Huhu,
ich bin hier im Ernährungsbereich glaube ich als recht geduldig und freundlich bekannt, aber eine Sache kann ich mir nun nicht verkneifen:
also lieber nix schreiben wenn man sich mit hunden nicht auskennen tut!!
Ich habe hier ein Regal von Büchern stehen, die dir alle widersprechen. Du hast eine Fernsehsendung in Länge von zehn Minuten gesehen und willst mir erzählen, ich hätte keine Ahnung? Ich bin weiß Gott nicht arrogant und weiß sicher nicht alles, aber ich habe mehr über die Ernährung von Hunden – sei es Barf, Fertigfutter, Studien oder andere theoretische Hintergründe – vergessen, als du dir aus zwei dubiosen Internetquellen zusammengesucht hast. Seit über zwei Jahren erstelle ich meinem Hund eigene Mahlzeiten, und damit meine ich komplett und ohne Zusätze. Ich habe schon viel Fleisch für meinen Hund verarbeitet und nichts davon war ein »ekliger Tierkadaver«, sondern schlicht Fleisch guter Qualität. Ein gesunder Hund braucht etwa 70% Fleisch in seiner Ernährung, das kannst du in der ganzen Fülle von Barfbüchern nachlesen. Sicherlich kann der Anteil an tierischem Eiweiß teilweise durch Milchprodukte, Eier und Co. ersetzt werden, aber wo enthalten die zum Beispiel aktives Vitamin A? Nirgends, dann das ist vorwiegend in Leber zu finden. Die Menge ist ebenfalls entscheidend, denn viele Mineralstoffe sind zwar auch in Nicht-Fleisch-Produkten zu finden, aber in so geringer Menge, dass der Hund Massen fressen muss.
da kam ein beispiel von einem retriever der ist Veggie und dem sein lieblings essen waren zuchini und zwar roh und nicht gekocht!
Erstmal: Beim Barf wird auch Gemüse durchweg roh verfüttert, von daher brauchst du das nicht extra betonen. Mein Hund frisst übrigens sehr gerne Knoblauch – sollte ich ihn nun ausschließlich davon ernähren? Dann hätten wir aber ein Problem, denn noch bevor er satt wäre hätte er sich vergiftet. Es gibt auch Hunde, die Pferdeäpfel für ihr Leben gerne fressen, würdest du deinen Hund also nur damit ernähren?
Abgesehen davon macht meiner nichts lieber, als sich halb verweste Tierkadaver vom Acker einzusammeln – wäre das nun also die Nahrung, die ich ihm vorsetzen sollte?
Hunde kann man sehr wohl rein vegetarisch ernähren!!!!!
Ich kann von einer Brücke springen, ich kann eine wahllose Person auf der Straße ohrfeigen, ich kann mich ab morgen nur noch von rohen Eiern ernähren. Ich KANN viel, weil ich körperlich und geistig dazu imstande bin, warum also tue ich es nicht? Weil manches davon strafbar, anderes gefährlich, ungesund oder moralisch verwerflich oder schlicht nicht angemessen ist. Nur weil ich es KANN werde ich nun nicht rausgehen und nackt durch die Nachbarschaft rennen und dabei »alle meine Entchen« pfeifen.
Mein Hund ist gezwungen, zu fressen, was ich ihm vorsetze. Ich KANN ihn also zum Veggie machen, nur ist die schiere Möglichkeit zu etwas noch kein Grund, es zu tun.
Nein, das sind Experten, die sich streiten. Zentek kenne ich aus seinen Büchern, sehr interessant zu lesen und durchaus neutral, belegt und auf verschiedene Quellen gestützt. Ein Professor, der schon vieles in dem Bereich publiziert hat. Dem gegenüber stehen eine Tierärztin, die ihre Ernähungslehre von Royal Canin verinnerlicht hat, und weiter unten im Text Peta, die eine Studie aus den 50er Jahren aus dem Dreck ziehen, die halbwissenschaftlich durchgeführt wurde und nach der kein Hahn mehr kräht, außer er hat keine besseren Argumente. Wenn das so toll und so einfach nachzuweisen ist, warum ist dann die einzige Studie dazu, die man scheinbar zitieren kann, 2006 gemacht worden? Wieso nicht früher, wieso nicht mehr? Und scheinbar genauso unwissenschaftlich wie die erste. Zumal Peta nun wirklich keine Quelle ist, die in einer sachlichen Diskussion auftauchen sollte. Die würden uns am liebsten sowieso alle Haustiere abnehmen, weil kein Mensch im Stande sei, ein Tier wirklich naturgemäß zu halten. Interessant ist dabei übrigens, dass sie soooo sehr auf die naturnahe Haltung von Tieren pochen, scheinbar aber der Meinung sind, dass das Erlegen von Beute nicht zur Natur gehört.
Das sagt er auch in diesem Artikel:
In einer perfekten Welt gäbe es das Konzept ,Haustier‘ nicht – alle Tiere könnten frei ihren natürlichen Bedürfnissen nachkommen.
Leute mit dieser Logik kann ich nicht ernst nehmen, besonders wenn sie es nur zu Aufmerksamkeit bringen, wenn sie mal wieder irgendwo Hausfriedensbruch begehen. Glaubt er denn, der Hund würde in freier Wildbahn nicht jagen?
Abgesehen davon sagt auch er:
Bei der Entscheidung, ob ein neuer (tierischer) Mitbewohner aufgenommen werden kann, sollten immer die Bedürfnisse der Tiere im Vordergrund stehen – und nicht die eigenen Wünsche.
Sprich: Hole ich mir einen Fleischfresser, dann ernähre ich ihn wie einen Fleischfresser. Und darüber, ob der Hund nun ein Fleischfresser ist, braucht man ja nun wirklich nicht streiten. Da kannst du vom Biobuch für Erstklässler bis hin zum Fachwerk aus der Unibibliothek alles aufschlagen und wirst dieselbe Antwort finden: Ja, ist er.
Zu der Reportage:
Es geht um einen Diätplan, denn alle Hunde in dem Bericht sind übergewichtig, der Labbi hier sogar mit rund 11 Kilo, was eine ganze Masse ist.
Der Hund nimmt sich die Zucchini übrigens aus dem Garten. Das entspricht sogar seiner natürlichen Ernährung, denn auch Wölfe fressen Beeren, Wurzeln, Erde und Co, um ihre Nahrung zu ERGÄNZEN.
Besonders schön finde ich, dass der Unterschied zu Katzen gemacht wird. Katzen benötigen etwa 90% Fleisch, Hunde 70-80%. Wollen die mir da ernsthaft erzählen, dass 10-20% den Unterschied zwischen möglicher Vegetarier und nicht möglicher Vegetarier ausmachen sollen?
Dass der Hund am Grill vorbeiläuft heißt überhaupt nichts. Wir hatten Hunde, die vom Grill geklaut haben (oder es zumindest versucht haben) und Hunde, die den Grill nichtmal angeschaut haben. Weder noch hat ein rohes Steak verschmäht, wenn man es ihm gereicht hat, und das würde dieser Labbi in der Reportage wohl auch nicht. Nur weiß auch der, dass es vom Grill nichts gibt. Dass er nun »plötzlich« nicht mehr bettelt ist einem Erziehungseffekt zu verdanken, da er nämlich vermutlich seit Beginn der Diät nichts mehr vom Tisch bekommen hat – durch diese Konsequenz gewöhnt man dem Hund das Verhalten wünschenswerter Weise ab.
Das Video dazu ist auch sehr interessant, der Hund kaut die Zucchini nämlich genüsslich. Das spricht dafür, dass er einfach sein Kaubedürfniss daran befriedigt, da er während seiner Diät sicher nichts zu knabbern bekommt. Hunde haben aber bis ins Hohe Alter das Bedürfnis, richtig zu kauen. Verständlich, wenn man sich überlegt, dass der Wolf ursprünglich das Beutetier gerissen und große Stücke verspeist hat, zumal sich das Gebiss – anders als andere Teile des Verdauungstraktes – nicht wesentlich verändert hat. Zusätzlich reinigt das Kauen die Zähne, weswegen es für den Hund auch so wichtig ist. Ich bin sehr sicher, dass der Hund mit demselben Genuss einen Rinderknochen fressen würde.
Das nächste ist das Was an Gemüse: Hier werden Paprika in größeren Mengen und Tomaten als Leckerlis verfüttert, dabei sind Nachtschattengewächse nur in kleinen Mengen verfütterbar, in größeren Mengen sind sie giftig. Hier hat man sich scheinbar noch nicht einmal damit auseinander gesetzt, welches Gemüse gefüttert werden kann, bei der Auswahl wird auch keinen Wert auf Nährstoffgehalt gelegt, es wird einfach etwas gefüttert. Kochen müsste man es übrigens auch nicht, das Gemüse könnte ebenso roh verfüttert werden.
Der Hund macht das nun seit 2 Monaten – das ist keine Zeit. Mangelerscheinungen stellen sich bei Hunden erst nach mehreren Monaten ein, das wird also noch abzuwarten sein, allerdings wird es darüber wohl kaum einen Bericht geben. Gleiches gilt übrigens für Studien in dieser Richtung. Eine gewisse Zeit und mit entsprechenden Pülverchen zur Nahrungsergänzung (weil das ja alles wieder sooooo gesund ist :roll

lässt sich ein Hund sicher so ernähren, manche werden auch gesund damit bleiben, aber sicher nicht alle. Mein Hund ist mit 70% Fleischanteil übrigens sehr gesund.
Dass der Hund nun fitter ist verdankt er nicht dem Gemüse, sondern einerseits der grundsätzlich frischen Ernährung, aber weit mehr dem Gewichtsverlust, denn dieser Hund hatte 25% mehr Gewicht als er haben sollte, das macht sich bemerkbar!
Wenn du dich übrigens so auf das Tierleid fixierst, wieso bist du dann nicht Veganer? Glaubst du, die Milchkuh leidet nicht? Du bist schlicht inkonsequent, weil du so fanatisch gegen »Tierkadaver« vorgehst, aber die Milchprodukte und Eier scheinbar nicht bedenkst. Und was ist mit dem Leid, dass du deinem Hund damit aller Wahrscheinlichkeit nach zufügst? Zählt das nichts? Geh doch mal ins Tierheim und versuch einen Hund zu bekommen, wenn du angibst, dass du ihn vegetarisch ernähren willst. Du wirst keinen bekommen, weil es als nicht artgerecht eingestuft wird und das zurecht. Selbst in meinem TS-Vertrag wird eine ARTGERECHTE Ernährung gefordert. Ich will nicht wissen, was los wäre, wenn ich sagen würde, ich will Leo nun zum Veggie machen.
Ich bin ja durchaus gewillt, derartige Diskussionen sachlich zu führen, wie wir es auch schon getan haben, aber wenn jemand mit so einem Eingangspost daher kommt und dann mit derartigem »Wissen« glänzt kann ich nur noch lachen. Weder du noch die Besitzer in der Reportage haben die mindeste Ahnung, was sie da tun. Sie füttern das falsche Gemüse, achten nicht auf Ausgewogenheit und glauben allen Ernstes, ihr Hund sei nun freiwillig Veggie, weil sie einen Erziehungserfolg erlebt haben. Das tut mir einfach nur noch weh....