erkennen sind, ist die Situation beim Haus verlassen. Normalerweise zittert Nicki wie bolle, wenn ich ihr das HB hinmache und die Leine, bis wir aus dem Haus sind und es losgeht. Ich dachte immer, sie würde aufgeregt sein, aber auch das ist wieder nur Unsicherheit. Warum? Tja.. da wären wir wieder bei meinem Perfektionismus und meiner Zielsetzung. Die Hunde meiner besten Freundin sind immer förmlich ausgetickt, wenn man nur das Wort Gassi erwähnt hat, geschweige denn Leinen geholt und Schuhe angezogen hat. Sowas wollte ich auf keinen Fall, auch keinen Hund der bellend zur Tür rennt wenn es klingelt. Auch hier war ich für ihren Charakter wohl viel zu hart. Sobald sie rumgehampelt ist, obwohl ich noch gar nichts gesagt hatte, wurde sie wieder streng auf den Platz zitiert. Sie wurde zurück beordert, wenn sie zuerst zur Tür hinaus wollte und und und. Sie kann sich irgendwie gar nicht richtig freuen, wenn es dann los geht, weil sie Angst hat etwas falsch zu machen.
Wenn ich sie jetzt rufe, um das HB anzuziehen, streichel ich sie erst mal ausgiebig und rede freundlich und ausgelassen mit ihr, bevor sie überhaupt anfängt Unsicherheit zu zeigen. Und siehe da, seit zwei Tagen bleibt sie ganz gelassen und freut sich auch viel mehr. Sie jammert sogar mal ungeduldig, wenn ich noch was holen muss..hätte sie sich früher nie getraut. Andere gewöhnen ihren Hunden das ungeduldige jammern und fiepen ab, das drängeln nach draußen und das rumgehüpfe bevor's los geht... und ich würde mich über ein klein bisschen davon riesig freuen. :roll:
Im Großen und Ganzen kann es so weiter gehen, aber bei den Gassizeiten weiß ich noch nicht so recht, wie ich's anstellen soll. Irgendwie finde ich nicht das richtige Maß. Wie gesagt, sie ist extrem agil und lauffräudig, an der Leine fällt es ihr unheimlich Schwer im normalen Schritt zu gehen, egal ob sie vorher schon rennen durfte oder nicht. Das ist entweder ein rumtippeln (wie ein nervöses Pferd, das zwischen Schritt und Trab geht) oder schon der langsame Trab. Fuß geht nur ganz entspannt, wenn sie sich vorher WIRKLICH ausgepowert hat. Auspowern ist bei Nicki ganz schwierig. Von der Kopfarbeit her brauch sie nicht sehr viel, weil sie eben schnell überfordert ist. Lieber weniger und dafür alles richtig. Aber rennen...spielen...toben. Puh. Für Nicki wäre wahrscheinlich Hüten das richtige. :lol:
Zu viel Action auf einmal geht wie gesagt gar nicht, auch wenn ich dann immer denke sie wäre danach K.O.
Ist sie aber nicht, grade nachmittags hibbelt sie dann Zuhause noch weiter rum. Abends geht eine große Runde gut, da sie dann eh zeitnah runter auf ihren Schlafplatz kommt.
Abends kann Nicki komischerweise IMMER abschalten.
Tja.. ich werde nach wie vor abends entweder eine Stunde laufen oder eine halbe Stunde Rad fahren. Mit der Schiene 'weniger ist mehr' sind wir bis jetzt am besten gefahren. Vor allem, weil sie am Wochenende sowieso Action pur hat.
Ach ja, eine Frage an euch: Am Samstag habe ich ausversehen meine Stunde auf dem Hundeplatz verpasst. Bin schon um 15 Uhr anstatt um 16 Uhr da gewesen und der Leistungsgruppe mitgelaufen. Danach wollte ich ihr nicht nochmal ne Stunde zumuten. Blöd war nur, dass das die vorbereitende Stunde zum Verkehrssicherheitsteil der BGVP war. Heißt, die waren alle in der Stadt und sind den Ablauf durchgegangen. Muss gestehen, ich war mit Nicki selten in der Stadt. Da ist man meistens mit dem Auto hin und Nicki mag Autofahren sowieso schon gar nicht, zudem dann noch Stadt mit Autos, Lärm, Menschen.. habe ich immer für unnöten Stress gehalten.
Sie ist jetzt nicht hypernervös oder anngespannt in der Stadt, aber sie konzentriert sich da noch weniger als grade eh schon auf mich und findet alles andere aufregender, zieht eher mal an der Leine usw. Bei dem Teil der Prüfung muss sie jetzt nicht wirklich 1a sauber Fuß laufen, sollte aber doch nicht arg voraus laufen. Im Wesentlichen sollten wir da wenig bis keine Probleme kriegen, da der Hauptpunkt ihr Verhalten gegenüber Menschen, anderen Hunden, Umwelteinflüssen ist. Soltle sich halt neutral verhalten.
Heute muss ich dringend in die Stadt und um Zeit zu sparen und die Stunde doch nachzuholen, würde ich sie gern mitnehmen. Habt ihr Ratschläge, auf was ich achten soll? Mich einfach so verhalten, wie immer..als wäre nichts? Leine kurz oder lang? Gucken lassen oder auf mich fixieren? Im Großen und Ganzen weiß ich ja: Ruhe und Geduld bewahren :angel: wird schon schief gehn
EDIT (automatische Beitragszusammenführung)
Ach ja, Infano..kurz noch mal zu dir:
Mit der Körpersprache befasse ich mich sehr oft, seit ich weiß wie sensibel mein Hund ist. Eigentlich weiß ich ganz genau, was Sache ist...wahrscheinlich wollte ich es nur nie wahrhaben :|
Wenn ich freunlich und mit netter Stimme auf sie zugehe/sie rufe/locke, dann kommt sie definitiv immer, und das auch mit ganz viel Freude. Da gehts einzig und allein um ihre schlechte Erfahrungen/Verknüpfungen mit mir und speziellen Übungen oder Kommandos, ums böse/ungeduldig sein..meine falsche Körpersprache usw. Bestimmte Situationen eben, in denen ich die Kontrolle über MICH behalten muss. Der Hund macht ja überhaupt nichts falsch....
