Wir setzen Alprazolam auch sehr erfolgreich bei schlimmen Angstzuständen ein. Wenn es zum Beispiel darum geht, bei dringend nötigen Zahnbehandlungen einen Zahnarztbesuch zu ermöglichen.
Wenn es der Betroffene grundsätzlich schafft eine Praxis zu betreten und eine Voruntersuchung zu überstehen ist Lachgas eine tolle, risiko- und nebenwirkungsarme Alternative und zur Zeit auch wieder total im Kommen

..aber das nur nebenbei.
Zahnarztängste gehören übrigens zu den gesellschaftlich eher akzeptierten Ängsten, da haben häufig auch die Hausärzte Verständnis und sind bereit Medikamente zu verschreiben.
Bei vielen anderen Ängsten bekommt man da manchmal nicht so schnell Hilfe oder sogar noch einen dummen "stell dich nicht so an" Spruch dazu.
Es stimmt auch nicht, dass gleich nach der ersten Tablette eine Abhängigkeit da ist. Eher eine Erleichterung.
Genau dieses Erleichterungsgefühl kann (muss natürlich nicht) bereits nach der ersten Tablette zu einer psychischen Abhänigkeit führen die bedingt, dass das Medikament immer wieder und in höheren Dosen bzw kürzeren Abständen genommen wird, bis auch eine physische Abhänigkeit da ist.
Demnach kann (!) bereits die Einnahme einer einzigen Tablette eine Suchtspirale auslösen.
Syn hat es ja schon gut beschrieben, wie sie im Grunde auch immer welche dabei haben "muss" (auch das ist eine psychische Abhängigkeit, wenn auch eine harmlose), andere gehen eben noch einen Schritt weiter und wollen die Tabletten nicht nur zur Sicherheit dabeihaben, sondern "müssen" auch jedes Mal eine nehmen sobald es auch nur ein wenig unangenehm wird.
Ich benutze sie eben auch nur in Notfällen
Im Grunde ist das ja auch okay und sinnvoll, trotzdem kommt es natürlich immer auf die einzelne Person an, ich kannte auch z.B. Borderliner (im schlimmsten Fall mit narzistischen Tendenzen) die Angstmedikamente genommen haben und bei denen war immer dann ein "Notfall" wenn sie gerade mal Bock drauf hatten, dass ein Notfall war (keine grundsätzlichen Vorurteile meinerseits gegen Borderliner an dieser Stelle, ich bin schließlich seit 15 Jahren mit einem zusammen

)
In solchen Händen ist das Suchtpotenzial natürlich nochmal ungleich höher.
Genau so bei Menschen die bereits Suchterfahrungen haben, oder zumindest ein erhöhtes Suchtrisiko.
Nicht jeder Angstpatient ist "kompetent" genug als dass man ihm ruhig mal eine Packung davon verschreiben könnte, das bedenken die Ärzte manchmal nicht (und manchmal kann man es wahrscheinlich auch nicht vorhersehen) wenn sie es verschreiben.
Und das kann ich mir nicht vorstellen. Du bist ein körperlich gesunder Mensch, es ist absolut unwahrscheinlich, dass dir übel wird, sobald du rausgehst. Trotzdem passiert es ständig. Weil du Angst davor hast. Zu Hause passiert es aber nicht so oft. Weil du nicht so viel Angst davor hast. Warum hast du zu Hause nicht so viel Angst davor, draußen aber schon? Weil dich dort Leute sehen, falls du dich übergeben musst? Weil du dich nicht einfach zurückziehen kannst, wenn dir schlecht wird? Weil du unsicher bist, wie du dich am besten verhältst?
Das ist schon wieder etwas zu einfach gedacht

Es ist eher so, dass es Zuhause sicher ist, weil man da weniger Angst hat und draußen "gruseliger" weil man da weniger Angst hat. Begründungen dafür sind meistens nur Platzhalter (im Fall von Mitsch weil sie drinnen näher bei der Toilette ist und dort schnell hin könnte wenn ihr schlecht werden würde).
Die Ansgt vor der Angst allein ist schon eine Rückkoppelung, denn sobald sie da ist melden sich auch die Symptome vor denen man eigentlich Angst hat.
Bei mir z.B. ist es so, dass sobald mein Partner auch nur Minuten zu spät nach Hause kommt ich darin ja schon ein Indiz für meine größte Angst (ihm ist etwas passiert) sehe. Wäre mir die Angst davor, dass ihm etwas passiert gar nicht erst so präsent würde ich ja auch die "Anzeichen" für deren Bewahrheitung nicht sehen, da ich dann wahrscheinlich einfach erstmal davon ausgehen würde, dass ihn irgenwas kleines aufgehalten hat, anstatt dass er von einem Auto überfahren wurde.
Du schlägst schon wieder vor, dass die Ängste doch verschwinden sollen, wenn man sich nur klar macht, dass sie sinnlos sind und so einfach funktioniert es eben nicht
