Aber das können sie nicht und das macht manchmal hilflos, verzweifelt und wütend.
Ich stimme Morastbiene zu, es ist extrem belastend für Angehörige wenn jemand in der Familie psychische Probleme hat.
Einen schlechten Tag würde ich deswegen auch verzeihen, obwohl es für mich auch dazugehört, dass man über seine negativen Gefühle redet und ich es wünschenswert fände, wenn deine Eltern es schaffen dir später in einem Gespräch auch mal mitzuteilen, dass sie manchmal überfordert sind und wissen dass vielleicht nicht alles okay war was sie gesagt haben.
So eine Form von Reflektion braucht es meiner Meinung nach damit alle Beteiligten sowas "heil" überstehen können, ansonsten führt es zu unausgesprochenen Konflikten bei denen die Eltern sich innerlich immer weiter abneigen und das betroffene Kind langsam aber sicher den Halt verliert.
Drüber reden ist also ganz wichtig, fände es auch okay, wenn du deine Eltern notfalls selbst um ein Gespräch bittest.
Hast du denn eine Idee, wieso du damals plötzlich diese psychischen Probleme bekamst? Also kennst du den Auslöser? Denn ich glaube, wenn man diesen kennt, hat man schonmal einen "Anhaltspunkt" an dem man Arbeiten kann.
Gerade Angsterkrankungen haben nur selten einen Fixpunkt als Auslöser, da kommen meistens ganz schön viele Dinge zusammen, von einer genetischen Disposition über erlerntes Verhalten in der Familie, bis hin zu traumatisierenden Erlebnissen im Alltag oder in speziellen Positionen.
Es ist meistens kaum möglich nun genau zu sagen woran es liegt, die Frage nach dem "Warum" beschäftigt meistens auch die Betroffenen und wird (leider) vom Umfeld nur allzu deutlich eingefordert (frei nach dem Motto "Wenn jemand keinen Grund für seine Ängste liefern kann hat er eigentlich auch keine Berechtigung welche zu haben").
Auch wenn es sich bestimmt hart anhört- aber das nehme ich dir nicht ab.
Zugegeben Ängste erfüllen immer Funktionen, diese müssen uns aber nicht bewusst sein und sind es meistens auch nicht. So kann es z.B. tatsächlich sein, dass wir Angst haben weil wir eigentlich Zuneigung brauchen, dies muss einem aber nicht so direkt bewusst sein und es muss auch lange nicht heißen, dass wir durch die Angst das bekommen was wir eigentlich brauchen. Im Gegenteil meistens führen starke Ängste über kurz oder lang zum Verlust der persönlichen Freiheit und sozialer Isolation. Mitch leidet bereits unter beidem und kann trotzdem ihre Ängste nicht einfach willentlich abstellen, weil sie irgendwie "einsehen" würde dass ihre "Nachteile" nun größer wären als ihre "Vorteile".
Heilung durch Erkenntnis oder Einsicht wird zwar oft von der Schulpsychologie geprädigt, ist aber aus meiner Sicht häufig an der Realität vorbei.
Mitch, wenn ich mir den "Werdegang" deiner Erkrankung so ansehe dann sieht es für mich schon so aus, als hätte sich das Problem im Grunde immer mehr verstärkt im Laufe der Jahre, trotz vieler Therapieversuche.
Ich kenne das Gefühl und auch mir ging es genau so, mir ist alles davongeschwommen bis ich auch kaum noch vor die Tür gehen konnt (ich selber konnte zwar noch raus, aber mein Partner durfte nicht weggehen, ich bin teilweise schon durchgedreht wenn er den Müll weggebracht hat und außer Sichtweite war). Rückwirkend kann ich nicht so genau sagen, was es genau war dass mich damals immer tiefer reingezogen hat, genauso kann ich aber auch nicht sagen was genau mich nun immer weiter wieder rauszieht. Ich könnte für beides Eckpunkte nennen, aber so wirklich einen konkreten Auslöser habe ich für beides nicht.
Wenn du schreibst du hättest auch gerne Kontakt zu anderen Leuten und es ging dir damals sogar ganz gut in der Klinik, dann ist es vielleicht wirklich die richtige Wahl. Kommt ja auch drauf an wie intensiv dort gearbeitet wird, vielleicht würde dir ein etwas langsameres Tempo gut tun (wenn du sagtest letztes Mal warst du manchmal überfordert), genau diese Punkte würde ich versuchen in einer potenziellen, zukünftigen Klinik gleich schonmal anzusprechen und dabei auch deine Ansprüche und Bedürfnisse an die Therapie besprechen.
Zuhause raus zu kommen hilft aber vielleicht allen ein wenig in der schweren Situation und sicher entspannt sich dann auch das Verhältniss zu deinen Eltern wieder.