Ich kann den Wunsch nach einem Hund absolut verstehen.
Zwar hatte ich schon immer Freunde aber ich bin einfach ein Mensch der ohne Tiere nicht sein mag und habe mir als Kind schon einen Hund gewünscht.
Nun bin ich 28 Jahre alt und obwohl ich mit 18 - also vor 10 Jahren - ausgezogen bin habe ich erst JETZT einen Hund.
Es musste einfach alles passen und ich habe in den Ferien den Welpen von meiner Freundin hier in Pflege gehabt um zu gucken ob ich das auch gebacken bekomme - meine drei Kinder (3, 4 und 6 Jahre) und eben einen Welpen der im Prinzip wie ein kleines Baby ist.
Da nicht jeder sich ein Baby oder nen Welpen ausleihen kann stell dir doch mal alle zwei bis drei Stunden Nachts den Wecker - tagsüber so alle eineinhalb bis zwei Stunden und immer wenn der Wecker klingelt rennst du mit nem Stofftier unterm Arm vor die Tür und wartest mal 10 Minuten - so läuft das die ersten Wochen mit einem Welpen - man muss wirklich ständig mit dem kleinen Haufen Fell vor die Tür weils pieseln muss und man möchte den Hund ja schnell stubenrein haben.
Ein Hund braucht viel Beschäftigung, also plane deine ganze Freizeit nur für den Hund. Wenn du noch keinen Pflegehund hast dann geh doch einfach täglich mal vier Stunden spazieren und das wirklich bei jedem noch so bescheidenen Wetter - da hast du dann auch ganz viel Zeit drüber nachzudenken wie das mit Hund wäre.
Klar malt man sich dann erstmal aus wie toll es doch ist wenn man das Stöckchen wirft und der Hund bringt es brav zurück - aber weisst du auch wie lange es dauert bis der Hund das zuverlässig macht? Das ist wirklich viel Arbeit und einen Husky kannst du nur an der Schleppleine laufen lassen weil er sonst wahrscheinlich weg ist. Mal abgesehen davon das es auch passieren kann das du einen Hund hast der apportieren total dämlich findet.
Nach jedem Spaziergang putze auch den Boden oder fege zumindest durch - ein Hund der gerade genüsslich bei Matschwetter durchs Feld gerannt ist bringt entsprechend viel Schmutz rein und ich vermute mal das deine Mutter keine Lust hat ständig hinter dem Hund herzuwischen.
Ein grosser Hund braucht auch viel Futter was auch ne Menge Geld kostet. Wenn du nicht total Mist verfüttern willst dann kostet das auch einiges. Smokee wiegt 34kg (ich schätze mal ein Huksy kommt auch so in die Richtung) und sein Futter kostet mich ca. 50 Euro im Monat und da sind Leckerlis und Knabberzeug (Ochsenziemer und Co) noch nicht dabei.
Dazu dann noch Hundesteuer (ok. die ist hier nicht so teuer) und die Haftpflichtversicherung (unsere kostet 90 Euro im Jahr weil noch Mietsachschäden mitversichert sind).
Bei ner Impfung bist du auch gleich mal gute 40 Euro los und dann kommt noch das Entwurmen dazu was nochmal ca. 10 Euro sind (je nach Tierarzt und Mittel halt).
Zusätzlich sollte man monatlich noch was weglegen falls der Hund mal krank wird denn das kann ganz schnell ein paar 100 Euro kosten.
Gina war kein Husky (ich habe aber die Vermutung das sowas in der Art bei ihr mit drin war) und ich sag dir dieser Welpe war wirklich anstrengend. Die war und ist es jetzt auch noch ein Energiebündel das ist wahnsinn. Ihre Energie ist quasi endlos und ich habe ihr regelrechte Auszeiten verpasst weil sie sonst nach zweistündigem Spaziergang hier weiter hinter den Katzen hergefetzt wäre.
Wenn so ein Energiebündel 5 Stunden am Tag alleine ist dann kannst du dir ungefähr ausrechnen was alles kaputt ist wenn du nach Hause kommst. Ein Welpe sucht sich dann irgendeine Beschäftigung wenn er nicht genug ausgelastet ist und viel alleine ist.
Ich habe mich sehr viel über die verschiedenen Hunderassen informiert und ich wollte einen Hund der in unsere Familie passt - vom Charakter und Bewegungsdrang usw.
Ok. gefallen sollte er uns auch noch und von daher kam nur ein Eurasier oder Elo in Frage. Für letzteres sass ich für April auf einer Warteliste.
Diese Rassen brauchen zwar genauso Erziehung und Beschäftigung wie jeder andere Hund auch, aber zumindest der Bewegungsdrang war in einem Rahmen wo ich sagen kann das wir das zeitlich schaffen und wir dem Hund gerecht werden können und auch die Art der Beschäftigung, ich hatte bei den Rassen das Gefühl das ich dem Hund gerecht werden kann.
Nun gut, es kam anders als gedacht. Wir haben jetzt einen amerikanischen Collierüden. Es ist ein Zufall denn eigentlich gefallen mir Collies nicht vom Aussehen her und da sie unter die Kategorie Hütehund fallen kam er für mich ehrlich gesagt nicht in Frage weil ich Angst hatte das ich ihm nicht gerecht werden kann - ich hab einfach nix zum hüten.
Nun gut, er ist schon fünf und ein ausgebildeter Therapiehund und da habe ich meine Wünsche hinten angestellt und danach entschieden was für meine Tochter (sie verletzt sich selber und spricht auf Tiere in ihren Anfällen gut an) das Beste ist und habe dort angerufen.
Sie kamen auch gleich mit Smokee vorbei und da kam nicht so ein kleiner Lassie rein sondern ein halbes Pferd. Von der Grösse her war der Hund wirklich nicht das was ich wollte - zwar wolllte ich keinen kleinen Hund aber er zählt eher zu den Grossen und nicht mehr zu den Mittleren würde ich sagen.
Nun gut, ich hab ihm trotzdem ne Chance gegeben und was soll ich sagen - ich würde unser Kalb nie wieder hergeben - er ist für uns der beste Hund den man haben kann. Nach 10 Minuten hatte er mein Herz erobertmit seiner ganzen Art.
Vom Aussehen und der Grösse her ist er noch immer nicht das was ich wollte *g* aber vom Charakter hätten wir es nicht besser treffen können. Ich liebe diesen Hund und er ist vom Wesen her absolut UNSER Traumhund und das ist das einzige was zählt.
Auch wenn Smokee ein wirklich ruhiger Geselle ist, absolut super erzogen und eine treue Seele so überleg ich mir jeden Tag wie ich ihn genügend beschäftigt bekomme. Er braucht seinen Auslauf und alleine stumpfsinniges laufen neben dem Fahrrad würde ihn gar nicht auslasten - er braucht auch noch viel Kopfarbeit und da liegt es jetzt an mir mir immer wieder etwas einfallen zu lassen wie ich ihn fordern kann.
Ich habe aber das Glück das meine Kinder vormittags in Kiga und Schule sind so das ich erstmal Zeit habe mit ihm ne gute Stunde raus zu gehen wo ich ihm zig mal die Frisbee oder das Stöckchen werfe und auch Gehorsamkeitsübungen mit ihm mache. Wenn wir Glück haben treffen wir auch nen Hund der Lust hat mit ihm zu spielen - denn egal wie sehr ich mich bemühe - einen Hund kann ich einfach nicht ersetzen und es ist auch wichtig das er zu anderen Hunden Kontakt hat.
Hier zu Hause machen ich und die Kinder immer wieder Suchspiele mit ihm damit auch sein Kopf angestrengt wird und er nicht irgendwann aus Langeweile anfängt sich irgendeinen Blödsinn einfallen zu lassen.
Smokee ist Intelligent und er soll hier nicht verblöden nur weil er als Familienhund gehalten wird.
Demnächst werde ich mal Fährtenlesen mit ihm machen aber dazu brauch ich meinen Mann der dann erstmal mit dem Hund woanders spazieren geht damit Smokee nicht mitbekommt wo ich die Fährte lege - sonst braucht er sich ja nicht anstrengen wenn er mir dabei zuschaut wie ich die Fährte lege - wie gesagt er ist ja nicht blöde *g*.
Wenn ich Samstags in der Arbeit bin geht mein Mann mit ihm spazieren. Die Kinder müssen tagsüber wenn sie nicht bei Freunden sind auch in den sauren Apfel beissen und bei jedem Wetter eine Runde mit mir mitgehen denn Smokee braucht seine Bewegung.
Nun ist Smokee aber eine Hunderasse die zwar beschäftigt werden muss aber doch eher eine von der ruhigeren Art die es auch nicht krumm nimmt wenn der Spaziergang doch mal etwas kürzer ausfällt.
Bei einem Husky geht das nicht das man mal nur ne Runde um den Block geht. Und wenn man einen Hund nicht frei laufen lassen kann und keine Arbeit für ihn hat dann ist es verdammt schwer ihn wirklich auszulasten.
Smokee legt gerne mal nen kleinen Sprint hin - an der Leine wäre das gar nicht möglich denn dann würde er mich über den Boden schleifen

So ein 34kg Hund hat verdammt viel Kraft und ich bekäme ihn nicht mehr gehalten (allerdings ist er auch so gut erzogen das er an der Leine gar nicht erst losrennen würde *g*).
Zum Glück hat Smokee aber keinerlei Jagdtrieb und wie gesagt haben die Vorbesitzer die ihn selber ausgebildet haben wirklich ganze Arbeit geleistet und er ist super erzogen. Nun ist es an mir die Erziehung beizubehalten und ihm noch zusätzlich ein bisschen was beizubringen damit er weiterhin geistig ausgelastet ist und das kostet einfach unheimlich viel Zeit.
Ach ja und bei so nem Welpen braucht man auch unglaublich viel Geduld. Denn bis Kommandos wirklich zuverlässig sitzen und ein Hund verlässlich hört da braucht es nicht nur ein paar Wochen zu sondern ca. 2 Jahre - je nach Charakter des Hundes.
Ich denke schon das du deine Eltern vielleicht von einem Hund überzeugen könntest indem du mit nem Pflegehund Gassi gehst - aber ich glaube das die Wahl der Rasse einfach die Falsche ist.
Man sollte einen Hund nicht nach Aussehen auswählen sondern nach seinen Eigenschaften.
Überleg dir was dir wichtig ist! Wenn du zum Beispiel einen sehr auf seinen Menschen bezogenen Hund willst dann wäre ein ChowChow eher geeignet, wobei der in der Erziehung alles andere als einfach ist weil er seinen eigenen Kopf hat. Den Collie durfte ich als einen sehr auf seine Familie bezogenen Menschen kennenlernen - Smokee hats mit Fremden nicht so (ausser mit Kindern - die findet er einfach alle klasse). Ein Elo wäre für dich auch keine schlechte Wahl.
Vor allem wenn du irgendwann mal Kaninchen willst (oder sogar schon hast) solltest du dir eine Rasse zulegen die keinen oder wenigstens kaum Jagdtrieb hat. Auch wenn du vor hast an Felder spazieren zu gehen und einen Hund möchtest den du auch mal ohne Leine laufen lassen kannst dann achte darauf das der Hund keinen Jagdtrieb hat - sonst ist der beim erstbesten Hasen der ihm vor die Nase kommt weg.
Es gibt so verdammt viele Hunderasse und jede wurde für eine bestimmte Verwendung gezüchtet. Du solltest dich wirklich informieren was Zeit und Platzmässig wirklich zu euch passen würde und nicht danach welche Rasse gerade selten ist oder in Mode. Das dir der Hund gefallen muss ist klar, aber Aussehen ist wirklich nicht alles und hinter so manchem nicht so gut aussehenden Hund steht wirklich eine ganz liebe Seele die der beste und treueste Freund sein kann.
Ein Hund der sich langweilt und einfach nicht ausgelastet ist ist in meinen Augen eine tickende Zeitbombe die irgendwann explodieren wird und das muss einfach nicht sein.
Ach ja und nur weil man einen Husky kennt, kennt man noch lange nicht alle. Jeder Hund ist eine eigenständige Persönlichkeit und bei jeder Hunderasse gibt es die berühmten Ausnahmen. Labbis mögen eigentlich alle Wasser, ich kenne aber auch einen der um Wasser nen riesen Bogen macht.
Und dann spielt bei einem ausgewachsenen Hund auch noch viel eine Rolle wie er erzogen wurde und wie er beschäftigt wird. Ein Hund der gerade was geleistet hat ist auf jeden Fall ausgeglichener als einer der gerade fünf Stunden alleine zu Hause verbracht hat.
Überdenke einfach deine Rassenwahl nochmal. Ich glaube nicht das ein Hund gar nichts für dich ist - ich glaube nur das du dich für eine weniger energiegeladene Rasse entscheiden solltest und nicht nur nach dem Aussehen beurteilen - dann lassen sich deine Eltern vielleicht auch überreden denn ein Teil der Arbeit bleibt nunmal an ihnen hängen wenn du ehrlich bist.
Viel Glück!