lässt mich daran denken, dass deine Krankheit dir eben auch viele Vorteile bietet. Und da ist nicht nur das Ausschlafen

Du brauchst nicht lernen, keine Prüfungen haben, bekommst viel Aufmerksamkeit und Zuwendung von deinen Eltern und von uns hier, musst du nicht mit anderen Ängsten oder Konflikten auseinandersetzen, wenn du nicht das Haus verlässt, hast keine große Verantwortung oder Verpflichtungen und du hast keinerlei Stress, außer den, den du dir selber machst

Geld verdienen ist offensichtlich momentan kein großes Problem, deine Eltern versorgen dich ja mit dem, was du zum leben brauchst
Im Grunde wissen wir ja schon, dass wir bei diesem Thema nicht einer Meinung sind und ich hoffe du nimmst es mir deswegen nicht böse, dass ich deinen Beitrag trotzdem kommentiere.
Aber auch hier muss ich widersprechen, denn, ja, unsere Ängste erfüllen oft Funktionen und bieten uns somit einen Vorteil, allerdings wenn dann einen unterbewussten und keinen so sinnlos oberflächlichen wie "dann kann ich ausschlafen". So wie du es beschreibst klingt es als würde man sich eine Strichliste machen und sich dann denken "Hey, wenn ich Ängste entwickel kann ich bequem zuhause bleiben, cool, das mach ich." So funktioniert es aber nicht, sondern die Funktionen der Ängste liegen eigentlich fast immer auf einer tieferen und schlechter greifbaren Ebene und sind für den Betroffenen meistens kaum zu erkennen.
Und ja, ich vermute auch, dass das bei Kompassqualle ein Problem war. Solange sie so krank war, dass ihr Freund das Haus nicht verlassen durfte, brauchte sie sich keine Sorge machen, dass ihm irgendwas passieren konnte. Der Nachteil war, dass er wahrscheinlich nicht ewig so mit ihr zusammengelebt hätte (und sie ihre Freiheit eingebüßt hat). Solange die Sorgen darum, was passieren könnte, größer sind als die, dass er sie vielleicht verlässt, bzw. solange der Kopf denkt, die Wahrscheinlichkeit, dass ihm was passiert, ist größer als die, dass er sie verlässt, wird jede Therapie erfolglos sein.
Ich weiß, du wolltest nur ein Beispiel nehmen, aber auch hier ist die Erklärung zu oberflächlich um Sinn zu machen.
In meinem Fall sind meine Ängste eher darauf zurückzuführen, dass ich während meiner gesamten Kindheit keine Bezugsperson hatte, sowas macht hilflos uns die Selbstständigkeit die man erlangt ist keine echte, sondern eher eine relativ kindliche Form von Eigenständigkeit.
Kaum dass ich dann einmal eine echte Bezugsperson (meinen Freund - mein Mann mittlerweile übrigens :lol

hatte wollte (konnte) ich dieses Gefühl von Sicherheit, welches ich in meinem Leben noch nie gehabt hatte einfach nicht wieder loslassen. Es hat sich lange Zeit so angefühlt als würde ich sterben wenn er irgendwann nicht wieder nach Hause käme (hier zeigt sich wie kindlich meine Selbstständigkeit war, eine Dreijährige empfindet auch instinktiv größte Angst wenn sie die Eltern verliert (im Einkaufszentrum zum Beispiel), in der Natur hätte es für das Kind normalerweise den Tod bedeutet die Eltern zu verlieren und nichts anderes spiegelt sich hier).
Solange ich also nicht die Selbstständigkeit eines Erwachsenen ereiche werden diese Ängste niemals verschwinden (deswegen funktioniert auch Exposition - also der Angst aussetzen - zumindest in diesem Fall nicht als Therapiemaßname, da damit nicht die Funktion der Angst behoben werden kann).
Diese Erklärung ist immer noch recht einfach, denn wie Syn schon sagte (im Grunde hat sie ja schon alles erklärt und ich kann nur zustimmen) sind Angsterkrankungen in aller Regel multifaktorell und nicht immer ist so einfach (oder überhaupt möglich) alle Faktoren zu bestimmen. Meistens müssen die Betroffenen kämpfen ohne dass sie überhaupt so genau wissen was sie eigentlich zurückhält
Übrigens, selbst seit ich mich ein ganzes Stück befreit habe (es geht nicht von Heute auf Morgen) gibt es immer noch genügend Situationen im Alltag in denen mein Mann irgendwo hingeht und es mir sehr schwer fällt, oder auch Dinge die er jetzt schon 1000x gemacht hat und an die ich mich gewöhnt habe (joggen gehen z.B.) und wo ich dann doch plötzlich wieder Angst habe.
@Syn:
Ich kenne all diese Sprüche und auch die unterschwelligen Vorwürfe aus dem Umfeld

Früher habe ich mich für meine Ängste so sehr gehasst, dass ich insgeheim immer dachte die Anderen hätten schon auch irgendwie recht und bin dadurch jeden Tag ein bisschen mehr krumm gegangen. Heute geht es ganz gut, teilweise reagieren die Leute sogar positiv wenn sie sehen wie offensiv ich mittlerweile mit meinen Problemen umgehe.
Ich freu mich für dich, dass du mit der Berentung gut zurecht kommst (glaube dir aber, dass es immer diesen Beigeschmack von 'ich wollte so gerne, aber ich konnte nicht' behält).
Ich habe sowas für mich auch immer befürchtet, aber einerseits will ich es nicht einsehen und wünsche mir sooo sehr etwas fertig zu bekommen in meinem Leben (fange jetzt wieder an zu studieren und wünsche mir nichts mehr als das es jetzt klappt, weiß aber natürlich dass es nicht einfach wird für mich und habe auch Angst wieder zu scheitern) und andererseits würde ich den dafür nötigen Ärztemarathon für eine Berentung auch einfach nicht schaffen (bin auch in dem Bereich phobisch, das ist echt blöd weil man sich dann im Grunde gar keine Hilfe holen kann, bin oft genug noch mit 40 Fieber zur Arbeit gegangen (in einem Not-Job den ich gehasst habe) und habe versucht mir nichts anmerken zu lassen weil ich keinem erzählen wollte, dass ich es nicht schaffe mir ein Attest zu holen:uups

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@Mitch:
Fühl dich mal gedrückt wenn du magst.
Du hattest offenbar ein paar recht anstrengede Tage (Therapeut sagt ab, Streit mit den Eltern) und daraus resultierend dann jetzt auch eine Panik-Attake in deinem "sicheren Umfeld" (das stelle ich mir übrigens auch sehr gemein vor, dass du ja irgendwie nie wirklich "sicher" sein kannst vor deiner Angst, weil dir ja theoretisch überall schlecht werden könnte, ich hatte das Glück, dass ich wenigstens "sicher" war, wenn mein Mann zuhause ist).
Vielleicht gibt es ja etwas, dass du gerne machst und mit dem du dich in den kommenden Tagen ein wenig ablenken kannst. Mir haben neue Hobbies immer ganz gut geholfen, malen, Gitarre spielen, eine Sprache lernen, Geschichten schreiben...etc, löst natürlich alles nicht das Problem, aber man fokussiert sich mal für einige Zeit auf was anderes und kann sich entspannen und wird für Fortschritte ja auch mit einem Ergebniss "belohnt".
Vor allem muss man sich auch mal selbst loben für ganz kleine Schritte, z.B. wenn du abgelenkt warst kannst du dich dafür loben, dass du in dieser Zeit nicht darüber nachgedacht hast ob dir gerade schlecht werden könnte.