Vorwurfsvoll ist es nicht gemeint, es soll dir nur nochmal eindringlich den Ernst der Lage klar machen. Du hast hier doch auch schon ne Menge Tipps bekommen. Es gibt eben kein Allheilmittel mit dem man dem Hund zeigt, dass er unter einem steht. Das drückt man durch sein ganzes Verhalten aus. Und wie das bei euch aussieht, kann man hier nicht beurteilen. Da solltet ihr lieber einen Hundetrainer aufsuchen, der sich alles genau anschauen kann.
Wir können hier nur Tipps zur ersten Hilfe geben. Und diese lautet: Lasst Hund und Bruder nicht unbeaufsichtigt alleine. Sei in solchen Situationen dabei. Wenn der Hund ein Verbot missachtet, dann müsst ihr eingreifen, nicht der Bruder. Der Bruder muss, wie schon gesagt, neben der Rangordnung herlaufen. Er ist viel zu jung, um eingegliedert zu werden.
Dein Bruder soll kein Aufmerksamkeitstraining mit dem Hund machen. Da ist es besser, wenn du das machst, weil der Hund erstmal auf euch hören sollte. Wenn er euch als Chef ansieht, dann hat sich auch das Problem mit dem Bruder gelöst, weil er dann gehörigen Respekt vor euch hätte und den Bruder nicht im Traum je maßregeln würde.
Versuch doch mal hier aufzuschreiben, was ihr für Regeln und Verbote für den Hund habt. Und schreib gleichzeitig die darauf folgenden Konsequenzen hin.
Das hat den Sinn zu schauen, wie ihr überhaupt mit dem Hund umgeht, ob eure Konsequenzen dem Hund überhaupt zeigen, dass man euch ernst nehmen kann.
Mal als Beispiel wie ich das meine: Der Hund geht in die Küche, darf er nicht. Ihr schickt ihn auf die Decke. Er versucht es weiter und wird wieder auf die Decke geschickt. Sowas nimmt kein Hund ernst, weil er ja eben immer wieder aufstehen kann und es trotzdem nochmal probieren kann.
Da müsst ihr dann verschiedene Stufen aufbauen. Und die letzte Stufe sollte immer eine solche sein, dass der Hund euer Verbot nun einfach nicht mehr missachten kann, dass er einfach keine andere Möglichkeit hat.
Die Rangordnung kann nur geklärt werden, wenn ihr alle eure Regeln und Verbote IMMER und JEDERZEIT konsequent und souverän durchsetzt. Ihr dürft nicht einmal sagen "Naja gut, stört mich jetzt gerade nicht". Was ihr sagt, muss Gesetz für den Hund sein.
Wie sieht es bei euch mit dem Füttern aus? Wie bekommt der Hund sein Fressen, bekommt er einfach so fürs Nichtstun mal Leckerchen? Wenn ihr nur Trockenfutter füttert, solltet ihr ihn komplett für sein Futter arbeiten lassen. Ihr müsst dem Hund zeigen, dass ihr über alle Ressourcen verfügt, die für ihn interessant sind und die er haben will. Das heißt unter anderem Futter, Spielzeug, Sozialkontakt. Der Hund sollte also z.B. kein Spielzeug zur freien Verfügung haben. Es gibt nur ein tolles Spiel, wenn ihr dabei seid und es dem Hund ermöglicht. Und ihr hört auf, wenn ihr keine Lust mehr habt, nicht wenn es dem Hund genehm ist.
Wo darf sich der Hund denn aufhalten? Hat er einen festen Stammplatz, liegt er euch im Weg herum? Steht er auf, wenn ihr durch wollt oder steigt ihr über ihn oder umrundet ihn?
Wenn der Hund im Weg ist, immer umrennen. Ist sein Problem. Auch wenn er z.B. nah mit seinem Kopf an einem Schrank ist, den ihr gerade aufmachen wollt. Dann bekommt er den Schrank eben vor den Kopf gehauen (natürlich nicht mit voller Kraft). Setz dich auch ruhig auf seinen Platz, in sein Körbchen, auf seine Decke, was auch immer. Das ist nämlich alles deins. Du bist nur so nett und erlaubst dem Hund es auch zu nutzen.
Kommandos werden exakt EINMAL gegeben. Danach werden sie sofort durchgesetzt. Wenn du weißt, dass du das Kommando nicht durchsetzen kannst, dann gib es auch nicht.
Mache mit deinem Hund Unterordnung. Lass ihn absitzen, Platz machen, was auch immer er alles so kann. Und belohne ihn nicht ausschließlich mit Leckerlis. Eine liebe Tonlage, ein kleines Streicheln ist ausreichend. Beende Übungen immer mit einem Erfolg für den Hund. Also übe nicht Übungen, die er noch nicht gut beherrscht.
Sei nicht launisch, sei souverän. Schreien, Wut, all das wirkt in den Augen eines Hundes lächerlich. Lasse keine Situationen zu, in denen dich der Hund auf die Palme bringen könnte.
Beim Gassigehen entscheidest du, wo es lang geht. Du entscheidest, wie lange der Hund schnüffelt. Du entscheidest, ob er mit anderen Hunden spielen darf. Du entscheidest, zu wem er Kontakt aufnehmen darf.
Wenn bei euch Besuch kommt, wie wird der Hund vom Besuch begrüßt? Der Besuch sollte zunächst euch begrüßen. Der Hund kommt ganz zum Schluss. Wenn der Hund sich gerne vordrängelt, dann wird er ausgeschlossen. Packe ihn in irgendein Zimmer, lasse den Besuch zur Ruhe kommen und dann darf der Hund erst dazustoßen.
Knuddel den Hund nicht ständig. Er ist unwichtig. Mache die Dinge, die du machen willst und achte nicht laufend auf den Hund. Im Vorbeigehen kann man ihn leicht streifen, um ihm zu zeigen, dass man zusammengehört. Aber nicht laufend abknuddeln. Wenn er alleine war und ihr nach Hause kommt, dann ist der Hund Luft für euch. Wenn ihr dann irgendwann Lust habt, dann ruft ihr den Hund zu euch und geht aber nicht zu ihm.
Ich weiß jetzt nicht, was du davon alles schon machst oder auch nicht, deshalb habe ich jetzt einfach mal alles aufgeschrieben, was mir gerade so einfiel!