Korrekterweise ist ein Hund ein Omnivor, im Gegensatz zur Katze oder zum Wolf, hat er alpha-Amylase und kann damit Stärke verdauen.
Darf ich fragen, ob das das einzige Kriterium ist bzw. woher diese Einstufung kommt? In diversen Büchern wird der Hund immer noch als Fleischfresser – oder besser gesagt Beutetierfresser – bezeichnet. Ich weiß, dass die Frage strittig ist, daher würde mich eine Quelle dazu interessieren.
Es gibt eine schöne schematische Doktorarbeit dazu von 2008 von einer angehenden TÄ, eine Art Literaturbesprechung zu dem Thema:
Carnivore Spezies nehmen den Großteil oder sogar alle benötigten Nährstoffe aus Futter tierischen Ursprungs auf (ALLEN et al. 1997).
Die fakultativ carnivoren unterscheiden sich von omnivoren Tieren dadurch, dass ihre Hauptnahrungsquelle tierische Materie ist, während diese bei omnivorer Ernährungsweise nur eine Futterquelle unter vielen ist.
VAN VALKENBURGH (1989) hat die carnivoren je nach Grösse des Anteils an Vertebraten in der Nahrung noch weiter unterteilt in die Fleischgruppe (>70% Vertebratenfleisch), die Fleisch-Knochengruppe (>70% Vertebratenfleisch und große
Knochen), die Fleisch-Nonvertebratengruppe (50-70% Fleisch und/oder Früchte und Insekten) und die Nonvertebraten-Fleischgruppe (Früchte und/oder Insekten und <50% Vertebratenfleisch).
(Vertebraten sind Wirbeltiere)
Danach wäre der Hund ein fakultativer Carnivore (heißt, sie haben die Wahl, das macht aus ihnen aber rein physiologisch noch keine Omnivoren, auch schematisch nicht) und weiter unterteilt ein Vertreter der Fleisch-Knochen-Gruppe.
Auch auf die Anatomie wird eingegangen, zum Beispiel werden die Zähne beschrieben (Vorhandensein von Reißzähnen z.B. als Kriterium) und der Magen-Darm-Trakt:
Der Magen carnivorer Tiere ist einfach im Aufbau (CLEMENS 1980, STEVENS & HUME 1995): ein sackförmiger Hohlraum mit HCl- und Pepsin-sezernierenden Drüsen (MATHIESEN et al. 1995), aber grösser als die Mägen herbivorer-frugivorer
Spezies (HILDEBRAND 1995). Der Hundemagen ist im Verhältnis zur Körpergrösse grösser als der der Katze. Dies spiegelt die Adaptation an ursprüngliche Formen der Nahrungsaufnahme wider. Katzen nehmen mehrere kleine Mahlzeiten bzw. Beutetiere zu sich, während sich bei den Hunden aus dem Konkurrenzkampf um die Beute innerhalb des Wolfsrudels eine Präferenz für die unregelmässige Aufnahme grosser Mengen an Nahrung entwickelte (BRADSHAW 2006).
Den carnivoren Spezies gemein ist ein Fehlen von Gärkammern, die bei herbi- und omnivoren Spezies die Orte mikrobieller Fermentation darstellen (STEVENS & HUME 1995), d.h. Magen und Dünndarm sind nicht gekammert und der Blinddarm ist
klein, [...]. Dünn- und Dickdarm sind relativ kurz, so dass nur eine geringe Fläche zur Resorption der aufgenommenen Nährstoffe zur Verfügung steht (MATHIESEN et al. 1995). Trotz des Fehlens der Gärkammern bei den carnivoren Spezies können z.B. Hunde bis zu 7 % der benötigten Energie aus flüchtigen Fettsäuren beziehen (MEYER & ZENTEK 1998). Laut TITUS & AHEARN (1992) könnte sogar bis zu 10 % der Bruttoenergie bei carnivoren Spezies aus kurzkettigen Fettsäuren entstammen.
Btw stimmt deine Äußerung zur Bildung der alpha-Amylase übrigens nicht, denn in der Bauchspeicheldrüse produziert auch die Katze diese, nur im Speichel nicht:
Der Kohlenhydrat- und Stärkeabbau beginnt bereits in der Maulhöhle. Die alpha-Amylase hydrolysiert Glykogen und Stärke. Sie wird von den Speicheldrüsen und von der Bauchspeicheldrüse sezerniert (HELDMAIER & EUWEILER 2004, CASPARY 1992, VONK & WESTERN 1984). Pankreatische Amylasebildung ist bei allen Tierarten vorhanden. Die meisten Spezies sezernieren hingegen keine Speichelamylase. Die Sekretion mit dem Speichel wurde von den hier untersuchten Spezies bei Kurzschnabeligel, Hund, Ratte, Schwein und den Primaten gezeigt (VONK & WESTERN 1984). Die Katze hingegen sezerniert keine Amylase im Speichel in Anpassung an ihre kohlenhydratarme Ernährungsweise (MADGE 1975). Pankreatische Amylase wird jedoch auch von der Katze synthetisiert, wenn auch in geringer Menge, die nicht durch höheren Stärkegehalt der Nahrung induziert werden kann, im Gegensatz zum Hund (KIENZLE 1993b).
Und ebenfalls besonders interessant wegen deiner Äußerung:
Die kohlenhydratabbauenden Enzyme haben im allgemeinen, trotz der Fähigkeit zum Stärke- und Glucoseabbau (MORRIS et al. 1977, KIENZLE 1993a) im Gegensatz zu omnivoren Tieren eine verminderte Aktivität, was bei rein carnivorer Ernährung aber nicht von Nachteil ist, da diese bei carnivorer Nahrung nicht notwendig sind und so die Energie, die zur Synthese der Enzyme verbraucht würde, gespart werden kann (MORRIS 2002).
Es wird durchaus noch weiter darauf eingegangen, dass Hunde Kohlehydrate im Vergleich zu z.B. der Katze verwerten können, dennoch werden sie weiter als Fleischfresser bezeichnet, der Unterschied liegt nur in einer größeren Anpassung und darin, dass Katzen strikte Carnivoren sind, Hunde fakultative:
AHLSTROM & SKREDE (1995) vergleichen die Speziesunterschiede von Hund und Katze (KENDALL 1984) mit denen bei Blaufuchs und Nerz, wobei die Verdaulichkeit bei höherem Kohlenhydratgehalt der Nahrung beim Nerz wie bei der Katze stärker negativ beeinflusst wird. Dies kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass Feliden und Musteliden generell eine striktere Anpassung an eine rein carnivore Ernährung durchlaufen haben als die Caniden.
Quelle:
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/9416/1/Kleffner_Helen.pdf
Ich sage ja, es ist eine große Diskussion und es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen Hunden und Omnivoren in ihrem Verdauungstrakt, doch frage ich mich, wie du zu der definitiven Aussage kommst, Hunde seien Omnivoren, wo sie doch offiziell noch als fakultative Carnivoren geführt zu werden scheinen, wenn auch mit ein paar wenigen Anpassungen der Enzymaktivität.
Zum Rest sage ich nichts mehr, da habe ich meine Position mehr als deutlich gemacht, auch wenn man scheinbar zu faul war, meinen etwas längeren Text zu lesen....